Nun gibt es also auch Zahlen: 8,5 Mil­lionen Euro über­weisen die Bayern an den FC Bar­ce­lona, um Phil­ippe Cou­t­inho für ein Jahr aus­zu­leihen. Außerdem über­nehmen die Münchner das Gehalt des Offen­siv­spie­lers und können diesen, sollte er sie in dieser Saison über­zeugen, im kom­menden Sommer für 120 Mil­lionen Euro ver­pflichten. Unterm Strich: ein guter Deal. Bayern bekommt einen der talen­tier­testen Fuß­baller der Welt, ohne dabei finan­ziell direkt ins Risiko zu gehen, erhöht die Qua­lität des Kaders in der Spitze und sorgt gleich­zeitig dafür, dass auf den Gesich­tern der Kon­kur­renz nach Monaten des Spotts end­lich wieder Sorgen- statt Lach­falten ent­stehen. Denn, eins ist klar: Auf Zwei­kämpfe mit Phil­ippe Cou­t­inho freuen sich die Dela­neys und Baum­gart­lin­gers dieser Erde eher nicht.

Auf der anderen Seite verrät der Transfer aber auch etwas anderes: Einen nach­hal­tigen Plan, wie genau die Zukunft des FC Bayern aus­sehen soll, ver­folgen Hasan Sali­ha­midzic und Karl-Heinz Rum­me­nigge nicht. Bezie­hungs­weise haben sie sich, wenn es denn je einen gegeben haben sollte, mit dem Cou­t­inho-Deal von diesem end­gültig ver­ab­schiedet.

17 Spiele – ein Tor

Denn eigent­lich sollte es in diesem Sommer darum gehen, hoch­ka­rä­tigen Ersatz für die beiden domi­nie­renden Figuren der ver­gan­genen zehn Jahre, Arjen Robben und Franck Ribéry, zu ver­pflichten. Aka: Neue Stars für die Außen­bahn. Dass die Rob­bery-Ära enden würde, muss den Ver­ant­wort­li­chen spä­tes­tens seit Januar 2019, eher seit Sommer 2014, klar gewesen sein. Dass auch Niko Kovac die Gegner über die Flügel kna­cken will, man dort mit dem ver­let­zungs­an­fäl­ligen Kingsley Coman und Serge Gnabry für die Zukunft aber zu dünn auf­ge­stellt ist, eben­falls. Am Ende kam dann weder der viel­ver­spre­chende Callum Hudson-Odoi noch der poten­ti­elle Welt­star Leroy Sané – son­dern Ivan Perisic.

Ein für den Liga-Alltag zwar sicher­lich starker Spieler. Aber eben auch ein 30-jäh­riger Mann, der es in seiner bis­he­rigen Kar­riere in 17 Cham­pions-League-Spielen auf genau einen Treffer gebracht hat. Mit der schon jetzt legendär-breit­bei­nigen Wenn Sie wüssten“-Ansage kann Uli Hoeneß den Kroaten nicht gemeint haben.

Dann nehmen wir eben den

Und auch von Cou­t­inho dürfte Hoeneß damals, soviel Ver­trauen sollte man den Münchner Bou­le­vard-Repor­tern ent­gegen bringen (die den Namen bis vor wenigen Tagen nicht mal als Gerücht ver­wurs­teten), nicht gespro­chen haben. Was dem Deal eine etwas pani­sche Note ver­leiht. Egal, wer es ist, Haupt­sache, wir prä­sen­tieren den war­tenden Fans end­lich irgend­einen Star! Bar­ce­lona will Cou­t­inho und nicht Dem­bélé abgeben? Na dann nehmen wir eben den.

Dass dieser kein echter Flü­gel­spieler ist, ein­ein­halb extrem durch­wach­sene Jahre hinter sich hat, bei einem mög­li­chen Kauf auch schon 28 Jahre alt wäre und von Bar­ce­lona anschei­nend in halb Europa ange­boten wurde – egal. Seht her, hört man die Bayern jubeln, wir sind wieder wer! Dabei sind die Bayern und die Bun­des­liga für den ganz heißen Scheiß nach wie vor nicht attraktiv genug. Viel­leicht sogar so unat­traktiv wie lange nicht mehr. Dass der FC Bar­ce­lona auf das von den Bayern kom­mu­ni­zierte ver­ein­barte Still­schweigen“ über die finan­zi­ellen Details des Trans­fers pfeift und die Zahlen frei­mütig aus­po­saunt, passt da nur gut ins Gesamt­bild.