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3. Liga

Seite 2: „Wenn ein Handschlag nichts mehr zählt, kann das ein Vertrag auch nicht retten“

Ver­trag per Hand­schlag – so wurde das in Meppen der Legende nach zuletzt in den neun­ziger Jahren zu Zweit­li­ga­zeiten gemacht.
Wenn ein Hand­schlag nichts mehr zählt, kann das ein Ver­trag auch nicht retten. Dem Verein und mir hat das gereicht. Und es gibt ja genug zu tun.

Näm­lich?
Tele­fo­nieren ohne Ende. Mir wurden seitdem über 500 Spieler ange­boten, aus allen Teilen der Welt. Die muss ich sichten, mit Kan­di­daten und Bera­tern spre­chen. Und natür­lich auch die Spieler anrufen, die schon in Meppen sind und sie vom gemein­samen Weg über­zeugen.

Wie gelingt das?
Mit Geld ist hier nie­mand zu locken. Wir haben nicht die Mittel, die Dresden oder Uer­dingen haben. Mir ist es schon vier, fünf Mal pas­siert, dass ich mit einem Spieler gute Gespräche hatte, er sich aber am Ende für ein finan­ziell bes­seres Angebot ent­schieden hat. Und das nehme ich ihm auch nicht übel. Jeder hat nur eine Kar­riere.

Und wer will schon nach Meppen …
Spieler, die sich ent­wi­ckeln wollen. Ich glaube, die Jungs, die hier spielen, denen ist Wert­schät­zung sehr wichtig. Und das zeigt sich auch darin, dass wir uns finan­ziell für jeden Ein­zelnen stre­cken.

Spieler, die sich ent­wi­ckeln, wecken Begehr­lich­keiten. Ben­jamin Girth, Nick Pro­sch­witz, Deniz Undav – in drei auf­ein­an­der­fol­genden Jahren ver­ließ der beste Stürmer den Verein. Ver­spüren Sie eine auf­kom­mende Unge­duld?
Das ist das Leid der kleinen Ver­eine. Wir müssen uns nichts vor­ma­chen, das ist der SV Meppen. Und hier sind nicht die finan­zi­ellen Mittel vor­handen, um einem Spieler zu sagen: Du bleibst jetzt.

Auf der Ein­fahrt des Ver­eins­ge­ländes steht Thilo Leu­gers. Er ist Kapitän und einer von nur noch zwei Spie­lern, die 2017 mit dem SV Meppen auf­ge­stiegen sind und immer noch hier spielen. Die 3. Liga ist ein Per­so­nal­ka­rus­sell. Er habe mit dem neuen Trainer schon tele­fo­niert. Torsten Frings“, sagt Leu­gers, den fand ich schon als Spieler geil.“

Auf­ge­wachsen sind Sie in Wür­selen bei Aachen. Sind Sie noch oft dort?
Eher selten, meine Eltern sind ver­storben. Aber mein Bruder hat viele Rezepte meiner Mutter gerettet und kann einiges nach­ko­chen. Wenn ich zu Besuch komme, schreibe ich ihm vorher, was ich mir wün­sche. Sauer­braten oder Rou­laden. Er schimpft immer: Torsten, wann soll ich das machen? Ich muss doch auch arbeiten!“ (Lacht.)

Was würden Sie als Ihre Heimat bezeichnen?
Bremen ist Heimat. Ich lebe dort mit Unter­bre­chungen seit über zwanzig Jahren.

Sie haben auch in Dort­mund, Mün­chen und Toronto gespielt. Sind Sie dort je ange­kommen – oder waren das nur Sta­tionen eines Arbeit­neh­mers?
Ganz im Gegen­teil. Weil Sie gerade Toronto anspre­chen, das war der schönste Ort, an dem ich bisher gelebt habe. Ich hätte mir vor­stellen können, dort sess­haft zu werden. (Rückt bei­läufig seine schwarze Cap mit dem Logo des NBA-Teams Toronto Rap­tors zurecht.)

Frings 8 W2 A9219 WEB
Max Slo­bodda

Warum?
Ich war dort ein Nie­mand. Ich konnte unbe­küm­mert durch die Stadt schlen­dern, das war so geil. Ein ganz nor­maler Mensch, ohne jeden Hype. Ich wollte mit meiner Frau essen gehen und das Restau­rant war voll. Wir wurden abge­wiesen – herr­lich. In Bremen würde ohne zu zögern ein Tisch her­an­ge­tragen werden. Ich will nicht undankbar klingen, aber ich war sehr glück­lich, für ein paar Monate ein ganz nor­maler Mensch zu sein.

Was geschah, als Sie 2013 nach Deutsch­land zurück­kehrten?
Das erste Auto­gramm habe ich bei meiner Ankunft am Flug­hafen geschrieben. Ver­stehen Sie mich bitte nicht falsch, ich mache das gerne. Das ist ja eine Bestä­ti­gung für das, was ich geleistet habe. Aber für mich haben diese Dinge heute nicht mehr die Bedeu­tung wie früher.

Sie haben vor dem Inter­view­termin deut­lich gemacht, dass Sie das Ver­eins­ge­lände nicht ver­lassen werden. Was schreckt Sie vor den Men­schen in Meppen ab?
Wenn ich jetzt durch Meppen laufe und mich vor Gebäuden foto­gra­fieren lasse, weil ihr sie schön findet, dann bringt mir das nichts. Das war ich nie und das bin ich auch nicht. Meine Arbeit ist hier. Foto­gra­fiert mich halt dabei.