Wer hätte gedacht, dass an dieser Stelle mal Gianni Infan­tino gelobt werden müsste? Ja, genau der glatz­köp­fige Fifa-Boss, der sich laut Ent­hül­lungen von Foot­ball Leaks“ als Hand­langer von Man­chester City und Paris St. Ger­main nütz­lich machte. Vor zwei Jahren sorgte er als Gene­ral­se­kretär der Uefa noch dafür, die Regeln seines eigenen Ladens zugunsten der beiden Staats­klubs zu dehnen, zu stre­cken und zu beugen. Ges­tern nun teilte er mit, dass Spieler von Welt- und Euro­pa­meis­ter­schaften aus­ge­schlossen würden, wenn ihre Klubs in einer Super League jen­seits der Ver­bände antreten: Ent­weder bist du dort drin oder du bist draußen.“

Wow, das ist spek­ta­kulär. Denn seit fast drei Jahr­zehnten holen die großen Klubs, wenn es um die Ver­tei­lung von Euro­pa­po­kal­gel­dern geht, immer die gleiche Dro­hung raus: Wenn ihr nicht macht, was wir wollen, gründen wir unsere eigene Liga! Das wurde früher eher plump vor­ge­tragen, heute schleppen sie dazu irgend­welche Dos­siers an, die sie bei sünd­haft teuren Rechts­an­walts­kanz­leien in Auf­trag gegeben haben. Zu den großen Rät­seln der Fuß­ball­ge­schichte gehörte aber bis­lang die Frage, warum ange­sichts dessen bis­lang nie­mand gesagt hat: Dann geht doch!

Super­liga? Nichts anderes als die Bunte Liga Aachen

Zwar wäre es traurig, wenn Bayern, Juventus oder Real wirk­lich die Welt des orga­ni­sierten Fuß­balls ver­lassen würden, aber beson­ders traurig wäre es vor allem für sie selbst. Die Klubs würden dann näm­lich in einer Super League spielen, die sich zur Fifa exakt so ver­hält wie die Bunte Liga Aachen oder die Ber­liner Betriebs­fuß­ball-Liga. Es wäre halt eine Wilde Liga, die es übri­gens auch im Pro­fi­fuß­ball schon gegeben hat.

Das berühm­teste Bei­spiel ist die kolum­bia­ni­sche Liga von 1949, die sich damals vom Fuß­ball­ver­band des Landes abspal­tete und ihr eigenes Ding machte. Dar­aufhin kamen Spieler aus ganz Süd­ame­rika, dar­unter auch der große Alfredo die Ste­fano. Sogar Profis aus Eng­land, Schott­land oder Ungarn spielten plötz­lich in Bogotá, Medellin oder Santa Fé. Man konnte dort näm­lich viel mehr Geld ver­dienen als in ihren hei­mi­schen Ligen, und weil die Liga außer­halb des Fifa-Sys­tems stand, mussten die kolum­bia­ni­schen Klubs auch keine Ablö­se­summe bezahlen. Dafür waren diese Ver­eine vom sons­tigen Fifa-Spiel­be­trieb aus­ge­schlossen und die Spieler für Natio­nal­mann­schaften gesperrt.