Seite 2: „Ich hatte Angst, dass er meine Fahne riechen würde“

Und Sie?
Ich wollte eigent­lich über­haupt nichts sagen. Mir wurde ganz heiß.

Warum?
Weil ich Angst hatte, dass er meine Fahne rie­chen würde. Ich hielt mir also die Hand vor den Mund. Schluss­end­lich lud er mich trotzdem nach Arn­heim ein. Direkt nach dem Pro­be­trai­ning sagte der U19-Trainer: Ich muss dich haben. Unbe­dingt.“ Dann ging das Gefühls­chaos los.

Eigent­lich wollten Sie Poli­zist werden.
Einmal, als ich sechs Jahre alt war, stülpte mir mein Opa seine Poli­zei­mütze auf den Kopf und setzte mich zum Spaß neben sich in den Strei­fen­wagen. Ab dem Moment war die Sache für mich geritzt: Eines Tages würde ich Poli­zist werden. Als das Angebot aus Arn­heim kam, hatte ich mich längst für den höheren Dienst beworben und war auch schon mehr oder weniger ange­nommen.

Ihre Mutter war nicht begeis­tert von der Idee, alles stehen und liegen zu lassen, um in Hol­land Jugend­fuß­ball zu spielen.
Es gab zwei Lager. Mein Papa sagte: Robin, Polizei schön und gut. Aber dein wahrer Traum war es immer, Fuß­baller zu werden.“

Und Ihre Mutter?
Die sagte: Mach erst mal deinen Abschluss und zieh die Bewer­bung bei der Polizei durch. Wer weiß, was pas­siert?“ Und sie hatte ja eigent­lich Recht. Es ging um die A‑Jugend bei Vitesse Arn­heim, nicht um einen Pro­fi­ver­trag. Ich hatte noch über­haupt nichts in der Hand. Des­wegen war sie eher auf Sicher­heit bedacht. Sie hatte die Sorge, dass ich mein Abi ver­hauen und am Ende mit leeren Händen dastehen würde.

Haben Sie Ihr Abi ver­hauen?
Nein, über­haupt nicht. Ich habe ein für meine Ver­hält­nisse gran­dioses Abitur gemacht. Ich war nie ein beson­ders guter Schüler, aber am Ende hatte ich einen Schnitt von 2,0. Weil ich schon immer dis­zi­pli­niert arbeiten konnte, wenn es drauf ankam.

Was bedeu­tete das kon­kret für diese Zeit?
Ich lernte bei­spiels­weise im Auto. Oft stand ich auf dem Rückweg von Arn­heim nach Deutsch­land im Stau. Dann legte ich meine Unter­lagen aufs Lenkrad und ging den Stoff durch.

Nach einem Jahr A‑Jugend wurden Sie in Arn­heim in die U23 hoch­ge­zogen. Wieder ein paar Monate später machte Sie Peter Bosz zum Profi.
Auf einmal flog ich ins Trai­nings­lager nach Abu Dhabi. Kurze Zeit zuvor hatte ich noch auf Asche gespielt. Es war kom­plett abge­fahren. Aber Peter Bosz war der Erste, der in mir einen Links­ver­tei­diger erkannte. Zuvor war ich Achter oder Sechser, spielte immer im Zen­trum. Doch Bosz sah meine Lauf­stärke, meine Physis, mein Durch­hal­te­ver­mögen.

Schulte er Sie um?
Nach dem Trai­nings­lager in Abu Dhabi machte ich noch ein Spiel für Arn­heims U23. Bosz sagte dem U23-Trainer, dass er mich links hinten ein­setzen sollte. Ich machte meine Sache so gut, dass plötz­lich Zweit­li­gist Dor­drecht an mir inter­es­siert war. Dort hatte ich eine Per­spek­tive, auf hohem Niveau zu spielen.

Also ließen Sie sich ver­leihen.
Ich wollte Ein­sätze sam­meln. In Dor­drecht wurde ich von der lokalen Presse als Königs­transfer ange­kün­digt. Als der Links­ver­tei­diger, der so drin­gend benö­tigt wurde. Die hatten keine Ahnung, dass ich in meinem ganzen Leben genau eine Partie auf dieser Posi­tion gemacht hatte!

Hatten Sie zu der Zeit eigent­lich schon einen Berater?
Ja, er war mir privat emp­fohlen worden von meinem Jugend­trainer in Arn­heim. Anfangs machte er seine Sache auch gut. Aber irgend­wann wollte er mich über den Tisch ziehen.