Seite 2: Die Legende Claudio Pizarro

Cle­mens Fritz
Um ehr­lich zu sein: An Cle­mens Fritz haben wir das letzte Mal gedacht, als wir uns auf einer Fan­meile 2008 gegen­seitig mit Deutschlan­schminke Spie­ler­namen auf die Rücken­akne malten. Seit Sonntag aber wissen wir, dass Cle­mens Fritz immer noch spielt, und wie. Beim 3:1 gegen Schalke schoss Fritz ein Tor selber und berei­tete die beiden anderen Treffer vor. Zuvor hatte Bre­mens Außen­ver­tei­diger, der seine Kar­riere einst als Stürmer begann, seit 115 Spielen kein Tor mehr geschossen. Hinzu kommt, dass ihm mehr als eine Tor­be­tei­li­gung pro Spiel in zuvor 299 Par­tien über­haupt noch nie gelungen ist, in seiner letzten Saison im 300. Spiel also nun direkt drei. Was wahr­schein­lich zugleich das Schönste und Trau­rigste ist, was wir heute schreiben werden.

Claudio Pizarro / Stefan Kuntz
Sollte noch immer jemand daran zwei­feln, dass mit Claudio Pizarro eine wasch­echte lebende Legende für Werder Bremen seine Stiefel schnürt, der braucht nur einen Blick auf die ewige Rekord­tor­schüt­zen­liste der Bun­des­liga werfen. Dort hatte Pizarro unlängst erst Dieter Müller und Klaus Allofs hinter sich gelassen, durch seinen Treffer am Wochen­ende – es war sein 179. – zog er nun mit Stefan Kuntz gleich. Mit einer leisen Träne, die uns aufs Baum­woll­trikot tropft, gedenken wir noch einmal sämt­li­cher Kuntz-Sägen, freuen uns gleich­zeitig aber auch auf noch einige wei­tere Pizarro-Tore. Mit 182 Toren liegt kein gerin­gerer als Ulf Kirsten nur einen Hat­trick weit weg, anschlie­ßend wird es mit Burgsmüller, Heynckes, Fischer und Müller aller­dings schwierig. Ande­rer­seits: Wer durch den Spät­herbst seiner Kar­riere schlen­dert, als wäre so ein Spieltag ledig­lich ein Kurz­ur­laub im Club Med, dem ist eigent­lich alles zuzu­trauen. 

Ömer Toprak
Das Groß­ar­tige an diesem Sport ist, dass er selbst in seinen häss­lichsten Momenten so richtig schön sein kann. Exem­pla­risch sei hier Ömer Topraks Tor gegen Hof­fen­heim genannt. Mit dem Mute der Ver­zweif­lung und nach einer derart langen Anein­an­der­rei­hung von Unzu­läng­lich­keiten, dass die Spiel­szene ein Satz von Thorsten Legat sein könnte, warf sich Toprak irgendwie ins Gewusel des Sins­heimer Straf­raumes, drückte den Ball mit dem Kopf über die Linie, knockte dabei per inte­grierter Kopf­nuss noch seinen Gegen­spieler halb aus und jubelte dann an der Eck­fahne, wo er nach der ersten Euphorie selber kurz benommen lie­gen­blieb. Wir haben schon Auto­un­fälle gesehen, die schöner waren als Topraks Treffer. Und trotzdem haben wir uns sehr amü­siert. Und das pas­siert ja bei Auto­un­fällen eher selten.

Moritz Hart­mann
Wir hegen große Sym­pa­thien für den FC Ingol­stadt. Nicht etwa, weil uns das Spiel des FCI so berauscht oder wir Fans sind, seit uns unsere Eltern das erste Mal mit in die Audi-Arena genommen haben oder so. Son­dern weil wir so etwas wie der FCI wären, wären wir ein Fuß­ball­verein. Schließ­lich haben die Ingol­städter erst zwölf Tore geschossen, vier ihrer sechs Siege mit einem fiesen 1:0 über die Zeit gebracht, und Top­tor­schütze Moritz Hart­mann erzielte drei seiner vier Treffer per Elf­meter. Ganz klar: Der FCI tut nicht mehr als nötig. Da erkennen wir Faul­pelze uns natür­lich wieder und bestellen sogleich voller Ver­bun­den­heit ein Trikot. Also viel­leicht. Wenn wir irgend­wann vom Sofa auf­stehen.