Spieler des Saison: Robert Lewan­dowski
Ein Arzt riet ihm vom Fuß­ball ab. Der Junge aus War­schau hörte nicht auf ihn und ist heute ein Welt­klas­se­stürmer.

Früher, als Kind, war Robert Lewan­dowski dünn. So dünn, dass Peter Crouch neben ihm wie ein Sumo­ringer aus­ge­sehen hätte. Auch später, als Jugend­li­cher, wirkte er nicht unbe­dingt wie einer, der eines Tages Real Madrid mit vier Toren aus dem Sta­dion schießen würde. Seine mit­spieler nannten ihn Bobek“, was so viel wie Kleiner“ bedeutet. Er selbst sagt: Ich hatte damals Beine wie Fahr­rad­schläuche.“ Ver­mut­lich wäre seine Kar­riere sogar recht schnell vorbei gewesen, wenn er als 17-Jäh­riger auf den Ver­eins­arzt von Legia War­schau gehört hätte.

Der befand näm­lich, dass Lewan­dow­skis Körper nicht für den Pro­fi­fuß­ball gemacht sei. Aber der junge Stürmer igno­rierte den Rat des Docs – und traf auch danach eine Menge rich­tiger Ent­schei­dungen. Einige waren prag­ma­ti­scher Natur, andere auch das Resultat von Zufällen. Wie etwa die Epi­sode aus dem Jahr 2010. Lewan­dowski war bei Lech Posen zu einem der besten Stürmer der pol­ni­schen Eks­t­ra­klasa geworden, und regel­mäßig saßen Scouts von Pre­mier-League-Klubs auf den Tri­bünen. als hei­ßester Kan­didat galten die Black­burn Rovers.

Doch just an dem Tag, als der junge Pole zu Ver­trags­ge­sprä­chen nach Eng­land fliegen wollte, brach der islän­di­sche Vulkan Eyjaf­jal­la­jökull aus und legte den Flug­ver­kehr über Europa lahm. Jürgen Klopp und Michael Zorc reagierten blitz­schnell und luden Lewan­dowski nach Dort­mund ein. Später erin­nerte sich der Angreifer: Hat diese Ent­schei­dung mein Leben ver­än­dert? Ja. Viel­leicht!““

Besser als Ronaldo

Der Rest ist eine Fuß­ball-Block­buster-Serie voller Rekorde und Haste-nicht-gesehen-Spiele. Die Geschichte eines Stür­mers, der fünf Tore in acht Minuten und 59 Sekunden schoss. Der zweimal Bun­des­liga-Tor­schüt­zen­könig wurde. Der fünfmal die Deut­sche Meis­ter­schaft und zweimal den DFB-Pokal gewann. Der alleine für die Bayern 110 Tore in 147 Spielen erzielt hat. In der abge­lau­fenen Saison musste er sich im Kampf um die Tor­jä­ger­ka­none zwar Pierre-Eme­rick Aub­ameyang geschlagen geben, trotzdem schoss Lewan­dowski erneut 30 Tore.

Wett­be­werbs­über­grei­fend machte er 43, was einen Schnitt von 0,94 Tref­fern pro Spiel bedeutet. Zum Ver­gleich: Cris­tiano Ronaldo kam diese Saison nur auf 0,86 Tore. Was also fehlt ihm noch zum Titel Welt­fuß­baller des Jahres? Viel­leicht der Cham­pions-League-Pokal. Viel­leicht auch die Show auf dem Platz. Denn Lewan­dowski ist zwar ein kom­pletter Stürmer, der spek­ta­ku­läre Dinge tut – Seit­fall­zie­her­tore von der Straf­raum­grenze! –, trotzdem kommt sein Spiel ohne Bohei aus.

Und daher wirkt der 28-Jäh­rige mit dieser ange­nehm uneitlen Art manchmal wie ein Gegen­ent­wurf zum modernen Fuß­ball, wo Spieler vor Frei­stößen posieren wie John Wayne und die Black Eyed Peas vor dem Cham­pions-League-Finale aerobic tanzen. So oder so: Man kann heute mit Fug und Recht der ärzt­li­chen Dia­gnose von einst wider­spre­chen. Und man darf Black­burn bemit­leiden, die im Sommer in die Dritte Liga abge­stiegen sind.