Herr Bauer, Sie sind einer der Initia­toren des geplanten Streiks gegen die zeit­liche Umstel­lung der Sonn­tags­spiele in der Bun­des­liga. Am ver­gan­genen Don­nerstag hatten Sie ein ent­schei­dendes Treffen mit Ihren Kol­legen aus dem Kreis Gelsenkirchen/​Gladbach/​Kirchhellen. Was ist dabei heraus gekommen?

Wir werden nun defi­nitiv den ersten Spieltag der Rück­runde bei uns im Kreis am 1. März boy­kot­tieren. Es gibt zwar noch etwa zehn Ver­eine, die unschlüssig sind, die werden wir in den kom­menden Woche ver­su­chen zu über­reden. Doch selbst wenn es Ver­eine geben sollte, die nicht am Boy­kott teil­nehmen wollen, gibt es Streik.




Wie viele Ver­eine werden den Spieltag bestreiken?

66 Ver­eine gibt es im Kreis, zehn haben, wie gesagt, noch ihre Bedenken.

Warum?

Die haben Angst. Angst vor Sank­tionen vom Ver­band. Diese Klubs unter­stützen unser Vor­haben. Aber der Ver­band droht mit Geld­strafen, er kann die Ver­eine sogar vor die Spruch­kammer zitieren, was dann ziem­lich teuer werden könnte. Klei­nere Ver­eine haben davor natür­lich Schiss. Pro Mann­schaft könnte der Ver­band für den Boy­kott des Spiel­tags pro Spiel 100 Euro ver­langen. Wenn ein Klub zwei Mann­schaften im Spiel­be­trieb hat, sind das 200 Euro. Pro Spieltag. Und das tut den Ver­einen weh. Dass einige Teams um den Auf­stieg mit­spielen und Punkt­ab­züge befürchten ist noch eine andere Sache.

Vom Kreis­ver­band ist aber zu hören, dass Ihre Aktion aus­drück­lich unter­stützt wird.

Unser Staf­fel­leiter hat gesagt: ich werde einen Teufel tun und euch bestrafen! Aber es kann sein, dass er vom Ver­band so viel Druck bekommt, dass er es tun muss. Das eine ver­zwickte Situa­tion.

Was ist am 1. März noch geplant?

Par­allel zum Streik werden wir zur eigent­li­chen Anstoß­zeit um 15 Uhr eine sta­tio­näre Demo ver­an­stalten, die auf unserer Anlage vom SSV Buer statt­finden wird. Alle Ver­eine sind dazu auf­ge­for­dert, sich an der Demo zu betei­ligen. Geplant ist auch eine Podi­ums­dis­kus­sion, wir werden die Tage noch ver­su­chen Poli­tiker und Ver­bands­funk­tio­näre dazu ein­zu­laden.

Was genau bezwe­cken Sie mit der Aktion?

Wir wollen dem Ver­band und den Ver­ant­wort­li­chen für die geplante Ände­rung der Anstoß­zeit ein­fach zeigen: Guckt her, wir spielen zwar nicht, sind aber trotzdem alle da. Und demons­trieren gegen diese Ent­schei­dung.

Bitte fassen Sie die Ent­wick­lung dieses Kon­flikts noch einmal zusammen.

Das ist eine lange Geschichte, die eigent­lich damit anfing, dass der Ver­band im ver­gan­genen Jahr die Abgaben der Ver­eine an den Ver­band ver­dop­pelte. Man hat sich finan­ziell ver­kal­ku­liert und das ging im End­ef­fekt auf Kosten der Klubs. Das hat mit der eigent­li­chen Sache aller­dings nichts zu tun, ich erzähle Ihnen das nur, weil sich dadurch der Frust bei den Ver­einen auf­ge­staut hat. Jetzt kommt natür­lich der Todes­stoß: der Ver­band stimmt zu, dass die Bun­des­li­gisten am Sonntag schon um 15.30 Uhr spielen können. Um 15 Uhr ist Anpfiff auf der Ama­teu­re­bene! Wenn das tat­säch­lich so umge­setzt wird, dann Gnade uns Gott. Dann gehen die Ama­teur­ver­eine vor die Hunde.

Weil…

…zum Bei­spiel bei uns die Schalker Arena nur eine Vier­tel­stunde ent­fernt ist. Wenn Schalke am Sonntag um 17 Uhr spielt, dann sind natür­lich deut­lich weniger Zuschauer bei uns auf der Anlage. Wenn die Spiele schon um 15.30 Uhr sind…(leise) na dann kommt über­haupt keiner mehr.

Macht sich das so deut­lich bemerkbar?

Und ob. Das können sie deut­lich an den Zuschau­er­zahlen ablesen. Ein Bei­spiel: wir hatten ein wich­tiges Spiel in der Lan­des­liga, gleich­zeitig hat Schalke um 17 Uhr gegen Wolfs­burg gespielt. Da waren 66 zah­lende Zuschauer auf unserer Anlage. Nor­ma­ler­weise kommen 150 bis 200. Das macht sich in der Kasse eines kleinen Ama­teur­ver­eins deut­lich bemerkbar.

Was machen denn die Spieler, die sonst sicher­lich auch gerne ins Sta­dion gehen. Melden die sich für die Punkt­spiele ab?

