Marco Reus
In den letzten Monaten hat Marco Reus mehr Ver­let­zungs­pech gehabt als einst Detec­tive Nord­berg in Die nackte Kanone“. Nach seiner anschei­nend sehr gut ver­lau­fenen Vor­be­rei­tung erin­nerte Reus am Samstag dann aller­dings eher an den ker­nigen Frank Drebin, dessen Credo Dann erschieße ich die Kerle. Das ist meine Politik!“ Reus‘ Leis­tung gegen Glad­bach ganz gut zusam­men­fasst. Wir hoffen nun inständig, dass der Mann mal eine Weile ver­let­zungs­frei bleibt und quasi als Ent­schä­di­gung für die ver­passte WM Deutsch­land im Sommer zum EM-Titel schießt. Oder wenigs­tens als Enrico Palazzo die Hymne singt. Neue Ver­let­zungen scheut Reus selber übri­gens nicht, denn wie sagte schon der unsterb­liche Frank Drebin: Man geht schon ein Risiko ein, wenn man Mor­gens auf­steht, über die Straße geht und sein Gesicht in einen Ven­ti­lator steckt.“ True.

Alex Meier
Drei­er­pack zum Rück­run­den­auf­takt, Sieg­treffer in der 93. Minute, wieder einmal bewahr­hei­tete sich die gute alte Frank­furter Regel: Ein Spiel im Wald­sta­dion ist erst vorbei, wenn Alex Meier im Bett liegt und die Tief­schlaf­phase erreicht hat. Wobei Meier wohl auch dann noch mehr Tor­ge­fahr ver­sprüht als ein han­dels­üb­li­cher Bun­des­li­ga­stürmer. Nun ist der Kerl schon 33 Jahre alt, trifft seit Jahren wie er will und hat doch kein ein­ziges Län­der­spiel gemacht. Um diese kos­mi­sche Unge­rech­tig­keit aus­zu­glei­chen, haben wir eine Peti­tion auf­ge­setzt, die ihr hier unter­schreiben könnt (lies: müsst“). Wenigs­tens ein Kurz­ein­satz in einem bedeu­tungs­losen Freund­schafts­spiel muss doch drin sein, so als Zei­chen des Respekts.

Haris Sefer­ovic
Nicht ganz so glatt ver­lief der Spieltag für Meiers Sturm­partner Haris Sefer­ovic. Nach schwa­cher Leis­tung wurde der Schweizer zur Pause aus­ge­wech­selt, die eigent­liche Watschn folgte aber nach dem Spiel, als sich Trainer Armin Veh Sefer­ovic in aller Öffent­lich­keit vor­knöpfte. Drei Tore, davon ein Elf­meter, das ist für mich kein Tor­jäger. Ich brauche ihn zwar, aber ich habe irgend­wann die Schnauze voll. Wir sind kein Ego-Trip“, zürnte der Coach über seinen lust­losen Angreifer, wahr­schein­lich wäh­rend er ein benutztes Ein­lauf-Set zurück in seine Tasche stopfte. Sefer­ovic hat sich bis­lang noch nicht zur Kritik seines Trai­ners geäu­ßert. Wahr­schein­lich weil er sich noch im Kran­ken­haus wegen eines Kopf­wä­sche-indu­zieren Schleu­der­traumas behan­deln lässt.

Hugo Almeida
Herz­lich Will­kommen zurück in der Bun­des­liga, Hugo Almeida. Obschon wir nicht sicher sind, ob wir Han­no­vers Neuem jemals werden ver­zeihen können, dass er einen Schnauz von der Breite einer Flug­zeug­lan­de­bahn durch seinen Backen­bart ent-tom­sel­lekt hat, freuen wir uns den­noch über seine Rück­kehr. Schließ­lich malt er mit seinen Toren sym­bo­li­sche Schnäuzer in die Fuß­ball­welt: Kraft­voll, kom­pro­misslos, ein wenig dre­ckig und wun­der­schön. Danke dafür.

Robert Lewan­dowski
Die Leis­tung der Bayern in Ham­burg mag nicht der totale Hit gewesen sein, das machte aber rein gar nichts. Schließ­lich hat der FCB mit Robert Lewan­dowski einen Stürmer in seinen Reihen, der ver­läss­li­cher ein­netzt als ein durch­schnitt­li­cher Fisch­kutter. So natür­lich bei seinem ersten Treffer, vor allem aber beim zweiten, als er in feinster Straf­raum­in­stinkt­fuß­bal­ler­ma­nier kurz mal den Fuß in den Ball hielt. Der Mann hat so viel Instinkt, er muss zwei Stamm­hirne haben. Dass der Treffer zählte, war übri­gens auch dem Lini­en­richter…

Harm Osmers
zu ver­danken, der als ein­ziger Mensch im Sta­dion – Robert Lewan­dowski ein­ge­schlossen – kor­rekt erkannte, dass der Stürmer tat­säch­lich nicht im Abseits gestanden hatte. Eine Abseits­stel­lung, die für das mensch­liche Auge in etwa so schwer zu erkennen war wie eine Gefühls­re­gung im Gesicht von Kristen Ste­wart. Wir sind uns sicher: Wäre Osmers 1963 in Dallas dabei­ge­wesen, er hätte wahr­schein­lich sofort gesehen, wer JFK erschoss.

