Ich werde eines Tages im Ster­be­bett liegen und mich selig an dieses Kapitel erin­nern“, sagt Rawez Lawan (30) unter Tränen. Der Spiel­ma­cher des schwe­di­schen Klubs Dal­kurd FF verrät: Immer wenn ich medi­tierte, sah ich diesen Moment des Auf­stiegs vor mir.“

Lawans Klub, 2004 von kur­di­schen Flücht­lingen und Migranten gegründet, hat am Wochen­ende den Sprung in die erste schwe­di­sche Liga geschafft – durch einen 1:0‑Heimsieg gegen GAIS Göte­borg. Es ist eine völlig ver­rückte Reise, die wir hin­ge­legt haben“, staunt Sport­di­rektor Adil Kizil (33). Ande­rer­seits: Ich wusste immer, dass wir nicht auf­zu­halten sein würden.“

40 Mil­lionen Fans

Das mit­tel­schwe­di­sche Städt­chen Bor­länge, in dem Dal­kurd FF zu Hause ist, hat ledig­lich 40.000 Ein­wohner. Aller­dings schätzt Kizil die Zahl der Fans seines Ver­eins auf über 40 Mil­lionen. Denn für die Kurden aus aller Welt ist Dal­kurd FF so eine Art inof­fi­zi­elles Natio­nal­team geworden, obwohl auch Afri­kaner, US-Ame­ri­kaner oder Schweden hier spielen.

Man kann davon aus­gehen, dass so ziem­lich jeder Kurde in der Türkei, im Irak, im Iran, in Syrien, im Libanon oder sonst wo mit­be­kommen hat, dass wir auf­ge­stiegen sind“, erklärt Adil Kizil stolz. Natür­lich spüren wir diese Anteil­nahme und diese mas­sive Unter­stüt­zung. Sie haben uns dorthin gebracht, wo wir jetzt sind.“

Dem Schicksal ein Schnipp­chen geschlagen

Dabei wäre die Mann­schaft von Dal­kurd FF am 24. März 2015 bei­nahe kom­plett aus­ge­löscht worden: Für die Rück­reise aus einem Trai­nings­lager in Spa­nien hatten die Ver­ant­wort­li­chen den Ger­man­wings-Flug 9525 von Bar­ce­lona nach Düs­sel­dorf gebucht, um anschlie­ßend weiter nach Schweden zu reisen. Erst im letzten Moment ent­schied die Klub­füh­rung wegen des langen Zwi­schen­stopps in Deutsch­land, das Team auf drei andere Maschinen umzu­bu­chen.

Damit schlug man dem Schicksal ein Schnipp­chen: Der Airbus von Ger­man­wings, in dem die Kicker des Kurden-Klubs eigent­lich hätten sitzen sollen, wurde in den fran­zö­si­schen Alpen von seinem Co-Piloten absicht­lich zum Absturz gebracht. Sämt­liche 150 Men­schen an Bord kamen ums Leben.

Unmög­lich, die Gefühle in Worte zu kleiden

Spä­tes­tens seit diesem Tag glauben sie bei Dal­kurd FF, dass der unauf­halt­same Auf­stieg ihres Ver­eins gott­ge­wollt ist: Ich war von Beginn an dabei, zuerst als Tor­wart, seit 2012 als Sport­di­rektor“, sagt Adil Kizil: Für mich als Kurden geht es hier in erster Linie um Fuß­ball. Doch natür­lich geht es auch um viel, viel mehr. Wenn wir in unseren Ver­eins­räumen zusam­men­kommen, reden wir sehr oft über sehr, sehr trau­rige Dinge. Wenn wir aber mit unseren Leis­tungen auf dem Rasen dazu bei­tragen können, dass es hin und wieder etwas Schönes zu bespre­chen gibt, dann macht uns das stolz.“

Dal­kurd-Stürmer Ahmed Awad (25) for­mu­liert es noch deut­li­cher: Es sind sagen­hafte Gefühle, wenn man einem Volk, das so der­maßen unter­drückt wird, so viel Freude bereiten kann. Es wäre unge­recht diesen Gefühlen gegen­über, wenn ich ver­su­chen würde, sie in Worte zu kleiden.“