Seite 4: „Mit dem VfB habe ich wirklich alles erlebt“

Nach ihrer Zeit in Istanbul kehrten Sie zum VfB Stutt­gart zurück. Als junger Spieler gewannen Sie dort die Meis­ter­schaft, in der letzten Saison stiegen Sie ab. Was über­wiegt im Nach­hinein?

Dank­bar­keit, auch wenn ich mich in meiner ersten Phase beim VfB nie als Stamm­spieler durch­setzen konnte. Schließ­lich war Stutt­gart damals ein Top-Fünf-Verein. Die Aus­bil­dung dort ebnete mir meine gesamte Kar­riere. Im geho­benen Alter zum dama­ligen Auf­steiger zurück­zu­kehren und die Saison mit einer tra­genden Rolle über­ra­schend auf Platz sieben abzu­schließen, war ein rie­siger Erfolg. Danach sind wir mit großen Ambi­tionen in die neue Saison gestartet…

… und letzt­end­lich in der Rele­ga­tion wieder abge­stiegen. 

Genau, irgendwie schließt sich da der Kreis. Mit dem VfB habe ich wirk­lich alles erlebt. 

Gab es in der Saison einen Knack­punkt, ab dem sich alles ins Nega­tive wen­dete?

Ich wollte nie den Teufel an die Wand malen, aber bereits am siebten oder achten Spieltag habe ich in einem Inter­view gewarnt, die Dinge nicht zu sorglos anzu­gehen. Dass wir eine spie­le­risch gute Truppe waren, die vom rein fuß­bal­le­ri­schen Aspekt nicht unten rein­ge­hört, war allen bewusst. Den Schalter umzu­legen und nur um Punkte zu kämpfen, statt schöne Spiel­weise zu pflegen, fiel nicht allen so leicht.

Haben Sie das inner­halb der Mann­schaft ange­spro­chen?

Wir sind mit vier Nie­der­lagen gestartet. Also haben einige der Füh­rungs­spieler gewarnt: Leute, wenn wir uns nicht fangen, sind wir diese Saison ein Abstiegs­kan­didat“. Dann kam der Sieg in Nürn­berg und viele nahmen das als Zei­chen, dass ab jetzt alles von selbst läuft und wir durch­mar­schieren. Einigen erfah­re­neren Spie­lern war aber leider schon bewusst, dass es in dieser Saison wohl nur um den Klas­sen­er­halt gehen wird.

Als Siebt­plat­zierter der ver­gan­genen Saison haben wenige diese Ent­wick­lung erwartet. Was waren die Gründe?

Die Erwar­tungs­hal­tung war das größte Pro­blem. Zwar griffen auch die Trans­fers nicht, aber hätten das alle früh genug erkannt, wäre eine Ret­tung sicher noch mög­lich gewesen.

Haben sich die Trai­ner­wechsel aus­ge­zahlt?

Teil­weise. Zwar funk­tio­nierte auch mit den neuen Trai­nern vieles nicht. Dass etwas getan wurde, wirkte aber wie ein Warn­schuss. Als Nico Willig (Inte­rims­trainer von Stutt­gart Anm. d. Red.) uns klar machte, dass die Rele­ga­tion in dieser Saison das einzig rea­lis­ti­sche Ziel sei, fingen wir uns wieder, als hätten manche erst da den Ernst der Lage begriffen. Nachdem wir dann zwei Duelle mit einem Zweit­li­gisten nicht gewinnen konnten, war der Abstieg jedoch auch ver­dient. Das muss man so hart sagen, auch wenn es immer noch schmerzt.

Das Rück­spiel in der Rele­ga­tion fand in Berlin statt. Wie muss man sich die Rück­fahrt nach Stutt­gart vor­stellen? 

Still. Dass nach einer ver­lo­renen Rele­ga­tion auf der Bus­fahrt keine Party statt­findet, ist klar. Nor­ma­ler­weise wird aber nach Nie­der­lagen im Bus oft dis­ku­tiert, ana­ly­siert oder schlichtweg abge­lenkt. Dieses Mal war alles still. Alle blieben für sich. Ich glaube, jeder musste erst einmal rea­li­sieren, was da gerade pas­siert ist und was das kon­kret bedeutet. 

War es Ihnen zu diesem Zeit­punkt schon klar, dass Sie Stutt­gart ver­lassen werden? 

Nein, das war noch offen. Ich wusste, dass die Saison nicht gerade ein Bewer­bungs­schreiben für eine Ver­trags­ver­län­ge­rung war. Danach gab es aber noch viele Gespräche zwi­schen dem Verein und mir. Wir fanden keine gemein­same Lösung, haben uns in die Augen geschaut und die Hand gegeben. Das war’s dann.