Cle­mens Fritz
Um ehr­lich zu sein: An Cle­mens Fritz haben wir das letzte Mal gedacht, als wir uns auf einer Fan­meile 2008 gegen­seitig mit Deutschlan­schminke Spie­ler­namen auf die Rücken­akne malten. Seit Sonntag aber wissen wir, dass Cle­mens Fritz immer noch spielt, und wie. Beim 3:1 gegen Schalke schoss Fritz ein Tor selber und berei­tete die beiden anderen Treffer vor. Zuvor hatte Bre­mens Außen­ver­tei­diger, der seine Kar­riere einst als Stürmer begann, seit 115 Spielen kein Tor mehr geschossen. Hinzu kommt, dass ihm mehr als eine Tor­be­tei­li­gung pro Spiel in zuvor 299 Par­tien über­haupt noch nie gelungen ist, in seiner letzten Saison im 300. Spiel also nun direkt drei. Was wahr­schein­lich zugleich das Schönste und Trau­rigste ist, was wir heute schreiben werden.

Claudio Pizarro / Stefan Kuntz
Sollte noch immer jemand daran zwei­feln, dass mit Claudio Pizarro eine wasch­echte lebende Legende für Werder Bremen seine Stiefel schnürt, der braucht nur einen Blick auf die ewige Rekord­tor­schüt­zen­liste der Bun­des­liga werfen. Dort hatte Pizarro unlängst erst Dieter Müller und Klaus Allofs hinter sich gelassen, durch seinen Treffer am Wochen­ende – es war sein 179. – zog er nun mit Stefan Kuntz gleich. Mit einer leisen Träne, die uns aufs Baum­woll­trikot tropft, gedenken wir noch einmal sämt­li­cher Kuntz-Sägen, freuen uns gleich­zeitig aber auch auf noch einige wei­tere Pizarro-Tore. Mit 182 Toren liegt kein gerin­gerer als Ulf Kirsten nur einen Hat­trick weit weg, anschlie­ßend wird es mit Burgsmüller, Heynckes, Fischer und Müller aller­dings schwierig. Ande­rer­seits: Wer durch den Spät­herbst seiner Kar­riere schlen­dert, als wäre so ein Spieltag ledig­lich ein Kurz­ur­laub im Club Med, dem ist eigent­lich alles zuzu­trauen. 

Ömer Toprak
Das Groß­ar­tige an diesem Sport ist, dass er selbst in seinen häss­lichsten Momenten so richtig schön sein kann. Exem­pla­risch sei hier Ömer Topraks Tor gegen Hof­fen­heim genannt. Mit dem Mute der Ver­zweif­lung und nach einer derart langen Anein­an­der­rei­hung von Unzu­läng­lich­keiten, dass die Spiel­szene ein Satz von Thorsten Legat sein könnte, warf sich Toprak irgendwie ins Gewusel des Sins­heimer Straf­raumes, drückte den Ball mit dem Kopf über die Linie, knockte dabei per inte­grierter Kopf­nuss noch seinen Gegen­spieler halb aus und jubelte dann an der Eck­fahne, wo er nach der ersten Euphorie selber kurz benommen lie­gen­blieb. Wir haben schon Auto­un­fälle gesehen, die schöner waren als Topraks Treffer. Und trotzdem haben wir uns sehr amü­siert. Und das pas­siert ja bei Auto­un­fällen eher selten.

Moritz Hart­mann
Wir hegen große Sym­pa­thien für den FC Ingol­stadt. Nicht etwa, weil uns das Spiel des FCI so berauscht oder wir Fans sind, seit uns unsere Eltern das erste Mal mit in die Audi-Arena genommen haben oder so. Son­dern weil wir so etwas wie der FCI wären, wären wir ein Fuß­ball­verein. Schließ­lich haben die Ingol­städter erst zwölf Tore geschossen, vier ihrer sechs Siege mit einem fiesen 1:0 über die Zeit gebracht, und Top­tor­schütze Moritz Hart­mann erzielte drei seiner vier Treffer per Elf­meter. Ganz klar: Der FCI tut nicht mehr als nötig. Da erkennen wir Faul­pelze uns natür­lich wieder und bestellen sogleich voller Ver­bun­den­heit ein Trikot. Also viel­leicht. Wenn wir irgend­wann vom Sofa auf­stehen.