Das nicht, der eigene Verein geht vor. Ich habe auch eine Dau­er­karte für Schalke. Wenn die am Sonntag spielen bleibe ich trotzdem bei meinem Hei­mat­verein. Schweren Her­zens. Ich habe eine ver­ant­wort­liche Posi­tion und kann nicht ein­fach ins Sta­dion laufen. Aber was machen die ehren­amt­li­chen Helfer im Bier­wagen oder hin­term Grill? Die kommen nicht, weil sie Schalke sehen wollen. Wir wollen doch nur dieses kleine Zeit­fenster bis 17 Uhr! Mehr ver­langen wir gar nicht. Warum muss man um 15.30 Uhr spielen, wenn man auch um 17 Uhr spielen kann?

Gab es denn irgend­wel­chen Kon­takt zwi­schen der DFL und den Ama­teur­ver­einen?

Nein. Die würden doch am liebsten jedes Spiel ein­zeln von Pre­miere über­tragen lassen. Eins um 12 Uhr, das nächste um 14.30 Uhr und so weiter. Damit jedes ein­zelne Spiel ver­marktet werden kann. Das ist auch legitim, schließ­lich will der DFL soviel Geld, wie mög­lich aus den Bun­des­li­ga­spielen raus hauen. Aber es muss doch wirk­lich nicht sein, dass aus­ge­rechnet dieses drei­stün­dige Zeit­fenster, dass die Ama­teur­ver­eine für sich bean­spru­chen, geschlossen wird. Dann wird der Ama­teur­fuß­ball, für den es sowieso bergab geht, sehr bald ganz rui­niert sein.

Haben Sie denn die ver­ant­wort­li­chen Per­sonen auch zu Ihrer Podi­ums­dis­kus­sion ein­ge­laden?

Haben wir. Den Herrn Peters von Schalke zum Bei­spiel. (Peter Peters, Geschäfts­führer von Schalke 04, Anm. d. A.). Der ist stell­ver­tre­tender Vor­sit­zender der DFL und Vize­prä­si­dent beim DFB. Peters war beim ver­gan­genen Staf­feltag und hat erzählt, dass die Fern­seh­gelder benö­tigt würden und so weiter. Die Fan-Pro­ble­matik kann er ver­stehen, aber groß ändern wird sich wohl nichts. Dann brau­chen wir eigent­lich auch keine Gespräche führen.

Welche Themen sollen noch kon­kret ange­spro­chen werden?

Wir wollen noch auf einen anderen sozialen Aspekt hin­weisen. Den Auf­wand, den wir als Verein betreiben, der wird ja von meh­reren Seiten getragen. Von den Zuschauern, die Ein­tritt zahlen. Von ehren­amt­li­chen Hel­fern, die dafür sorgen, dass die Jugend trai­niert wird, oder die Würst­chen umge­dreht werden. Wenn wir diesen Auf­wand nicht mehr betreiben können, weil finan­zi­elle Mittel und Helfer fehlen, dann wirkt sich das zuerst auf die Nach­wuchs­ar­beit aus. Wir betreiben Basis­ar­beit im Verein, geben den Kin­dern die Mög­lich­keit zu sport­li­chen Betä­ti­gung und holen sie – um es über­spitzt zu for­mu­lieren – von der Straße. Das darf man bei der ganzen Geschichte auch nicht ver­gessen.

Was erhoffen Sie sich von dem geplanten Streik und der Demo? Gibt es rea­lis­ti­sche Chancen, dass die Ent­schei­dungs­träger doch noch umdenken?

Wir haben jetzt schon gemerkt, dass diese Aktion für großes Inter­esse sorgt. Wir haben sehr viele Anfragen und Rück­mel­dungen von den Medien bekommen. Der Ver­band hat ver­gan­gene Woche zu diesem Thema getagt – also: es kommt Bewe­gung in die Sache rein. Ob wir damit tat­säch­lich ein kon­kretes Ergebnis erzielen, ist schwer zu beur­teilen. Wahr­schein­lich sind die kleinen Ver­eine machtlos, gegen die geplanten Ter­min­ver­schie­bungen. Aber der Ver­band soll sehen, dass er nicht ein­fach über die Köpfe von zig­tau­senden von Ver­bands­mit­glie­dern hinweg ent­scheiden kann, nur um dem schnöden Mammon hin­terher zu jagen. Die Erfolgs­aus­sichten sind eher gering. (zögert) Gegen das große Geld hat man doch eh keine Chance.

Das klingt trotz Streik und Demo doch sehr pes­si­mis­tisch…

Wir werden auf jeden Fall wei­ter­ma­chen, mit dem Streik am 1. März sind unsere Pro­teste ja nicht beendet.

Heißt das, es wird wei­tere Streiks in Ihrem Fuß­ball-Kreis geben?

Nein, das würde schließ­lich fast schon Anar­chie bedeuten. Und das wollen wir nicht. Streik und Demons­tra­tion sind eine ein­ma­lige Sache. Wir hoffen, dass die Ver­bands­ver­treter danach wenigs­tens dis­kus­si­ons­be­reit sind. Und nicht alle Ent­schei­dungen mit einem Feder­strich abtun. Das werden wir nicht akzep­tieren.