Seite 4: „Ich bin mit mir im Reinen“

Kennen Sie das pol­ni­sche Sprich­wort: Ein Vogel muss fliegen, ein Pole muss saufen“?
Das trifft zu. Was die Sau­ferei anging, war ich bei Widzew sicher­lich nicht im schlech­testen Verein gelandet.

2000 war Ihre aktive Kar­riere dann end­gültig vorbei. Manche Fuß­baller fallen in ein Loch, wenn sie die Sym­pa­thien der Massen nicht mehr spüren.
Das Loch habe ich ja längst hinter mir. Ich habe so viel Dreck fressen müssen, dass dieser ganze Fuß­ball-Zirkus für mich seine Bedeu­tung ver­loren hat.

Wenn Sie Ihren ehe­ma­ligen Natio­nal­mann­schafts­kol­legen Eike Immel im Dschun­gel­camp“ sehen, sind Sie dann froh, dass Ihnen zumin­dest das erspart geblieben ist?
Mein Dschun­gel­camp“ hieß Bad Fre­de­burg und dau­erte vier Monate. Und ich sage Ihnen: Ein paar Würmer zu fut­tern, ist absolut nichts dagegen. Als in Bad Fre­de­burg die Tür hinter mir ins Schloss fiel, dachte ich: Uli, irgendwas in deinem Leben ist aber kom­plett falsch gelaufen.“

Was würden Sie heute als den größten Erfolg Ihres Lebens bezeichnen: den Sieg mit Werder Bremen im Euro­pa­pokal 1992 oder dass Sie den Alko­ho­lismus über­wunden haben?
Ganz klar: dass ich nicht mehr saufe. Und dass ich noch lebe.

Ist der Uli Borowka des Jahres 1996 heute für Sie ein fremder Mensch?
Nein, das gehört doch alles zu meinem Leben. Wenn ich heute an die Zeit zurück­denke, dann läuft es mir zwar eis­kalt den Rücken runter, aber ich weiß, was ich falsch gemacht habe, und dazu stehe ich voll und ganz. Ich bin mit mir im Reinen.

In Barfuß oder Lack­schuh“ sangen Sie: Ich schlafe unter Brü­cken und im Him­mel­bett. Bin Engel und mal Teufel, doch nie bin ich nur nett.“
Gespens­tisch, wie gut diese Zeile auf mein Leben passt. Im Ori­ginal ist das Lied ja von Harald Juhnke. Viel­leicht bin ich das: der Harald Juhnke des Fuß­balls. Mit dem Unter­schied, dass ich noch lebe.