Seite 5: Adus Odyssee

Er war jetzt 18 Jahre alt, und wäh­rend die meisten Fuß­bal­ler­kar­rieren in diesem Alter noch nicht mal richtig begonnen haben, schien es bei Adu, als sei seine Zeit schon fast vorbei. Selbst seine Inter­views erin­nerten nicht mehr an den enthu­si­as­ti­schen Jungen von einst, sie klangen wie Durch­hal­te­pa­rolen: Ich will den Men­schen in Erin­ne­rung bleiben als jemand, der immer alles gegeben hat.“ In Lis­sabon kam er auf elf Ein­sätze. Danach irrte er als Leih­spieler quer durch Europa, kon­zeptlos, schlecht beraten, wäh­rend man in den USA längst einen anderen Spieler zum neuen Fuß­ball-Wun­der­kind erkoren hatte: den 18-jäh­rigen Brek Shea, der eben­falls in der Fuß­ball­schule in Flo­rida trai­nierte.

2011 ging Adu zurück in die USA. Bei Phil­adel­phia Union spielte er gut, aber sollte es das gewesen sein? Der Junge, der auf­brach, um den Welt­fuß­ball zu revo­lu­tio­nieren, war wieder zu Hause, gestrandet, geschei­tert. Also ging es 2012 erneut los. Es war der nächste Fehler, sagte Adu später. Denn weder in Bra­si­lien bei EC Bahia noch bei FK Jago­dina in Ser­bien fand er sein Glück. Anfang 2015 musste er fest­stellen, dass er in den letzten zwei­ein­halb Jahren gerade mal 59 Minuten gespielt hatte.

Habt ihr gesehen, wie ich den Tor­wart beim 1:0 gestört habe?“

Don­ners­tag­nach­mittag. Mikko Sep­pälä, der Pres­se­spre­cher, schickt eine SMS. Das Inter­view finde nun ganz sicher nach dem Spiel statt. Geschäfts­führer Jarmo Heis­kanen sagt: Freddy wird spielen, es ist das erste Heim­spiel der Saison, und wir haben es mit ihm beworben.“

2200 Zuschauer ver­teilen sich im Sta­dion. Unter dem Dach stehen die jungen Fans, die laut­stark und mit Trom­meln die Mann­schaft nach vorne peit­schen. Wenn Freddy am Ball ist, rufen sie Freddy, come on!“ Das Spiel gegen VPS Vaasa plät­schert dahin, viele Fehl­pässe, kaum Tor­raum­szenen, KuPS gewinnt 1:0, aber das eigent­liche High­light ist eine Möwe, die in der 80. Minute unter dem Gejohle der Fans aufs Feld scheißt. Adu ist da schon draußen. Er hat ordent­lich gespielt, ein paar Flanken geschlagen, ein paar Dribb­lings ver­sucht.

Nun steht er wieder in den Kata­komben, Bade­lat­schen, Hand­tuch um die Schul­tern. Freddy, die ner­vigen Deut­schen sind zurück. Freddy zieht die Mund­winkel hoch. Ja, diesmal lächelt er wirk­lich. Also, wie sieht’s aus? Nur 30 Minuten, kurz auf einen Kaffee oder ein Wasser? Viel­leicht morgen“, sagt er. Ich spreche mal mit meinem Berater.“ Dann legt er sich auf die Mas­sa­ge­bank. Habt ihr gesehen, wie ich den Tor­wart beim 1:0 gestört habe?“ Klar, Freddy. Super, Freddy.