Seite 2: „21 Umzüge pro Saison“

Doch die Jahre im Exil und die vielen Umzüge for­derten ihren Tribut. Die Iden­ti­fi­ka­tion der eigenen Stadt mit dem Gloucester City AFC schwand all­mäh­lich, und die Fan­base brö­ckelte dahin wie das schim­me­lige Fun­da­ment des ver­waisten Meadow Parks, dessen Instand­set­zung bzw. Neubau immer wieder an feh­lenden Gel­dern, feh­lenden Gut­achten und feh­lenden Geneh­mi­gungen geschei­tert war. Zuletzt kamen gerade mal 280 Unent­wegte zu den Spielen von Gloucester City, das seine Gegner seit der Saison 2017/18 im Sta­dion von Evesham United (40 Kilo­meter ent­fernt) emp­fängt.

Wir sind Evesham sehr dankbar, dass sie mit uns den Platz teilen“, sagt Gloucester Citys Klub­boss Alex Petheram. Aber es ist weit weg von zu Hause. Hier zu spielen, das ist, als würden wir 21-mal pro Saison umziehen. Jedes Mal müssen wir unsere kom­plette Aus­rüs­tung ein­pa­cken, nach Evesham fahren, spielen, anschlie­ßend alles wieder zusam­men­pa­cken und heim­fahren.“ Unter der Woche lagert das kom­plette Matchday-Mate­rial und sons­tiges Equip­ment in einem alten Gar­ten­schuppen in Gloucester – der ein­zigen Immo­bilie“, die dem Verein noch geblieben ist. Doch das soll, nein: muss, nein: wird sich bald ändern. 

Grünes Licht für ein neues Sta­dion

Die Kinder in Gloucester kennen die Zeiten, als in ihrer Stadt noch ein Fuß­ball­klub von Bedeu­tung spielte, nur noch aus Erzäh­lungen. Zumin­dest aber kennen sie den fran­zö­si­schen Mit­tel­feld­spieler Fabien Robert. Der 30-Jäh­rige, der einst für den FC Lorient in der Ligue 1 am Ball war, kickt seit 2018 für Gloucester City und hält wochen­tags Trai­nings­stunden für Kids ab, um sein karges Gehalt auf­zu­bes­sern. Ich will auch dann noch Teil des Klubs sein, wenn er wieder in diese Stadt zurück­kehrt“, sagt Robert der BBC und spricht damit allen Fans der Tigers“ aus der Seele.

Schon 2016 hatten die zustän­digen Behörden grund­sätz­lich grünes Licht für ein neues Sta­dion in Gloucester gegeben. Doch das Vor­haben schien zu teuer, zumal der Klub kaum noch lokale Spon­soren hatte. Wenn ich Unter­nehmen aus Gloucester und der unmit­tel­baren Umge­bung anspreche, fragen die mich natür­lich, was wir ihnen im Gegenzug an Prä­senz in der Stadt bieten können“, klagt Klub­chef Petheram. Im Mai dieses Jahres aber ereig­nete sich Bahn­bre­chendes: Die Bau­ge­neh­mi­gung für eine deut­lich abge­speckte Ver­sion des neuen Meadow Park mit 3.200 Plätzen (davon 700 Sitz­plätze) lag auf dem Tisch.

Auf­bruch­stim­mung bei den Tigers“

Zwar gibt es bis heute einige offene Fragen, vor allem bezüg­lich der voll­stän­digen Finan­zie­rung, doch die alte, ver­rot­tete Beton­schüssel von einst ist längst abge­rissen und ent­sorgt. Dort, wo sie stand, rollen bereits die Bagger und schütten Unmengen von Erde auf, denn das neue Spiel­feld soll drei Meter höher liegen als das frü­here – Hoch­was­ser­schutz. Auch die Fans wollen, wie schon vor gut zwölf Jahren, wieder mit Hand anlegen. Vieles in dem neuen Sta­dion wird etwas impro­vi­siert wirken, so werden zum Bei­spiel die Kabinen und der VIP-Raum in umge­bauten Schiff­s­con­tai­nern aus den nahen Gloucester Docks unter­ge­bracht. Aber was macht das schon?

Im Mai 2020, so der Plan, soll der Verein end­lich, end­lich wieder in Gloucester auf­laufen. Es herrscht Auf­bruch­stim­mung bei den Tigers“. So wie im Sommer 2007, vor der großen Flut. Matt Clift, der Fan, der an jenem schick­sal­haften 20. Juli geholfen hatte, das Hab und Gut des Ver­eins vor dem anstei­genden Wasser zu retten, ver­spricht einen ganz beson­deren Bei­trag zur Wie­der­her­stel­lung von Glanz und Gloria des Gloucester City AFC: Ich habe noch einige Glas-Tro­phäen und Memo­ra­bilia, die ich am Tag der Flut aus dem Sta­dion holen konnte. Sie sind in meinem Haus und warten darauf, zurück­ge­bracht zu werden, wenn wir end­lich wieder ein Zuhause haben.“