Es war ein wun­der­schöner Sommer im Jahr 2007. Gloucester City hatte die vor­an­ge­gan­gene Saison in der Sou­thern League Pre­mier Divi­sion (7. Liga) auf einem zufrie­den­stel­lenden 10. Platz beendet. Zur Feier des Ach­tungs­er­folges bewaff­neten sich der dama­lige Chef­coach Tim Harris und ein gutes Dut­zend Fans mit Farb­ei­mern und ‑rollen und ver­passten ihrem Sta­dion, dem etwas in die Jahre gekom­menen Meadow Park, einen neuen Anstrich.

Der Ground sah danach besser aus als je zuvor“, erin­nert sich der alt-ein­ge­ses­sene Gloucester-City-Sup­porter Matt Clift im Inter­view mit der BBC. Doch dann kam die Flut.“ Es war eine plötz­liche, über­fall­ar­tige Flut, völlig unvor­her­sehbar in ihrer nass­kalten Erbar­mungs­lo­sig­keit. Am Freitag, dem 20. Juli 2007, hatte es zwölf Stunden lang geregnet – Cats and Dogs“, wie man in Eng­land sagt. 78 Liter Wasser pro Qua­drat­meter. Am Ende des Tages stand der nahe M5-Motorway unter Wasser, 10.000 Pendler mit­ten­drin. 500 wei­tere Men­schen waren auf dem Bahn­steig von Gloucester gestrandet, der wie eine recht­eckige Insel aus dem umlie­genden Meer her­vor­schaute.

Bis zu den Hüften im Wasser

Auch der 1986 errich­tete Meadow Park mit seinen 4.500 Plätzen stand irgend­wann unter Wasser – 2,40 Meter hoch stand die braune Brühe im Innen­raum. Ich war an diesem Tag nicht zur Arbeit gefahren wegen des hef­tigen Regens“, erin­nert sich Matt Clift, also fuhr ich irgend­wann mit ein paar anderen Fans zum Sta­dion, um dort zu retten, was zu retten war. Wir packten so viel in unsere Autos, wie wir konnten, bevor die Flut über den Platz her­ein­brach.“ Am fol­genden Tag kehrten Clift und seine Mit­streiter noch einmal an den Ort der Kata­strophe zurück, um Fotos zu machen: Wir wateten in den Sta­dion-Innen­raum, und dort standen wir bis zu den Hüften im Wasser.“

Die Schäden an der einst für 1,4 Mil­lionen Pfund erbauten Spiel­stätte waren so gra­vie­rend, dass der Gloucester City AFC die kom­plette fol­gende Saison auf anderen Plätzen bestreiten musste. Und die dar­auf­fol­gende. Und die nächste. Und noch eine … Bis heute, mehr als zwölf Jahre nach der Flut, konnten die Tigers“ nicht in ihr ange­stammtes Zuhause zurück­kehren. In der ersten Saison nach der Kata­strophe bestritt der Klub seine Heim­par­tien groß­teils im 25 Kilo­meter ent­fernten Sta­dion der Forest Green Rovers. Es folgten zwei Jahre als Unter­mieter im 37 Kilo­meter ent­fernten Ciren­cester, wo Gloucester City sogar den Sprung in die 6. Liga schaffte.

Doch die Jahre im Exil und die vielen Umzüge for­derten ihren Tribut. Die Iden­ti­fi­ka­tion der eigenen Stadt mit dem Gloucester City AFC schwand all­mäh­lich, und die Fan­base brö­ckelte dahin wie das schim­me­lige Fun­da­ment des ver­waisten Meadow Parks, dessen Instand­set­zung bzw. Neubau immer wieder an feh­lenden Gel­dern, feh­lenden Gut­achten und feh­lenden Geneh­mi­gungen geschei­tert war. Zuletzt kamen gerade mal 280 Unent­wegte zu den Spielen von Gloucester City, das seine Gegner seit der Saison 2017/18 im Sta­dion von Evesham United (40 Kilo­meter ent­fernt) emp­fängt.

