Darf der Vergewaltiger Ched Evans wieder Profi werden?

Speilt Evans bald für Oldham?

Hochgradig verstörend war auch das Verhalten der Fans von Sheffield United: Kurz nach der Inhaftierung ihres Angreifers rief die Fanszene in einem Heimspiel zur doppelten Ehrerbietung für Ched Evans auf: In der 9. (Evans Trikotnummer) und 35. Minute (aufgrund der 35 erzielten Tore) besangen die Zuschauer den Fußballer. Eine Tradition in englischen Kurven, die sonst nur verstorbenen Vereinslegenden zuteil wird. Und nicht einem verurteilten Vergewaltiger. Auch Evans´ Freundin Natasha Massey, bekannte sich zu ihrem Partner. Ihr Vater, ein reicher Geschäftsmann, organisierte gar eine Unterstützerkampagne, die auf die Unschuld des Fußballers pochte.

»Geldgeile Schlampe«

Wie absurd: Da wird ein Mann zu fünf Jahren Gefängnis wegen Vergewaltigung verurteilt, weil er den hilflosen Zustand einer sich im Vollrausch befindlichen jungen Frau schamlos ausgenutzt hat, und wird anschließend als eine Art Märtyrer verklärt, während sich das Opfer als »geldgeile Schlampe« beschimpfen lassen muss.

Am 17. Oktober 2014 wurde Ched Evans wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Wenn jeder Mensch eine zweite Chance verdient hat, dann auch ein Vergewaltiger. Nur: Darf ein Mann wie Ched Evans wieder die Chance bekommen, Fußballprofi zu werden? Als sich sein alter Arbeitgeber Sheffield United bereits im April 2014 mit Evans im Gefängnis traf, um über eine mögliche Rückkehr zu sprechen, antworteten mehr als 150.000 Menschen via Online-Petition mit »Nein« auf diese Frage. Prominente Förderer des Klubs wie die TV-Moderatorin Charlie Webster, die Geschäftsfrau Lindsay Graham, sowie die Musiker Dave Berry und Paul Heaton wandten sich offiziell vom Verein ab. Die ehemalige Weltmeisterin im Siebenkampf, Jessica Ennis-Hill, forderte Sheffield United auf, ihren an einer Tribüne angebrachten Namen zu entfernen, sollte der Klub Evans tatsächlich verpflichten und erhielt daraufhin Vergewaltigungsdrohungen via Twitter. Verschiedene Großsponsoren drohten ebenfalls mit Sanktionen im Falle einer Rückkehr des Stürmers. Ende November verabschiedete sich Sheffield schließlich offiziell von den Transfer-Plänen, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass man sich lediglich der übertriebenen öffentlichen Kritik beuge und Evans diese Chance eigentlich verdient gehabt hätte.

Neues Gehalt: 400 Pfund die Woche

Das glaubt offenbar auch Simon Corney, seines Zeichens Eigentümer des englischen Drittligisten Oldham Athletic. Nachdem zwischenzeitlich auch die Tranmere Rovers, Hartlepool United und Hibernian FC aus Malta Kontakt zu Evans gehabt haben sollen, hat Corney dem inzwischen 26-jährigen Stürmer am vergangenen Wochenende einen Vertrag angeboten. Kolportiertes Gehalt: 400 Pfund die Woche. Eine erneute Online-Petition, die sich gegen die Verpflichtung richtet, wurde bislang von knapp 65.000 Menschen unterzeichnet.

Corney zeigt sich davon bislang jedoch unbeeindruckt. Sein Verein hat Erfahrung mit der Resozialisierung von ehemals inhaftierten Fußballern: 2007 nahm der Klub Lee Hughes unter Vertrag, nachdem der die Hälfte seiner sechs Jahre wegen eines Unfalls mit Todesfolge abgesessen hatte. Der Stürmer bedankte sich artig und schoss 25 Tore in 55 Spielen.