Seite 3: „Ich bin für die meisten in diesem Geschäft nur ein Objekt“

Wie das?
Im Winter 2016/17, ich war mitt­ler­weile zu Hera­cles Almelo in die Ere­di­visie gewech­selt und dort Stamm­spieler, erzählte er mir, dass Ata­lanta Ber­gamo an mir inter­es­siert sei. Dann hörte ich ein halbes Jahr nichts mehr von der Sache. Bis zum letzten Sai­son­spiel. Plötz­lich riefen die Ita­liener wieder an, also schickte ich meinen Berater nach Ber­gamo.

Klingt doch super.
War es ja zunächst auch. Die Serie A, das klang wie ein Mär­chen! Wäh­rend mein Berater in Ber­gamo war, flog ich mit den Jungs von Almelo auf Abschluss­fahrt nach Mal­lorca. Am zweiten Tag stand ich in Bade­hose am Strand, plötz­lich klin­gelte mein Telefon. Mein Berater sagte: Du musst jetzt sofort unter­schreiben!“

Was war daran so schlimm?
Ich selber hatte noch mit nie­mandem aus Ber­gamo gespro­chen. Nicht mit dem Trainer, nicht mit dem Manager. Ich kannte die Stadt nicht, hatte das Trai­nings­ge­lände nicht gesehen. Mein Berater sollte ledig­lich Infos ein­holen, her­aus­finden, ob das Inter­esse von Ber­gamo ernst gemeint war. Doch er wollte den Transfer unbe­dingt sofort ein­tüten.

Warum?
Wahr­schein­lich hatte er eine nette Prämie für sich aus­ge­han­delt. Ich habe seine Ansage zunächst gar nicht für voll genommen und ein­fach auf­ge­legt. Eine Minute später rief mich der Sport­chef von Almelo zu sich rüber, er war mit uns Spie­lern auf Malle. Ich stapfte zu ihm durch den Sand, er guckte mich ver­wun­dert an und sagte: Robin, wir sind uns mit Ata­lanta einig, du kannst unter­schreiben!“ Ab diesem Moment wusste ich: Ich bin für die meisten in diesem Geschäft nur ein Objekt, mit dem sich Geld ver­dienen lässt. Der Verein wollte auch nur die Ablö­se­summe kas­sieren.

Wie gingen Sie mit dieser Erkenntnis um?
Ich war völlig über­for­dert. Ich schal­tete mein Handy auf stumm und tat so, als wäre nichts pas­siert. Zurück in Hol­land sagte ich dann zu meinem Berater: Ers­tens, Freund­chen: Du bist gefeuert. Und zwei­tens: Ich gehe nicht nach Ber­gamo. Kannst du denen aus­richten.“ Damit war die Sache für mich durch.

Heute spielen Sie trotzdem in Ber­gamo.
Wieder ein paar Tage später klin­gelte mein Handy, ein Anruf aus Ita­lien. Ich ging ran und hörte: Ciaaaoo Robin!“ Danach sprach ein Mann auf Ita­lie­nisch, ich ver­stand kein Wort. Irgend­wann merkte er, dass ich ihm nicht folgen konnte, also sagte er: I give you wife!“ Und dann tele­fo­nierte ich mit der eng­lisch spre­chenden Frau von Ata­lantas Sport­chef. Der hatte mich per­sön­lich ange­rufen, weil er von meinem Berater nichts mehr gehört hatte.

Und seine Frau zurrte den Transfer fest?
So unge­fähr. Am Telefon waren beide total höf­lich, super nett. Sie luden mich ein, mir alles in Ber­gamo anzu­schauen. Also flog ich zusammen mit meinem Vater zum letzten Meis­ter­schafts­spiel nach Ber­gamo und hatte dort ein wun­der­schönes Wochen­ende.

Jetzt spielen Sie gegen Welt­stars wie Cris­tiano Ronaldo und für einen Klub, dessen Fans berühmt sind für ihre Lei­den­schaft.
Die Stadt lebt für den Verein. Ich werde auf der Straße erkannt, Leute wollen mich umarmen. Nach Nie­der­lagen haben manche auch am Tag danach noch Tränen in den Augen.

Mitt­ler­weile gibt es sogar ein Skill­video von Ihnen bei You­tube!
Stimmt. Da sieht man mich vor allem grät­schen. Meine linke Sense ist berüch­tigt!