Seite 2: Wofür zahlt der DFB 20 Millionen jährlich?

Weil die Ver­eine nach FIFA-Regu­la­rien und nach der DFB-Spiel­ord­nung einer Abstel­lungs­pflicht unter­liegen, könne die DFL kein Geld für die Aner­ken­nung der Abstel­lungs­ver­pflich­tung der Spieler seiner DFL-Klubs ver­langen, sagt Cherkeh. Pflicht ist Pflicht und als ordent­li­ches Mit­glied beim DFB seien diese Regu­la­rien für die DFL, so Cherkeh, ohnehin ver­bind­lich und von der DFL aner­kannt. 

Andern­falls, so hatte 11FREUNDE schon gemut­maßt, müsste der DFB auch an aus­län­di­sche Ligen zahlen, in denen deut­sche Natio­nal­spieler spielen. Prof. Dr. Cherkeh bestä­tigt in seinem Auf­satz diese Annahme und erklärt: Was ohnehin durch die Sta­tuten gere­gelt ist, muss nicht noch gegen geson­derte Ver­gü­tung ›aner­kannt‹ werden.“

20 Mil­lionen für nichts

Viel wich­tiger ist jedoch, dass der DFB auch nichts für die Ver­mark­tung der Spieler an die DFL zahlen müsste. Das ist das kleine Ein-mal-Eins des Ver­mark­tungs­rechts“, sagt Cherkeh, die Ver­mark­tungs­rechte an seinen Aus­wahl­mann­schaften hält immer der Ver­band. Und das ist im Fall der Natio­nal­mann­schaft der DFB.“ Laut DFB und DFL werden durch den Grund­la­gen­ver­trag die Per­sön­lich­keits­rechte der Spieler abge­golten. Aber mit den Spie­lern werden ver­bands­seitig eigen­stän­dige Ver­träge abge­schlossen. Diese Ath­le­ten­ver­ein­ba­rungen gibt es auch in anderen Sport­arten. Weil sie zustimmen, dass der DFB mit ihnen werben darf, erhalten die Natio­nal­spieler des­halb auch eine Ver­gü­tung.“, sagt Cherkeh im Gespräch , das ist jedoch eine ganz eigene Bau­stelle zwi­schen den Spie­lern und dem DFB, die DFL ist dabei kom­plett außen vor.“

Und weiter: Für die 20 Mil­lionen Euro, die der DFB nach Para­graf fünf des Grund­la­gen­ver­trags jähr­lich an die DFL zu zahlen hat, lie­fert die DFL über­haupt keine Gegen­leis­tung.“

Kein Kava­liers­de­likt

20 Mil­lionen Euro. DFB-Schatz­meister Dr. Ste­phan Osna­brügge hatte die Summen so erklärt: Beim Grund­la­gen­ver­trag haben sich Kauf­leute gegen­über­ge­sessen und gegen­seitig bewertet, wel­chen Wert ihre Leis­tungen haben.“ Schon frag­lich, wel­cher DFB-Kauf­mann die Leis­tung gar nichts“ mit dem Preis­schild 20 Mil­lionen Euro“ ver­sehen hat.

Und das ist kein Kava­liers­de­likt. In seinem Auf­satz argu­men­tiert Cherkeh: Der Vor­stand, und hier nament­lich das DFB-Prä­si­dium, ist gehalten, darauf zu achten, dass das von ihm treu­hän­de­risch ver­wal­tete Ver­mögen des DFB erhalten bleibt und es nach Mög­lich­keit sogar (…) zu ver­mehren.“ Weil eine Leis­tung der DFL nicht erkennbar sei, wider­spricht die dort getrof­fene Rege­lung der ver­eins­recht­li­chen Pflicht des Vor­stands zur ord­nungs­ge­mäßen Ver­mö­gens­ver­wal­tung“, fol­gert er. 

Haben Dele­gierte arglos gehan­delt?

Von den Dele­gierten des jüngsten DFB-Bun­des­tags wurde aber auch dieser Passus des Ver­trags­werks abge­segnet, mög­li­cher­weise etwas arg- und sorglos“, sagt der Anwalt, um es noch vor­sichtig zu for­mu­lieren.“

Der Auf­satz des Juristen Cherkeh, der in der aktu­ellen Aus­gabe (Heft 1/2018) der Fach­zeit­schrift SpuRt – Zeit­schrift für Sport und Recht“ ver­öf­fent­licht wurde, dürfte den Betei­ligten bekannt sein. Mit­her­aus­geber sind DFB-Chef­jus­ti­ziar Dr. Jörg Eng­lisch und Dr. Rein­hard Rau­ball, der Prä­si­dent der DFL.