Schieds­richter sind, das weiß jeder und vor allem die Ver­lierer, fast immer die Schul­digen. Nie können sie es einem recht machen. Immer gibt es etwas zu aus­zu­setzen. Manchmal ver­greifen sich Spieler und Fans dabei gehörig im Ton.

Ganz tief in die Niveau­kiste, bis hinein in die letzte Schub­lade, griff kürz­lich ein Sports­freund aus Firrel, als er einem Referee nach der 0:3‑Niederlage gegen TuRa West­rhau­der­fehn hin­terher brüllte: So etwas wie euch sollte man ver­gasen.“

Firrel trifft keine Schuld

Was folgte waren eine Empö­rungs­welle, ein Rechts­streit um Zustän­dig­keiten und ein Streik aller Schieds­richter am kom­menden Wochen­ende im Bezirk Weser-Ems in allen Landes- und Bezirks­ligen.

Denn das Bezirks­sport­ge­richt hatte den Verein GW Firrel wegen dis­kri­mi­nie­renden Ver­hal­tens seiner Anhänger“ zu einer Geld­strafe von 400 Euro ver­ur­teilt. Das soge­nannte Ober­ver­bands­sport­ge­richt kas­sierte abschlie­ßend das Urteil ein. Die Äuße­rung des Zuschauers gilt sehr wohl als Dis­kri­mi­nie­rung. Aber der Verein GW Firrel hätte den Vor­fall aus unserer Sicht nicht ver­hin­dern können. Des­halb trifft ihn keine Schuld“, sagte Richter Ralph-Uwe Schaffer dem Fuß­ball­portal fupa​.net. Anders als bei Ver­eins­strafen nach dem Ein­satz von Pyro­technik durch den DFB, scheide eine Straf­bar­keit des Ver­eins ohne Eigen­ver­schulden beim NFV aus.

Kalli an der Pfeife?

Der Bezirks­vor­stand der Schieds­richter kün­digte des­halb an, dass er am Sonntag keine Schieds­richter zu den Spielen der Lan­des­liga und fünf Bezirks­ligen ent­senden werde. Betroffen sind circa 40 Spiele. Die Hobby-Schiris wollen damit ein klares Zei­chen setzen, dass man mit ihnen nicht alles machen könne. Dass der Schieds­richter zuerst Mensch ist.

Die Ver­eine sollen sich nun eigen­ständig auf einen Schieds­richter einigen. Ein Junio­ren­spieler, der Platz­wart oder Kalli vom Brat­wurst­stand – alles ist erlaubt, wenn die Mann­schaften ein­ver­standen sind. Denn die ursprüng­lich ange­setzten Schieds­richter wollen auch nach Bet­teln und Flehen zuhause bleiben.

Erste Spiel­ab­sagen

So richtig wohl scheint den Ver­einen diese Lösung nicht zu sein. Ohne einen gewollten Zufall unter­stellen zu wollen: Seit dem Streik­be­ginn werden die Sport­plätze man­cher Lan­des­li­gisten scheinbar unbe­spielbar. Die ersten Spiel­ab­sagen flat­tern sint­flut­artig rein. So ver­kündet der SV Holthausen/​Biene: Rich­tige Ent­schei­dung um mal ein Zei­chen zu setzen! Die Spiele am Biener Busch wird dies aber nicht betreffen, da die Stadt die Plätze auf­grund der wid­rigen Wit­te­rung der letzten Tage sowieso gesperrt hat!“