Gleich am Anfang direkt mal ein Zei­chen setzten!“ Für gewöhn­lich schi­cken Kreis­li­ga­trainer mit dieser Weis­heit ihre Schütz­linge auf den nächst­besten Asche­platz. Am Wochen­ende taugt sie jedoch als Motto für die Begeg­nungen der ersten und zweiten hol­län­di­schen Liga: Die Spieler aller Ver­eine pro­tes­tieren dann näm­lich gleich zu Beginn, genauer gesagt in den ersten 60 Sekunden, gegen die dis­kri­mi­nie­renden Vor­komm­nisse der letzten Woche und setzen so ein Zei­chen gegen Ras­sismus.

Statt der ersten Blut­grät­sche oder dem ersten über­am­bi­tio­nierten Abschluss werden alle Akteure für eine Minute still­stehen, wäh­rend des Streiks wird auf der Anzei­ge­tafel der Spruch Ras­sismus? Dann spielen wir keinen Fuß­ball“ zu lesen sein. Der hol­län­di­sche Ver­band reagiert damit auf die Aus­fälle beim Zweit­li­ga­duell zwi­schen dem FC Den Bosch und Excel­sior Rot­terdam. Wäh­rend der gesamten Partie des ver­gan­genen Sonn­tags wurde der schwarze Excel­sior-Spieler Ahmad Mendes Moreira aus­ge­pfiffen, jeden seiner Ball­kon­takte quit­tierten die geg­ne­ri­schen Fans“ mit Affen­lauten und Gesängen über den Zwarte Piet“ (Schwarzer Peter). Zwi­schen­zeit­lich musste die Partie sogar unter­bro­chen werden.

Klare Kante

Die Reak­tion der Nie­der­länder darauf ist jedoch bemer­kens­wert: Denn im Ver­gleich zu Ita­lien oder einigen ost­eu­ro­päi­schen Staaten ist der hol­län­di­sche Fuß­ball nicht gerade für seine struk­tu­rellen Pro­bleme mit Ras­sismus bekannt, der­ar­tige Ent­glei­sungen stellen tat­säch­lich mehr Aus­nahme denn Regel dar. Die dadurch nicht weniger indis­ku­ta­blen Vor­fälle bekämpft der Ver­band trotzdem vehe­ment und kol­lektiv. Vor dem Streik am Wochen­ende posi­tio­nierte sich bereits Geor­ginio Wij­naldum klar zum Thema – auf und neben dem Platz: Ich hätte nie­mals gedacht, dass so etwas in den Nie­der­landen pas­sieren würde“, sagte der Liver­pooler auf der Pres­se­kon­fe­renz vor dem Län­der­spiel gegen Est­land. Ich bin richtig scho­ckiert.“

Dabei beließ es der 29-Jäh­rige jedoch nicht, nach seinem Füh­rungs­treffer zum 1:0 im EM-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel lief er gemeinsam mit Frenkie de Jong zu den Foto­grafen an der Sei­ten­aus­linie. Statt Tanz­ein­lage oder eigenem Trademark“-Jubel hielten beide ihre Unter­arme in die Kamera, zeigten auf die unter­schied­li­chen Haut­farben und prä­sen­tierten sich als Ein­heit gegen rechte Gesänge auf der Tri­büne. 

Ein­heit zwi­schen Spie­lern und Ver­band

Die Bot­schaft ist ein­deutig: Der hol­län­di­sche Ver­band nimmt jeden Fall von Dis­kri­mi­nie­rung ernst und steht zusammen. Nicht trotz, son­dern wegen ihrer Ver­schie­den­heit. Auf Twitter teilte der KNVB zudem ein Foto aller 22 Spieler. Hand in Hand, ver­sehen mit der Auf­schrift Enough is Enough“ sowie dem Hashtag #sto­pra­cism. Kam­pa­gnen wie diese sind im Mar­ke­ting-getrie­benen Fuß­ball des 21. Jahr­hun­derts zwar keine Neu­heit, dass ein kom­pletter Ver­band kol­lektiv auf einen Fall in der zweiten Liga auf­merksam macht, statt ihn zu igno­rieren oder her­un­ter­zu­spielen, jedoch schon.

Mit dem Streik am Wochen­ende machen die Ere­di­visie und Eersten Divisie noch einmal darauf auf­merksam. Die ver­passte Minute vom Anfang wird übri­gens am Ende der ersten Halb­zeit nach­ge­spielt – genug Zeit für über­am­bi­tio­nierte Abschlüsse bleibt also trotzdem noch.