Seien wir ehr­lich, Fuß­ball spielen können wir Deut­schen. Über Fuß­ball schreiben wei­test­ge­hend eben­falls. Aber wenn es darum geht, die Fas­zi­na­tion des Spiels in Spiel­filmen fest­zu­halten, die großen 90-minü­tigen Dramen in gut gemachten Doku­men­ta­tionen ein­zu­fangen oder auf künst­le­ri­sche Art und Weise hinter die Fas­saden der Helden und Ver­lierer zu bli­cken, dann schei­tert das meis­tens.

So leicht­füßig und kreativ sich die deut­schen Natio­nal­spieler inzwi­schen auf ihrem Feld bewegen, so steif bleiben die ver­meint­lich Krea­tiven auf dem ihrem. Wer das anzwei­felt, sollte sich was Gutes tun, und sich ein paar gut pro­du­zierte US-Doku­men­ta­tionen oder eng­li­sche Spiel­filme zum Thema geben. Dagegen wirken die deut­schen Ver­suche wie ein han­dels­üb­li­cher Tatort in Kon­kur­renz zu einem neuen Net­flix-Epos.

Zweifel und Vor­ur­teile

Dem­entspre­chend groß waren die Zweifel und Vor­ur­teile vor der Pre­miere des Thea­ter­stücks Peng! Peng! Boateng!“ das die Regis­seurin Nicole Oder auf der Grund­lage von Michael Horenis Buch Die Brüder Boateng“ auf die Bühne pro­ji­ziert hat. Oder besser: auf den Beton. Die Haupt­pre­miere fand im Pier 9“, einer Pro­be­bühne des Hei­mat­hafen Neu­kölln“ statt: viel Stahl und eben Beton.

Beton ist auch die Grund­lage für die Kar­riere der drei Boa­tengs: George, Kevin-Prince und Jerome. Der Bolz­platz im Ber­liner Stadt­teil Wed­ding, jener inzwi­schen schon bis zum Erbre­chen glo­ri­fi­zierter Käfig, in der die Halb­brüder zu Brüder wurden und von kleinen Jungs zu Män­nern oder zumin­dest zu grö­ßeren Jungs, ist das zen­trale Ele­ment in Horenis Fami­li­en­saga – nur fol­ge­richtig, dass sich auch die Thea­ter­combo des Hei­mat­ha­fens“ an dieser rauen Bühne ori­en­tierte.

Eine kleine Bühne ist das im Pier 9“, die Zuschauer sitzen – natür­lich auf Beton – eng anein­ander gereiht nur wenige Meter von den Dar­stel­lern ent­fernt. An den Seiten türmten sich am Sonn­tag­abend Laut­spre­cher und Boxen, leichter Nebel und fahles Licht hüllten die Sze­nerie in dau­er­hafte Pro­blem­be­zirk-Sack­gassen-Atmo­sphäre, in der Mitte ein kleines Misch­pult, Mikro­fone. Kein Ball.