Rainer Bonhof, das Borussia Mön­chen­glad­bach der sieb­ziger Jahre hat eine ganze Genera­tion geprägt. Heute sieht man in jeder Stadt Deutsch­lands Herren mitt­leren Alters mit einem Glad­bach-Wappen auf der Fami­li­en­kut­sche zum Ein­kaufen fahren. Kann die aktu­elle Spiel­er­ge­nera­tion da mit­halten?

Sie hat es auf jeden Fall schwer. Alles was wir aktuell leisten, ist nichts weiter als Auf­bau­ar­beit. Die Iden­ti­fi­ka­tion mit Mön­chen­glad­bach istl rie­sen­groß und davon haben wir in den ver­gan­genen Jahren pro­fi­tiert, als der Verein schwere Zeiten durch­ma­chen musste. Am liebsten wäre mir natür­lich, dass bis Weih­nachten das ganze Land mit der Raute durch die Gegend düst. Aber das können weder sie, noch ich, noch der Weih­nachts­mann beein­flussen.



Die Bilanz der ver­gan­genen vier Spiele kann sich jeden­falls sehen lassen: zwei Unent­schieden, zwei Siege, keine Nie­der­lage. Ist die Mann­schaft jetzt in Schwung gekommen?

Sie hat es ver­standen, den schwa­chen Sai­son­start aus den Köpfen zu kriegen und wieder guten Fuß­ball zu spielen. Ohne sich dabei zurück­zu­lehnen, denn das ist im Fuß­ball immer die fal­sche Kör­per­hal­tung.

Der Wett­skandal ist momentan das große Thema in Fuß­ball-Deutsch­land. Sie sind als Vize-Prä­si­dent nah dran an der Mann­schaft, wie geht die mit der Situa­tion um?

Die Spieler sind Profis genug, um ihren Job zu machen und sich von den ganzen Spe­ku­la­tionen nicht beein­dru­cken zu lassen. Das Spiel gegen Schalke am Samstag erfor­dert die volle Kon­zen­tra­tion, unsere Spieler lassen sich nicht ablenken.

Im Zuge des Wett­skan­dals soll der SC Verl nach dem Spiel gegen die U23 von Borussia Mön­chen­glad­bach nun Spieler sus­pen­diert haben. Wie reagiert man in Glad­bach?

Wir haben auch nur die Infor­ma­tionen aus dem Medien und haben des­halb unseren Anwalt Chris­toph Schick­hardt auf diese Sache ange­setzt. Jetzt warten wir auf Infor­ma­tionen, damit unser Kennt­nis­stand besser ist, als der des Marktes.

Was pas­siert, wenn sich her­aus­stellen sollte, dass auch Spieler der Borussia Teil der Mani­pu­la­tionen sind?


Dann stehen wir von der Ver­eins­füh­rung in der Pflicht, sofort mit den ent­spre­chenden Maß­nahmen zu reagieren. Wenn es hart auf hart kommt, werden wir aktiv werden. Davon gehe ich natür­lich nicht aus.

Bayer Lever­kusen hat eine eigene »Anti-Bestechungs­hot­line« ein­ge­richtet, unter der sich die Spieler bei Bedarf anonym melden können. Gibt es eine ähn­liche Ein­rich­tung auch in Mön­chen­glad­bach?


Auch bei uns kann man sich jeder­zeit anonym melden, gerne auch bei mir per­sön­lich.

Sind diese zahl­rei­chen Spe­ku­la­tionen in Bezug auf den Wett­skandal nicht ziem­lich anstren­gend?


Nein, das nicht. Aber diese vielen schwam­migen Infor­ma­ti­ons­fetzen scheinen die aktu­elle Land­schaft wie­der­zu­geben, heikle Dinge zu kom­men­tieren, ohne irgend­welche Beweise zu haben. Da werden Namen genannt und Vor­ver­ur­tei­lungen gefällt, ohne hand­feste Indi­zien zu haben. Ich würde mir eine seriö­sere Bericht­erstat­tung zu diesem Thema wün­schen.

Fuß­ball­fans werden seit einigen Jahren auf eine harte Probe gestellt. Erst der Pro­zess um Robert Hoyzer, jetzt der aktu­elle Wett­skandal. Haben Sie Angst, dass die Zuschauer irgend­wann kom­plett das Ver­trauen in den Sport ver­lieren?

Nein. Was für die Zuschauer zählt, ist immer noch das, was auf dem Platz pas­siert. Auf der anderen Seite sind die Ver­eine natür­lich auch dazu auf­ge­rufen so schnell, wie mög­lich durch­zu­greifen, sollte es irgend­welche Unklar­heiten geben.

1971, beim großen Bun­des­li­ga­skandal, waren Sie gerade einmal 19 Jahre jung und im zweiten Jahr Bun­des­li­ga­spieler in Mön­chen­glad­bach. Kann man die Situa­tion von damals mit heute ver­glei­chen?

Indi­rekt viel­leicht, aber eigent­lich ver­laufen beide Vor­fälle auf einer völlig anderen Ebene. 1971 war das lokal begrenzt, heute stehen wir offenbar vor einem welt­weit ope­rie­renden Netz­werk. Man kann sagen: Die schlechten Ein­flüsse haben sich inzwi­schen welt­weit ent­wi­ckelt.

Die Borussia war 1971 nicht direkt betroffen. Ist das Thema als aktiver Fuß­baller an Ihnen vor­bei­ge­rauscht?


Vor­bei­ge­rauscht ist der fal­sche Aus­druck. Die Dinge hatten für mich damals nicht so eine Wer­tig­keit. Ich habe zwar geahnt, dass es diese Betrü­ge­reien geben würde, aber weil ich nichts damit zu tun hatte, ließ mich das auch relativ kalt. Wir hatten damals aller­dings in der Fol­ge­saison einen Spieler im Kader, der aus Schalke gekommen war (Hans-Jürgen Witt­kamp, d. Red.). Bei dem wusste man nie so genau, ob er am Wochen­ende spielen konnte, oder nicht. Unter der Woche musste er zudem meis­tens nach Frank­furt fahren, um an den Pro­zessen teil­zu­nehmen.