Wir sind Evesham sehr dankbar, dass sie mit uns den Platz teilen“, sagt Gloucester Citys Klub­boss Alex Petheram. Aber es ist weit weg von zu Hause. Hier zu spielen, das ist, als würden wir 21-mal pro Saison umziehen. Jedes Mal müssen wir unsere kom­plette Aus­rüs­tung ein­pa­cken, nach Evesham fahren, spielen, anschlie­ßend alles wieder zusam­men­pa­cken und heim­fahren.“ Unter der Woche lagert das kom­plette Matchday-Mate­rial und sons­tiges Equip­ment in einem alten Gar­ten­schuppen in Gloucester – der ein­zigen Immo­bilie“, die dem Verein noch geblieben ist. Doch das soll, nein: muss, nein: wird sich bald ändern. 

Grünes Licht für ein neues Sta­dion

Die Kinder in Gloucester kennen die Zeiten, als in ihrer Stadt noch ein Fuß­ball­klub von Bedeu­tung spielte, nur noch aus Erzäh­lungen. Zumin­dest aber kennen sie den fran­zö­si­schen Mit­tel­feld­spieler Fabien Robert. Der 30-Jäh­rige, der einst für den FC Lorient in der Ligue 1 am Ball war, kickt seit 2018 für Gloucester City und hält wochen­tags Trai­nings­stunden für Kids ab, um sein karges Gehalt auf­zu­bes­sern. Ich will auch dann noch Teil des Klubs sein, wenn er wieder in diese Stadt zurück­kehrt“, sagt Robert der BBC und spricht damit allen Fans der Tigers“ aus der Seele.

Schon 2016 hatten die zustän­digen Behörden grund­sätz­lich grünes Licht für ein neues Sta­dion in Gloucester gegeben. Doch das Vor­haben schien zu teuer, zumal der Klub kaum noch lokale Spon­soren hatte. Wenn ich Unter­nehmen aus Gloucester und der unmit­tel­baren Umge­bung anspreche, fragen die mich natür­lich, was wir ihnen im Gegenzug an Prä­senz in der Stadt bieten können“, klagt Klub­chef Petheram. Im Mai dieses Jahres aber ereig­nete sich Bahn­bre­chendes: Die Bau­ge­neh­mi­gung für eine deut­lich abge­speckte Ver­sion des neuen Meadow Park mit 3.200 Plätzen (davon 700 Sitz­plätze) lag auf dem Tisch.

Auf­bruch­stim­mung bei den Tigers“

Zwar gibt es bis heute einige offene Fragen, vor allem bezüg­lich der voll­stän­digen Finan­zie­rung, doch die alte, ver­rot­tete Beton­schüssel von einst ist längst abge­rissen und ent­sorgt. Dort, wo sie stand, rollen bereits die Bagger und schütten Unmengen von Erde auf, denn das neue Spiel­feld soll drei Meter höher liegen als das frü­here – Hoch­was­ser­schutz. Auch die Fans wollen, wie schon vor gut zwölf Jahren, wieder mit Hand anlegen. Vieles in dem neuen Sta­dion wird etwas impro­vi­siert wirken, so werden zum Bei­spiel die Kabinen und der VIP-Raum in umge­bauten Schiff­s­con­tai­nern aus den nahen Gloucester Docks unter­ge­bracht. Aber was macht das schon?

Im Mai 2020, so der Plan, soll der Verein end­lich, end­lich wieder in Gloucester auf­laufen. Es herrscht Auf­bruch­stim­mung bei den Tigers“. So wie im Sommer 2007, vor der großen Flut. Matt Clift, der Fan, der an jenem schick­sal­haften 20. Juli geholfen hatte, das Hab und Gut des Ver­eins vor dem anstei­genden Wasser zu retten, ver­spricht einen ganz beson­deren Bei­trag zur Wie­der­her­stel­lung von Glanz und Gloria des Gloucester City AFC: Ich habe noch einige Glas-Tro­phäen und Memo­ra­bilia, die ich am Tag der Flut aus dem Sta­dion holen konnte. Sie sind in meinem Haus und warten darauf, zurück­ge­bracht zu werden, wenn wir end­lich wieder ein Zuhause haben.“