Martin Max, wie bitter war für Sie der Moment, als Sie 2002 zum zweiten Mal Tor­schüt­zen­könig wurden und den­noch erneut nicht für die WM nomi­niert wurden?
Die Situa­tion war schon extrem bitter. Aber irgend­wann erreicht man einen Punkt, an dem man die Hoff­nung mehr oder weniger auf­gibt. Ich habe gemerkt, dass ich, aus wel­chen Gründen auch immer, beim Bun­des­trainer keine Lobby hatte. Nichts­des­to­trotz habe ich die ganze Zeit über große Lust am Fuß­ball gehabt und konnte mich so auf 1860 Mün­chen kon­zen­trieren.

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Wie sehr ist man als Fuß­baller abhängig von den Launen eines Natio­nal­trai­ners?
Es kommt ein­fach darauf an, wel­ches System der Trainer bevor­zugt. Wenn er meint, nur mit einem Stürmer zu spielen, dann braucht man doch im Grunde nur zwei im Kader. Und dann kann es schonmal eng werden.

Letzt­lich hat es für Sie nur zu acht Minuten in der Natio­nal­mann­schaft gereicht. Wie haben Sie die Dis­kus­sion vor der WM, in der es darum ging, ob Carsten Jancker oder sie mit­ge­nommen werden sollten, erlebt?
Eigent­lich gar nicht. Wurde damals dis­ku­tiert?

Zumin­dest haben sich nicht wenige gewun­dert, warum Carsten Jancker für die WM nomi­niert wurde. Er hatte in der Saison kein ein­ziges Tor erzielt.
Ich denke, jeder kann sich selber seinen Reim daraus machen. Die Leute sind ja auch nicht blöd! Wenn der Tor­schüt­zen­könig zu Hause bleiben muss und statt­dessen jemand mit­fährt, der kein ein­ziges Tor geschossen hat, dann gibt es dafür schlicht keine Erklä­rung. Ich habe jeden­falls bisher keine gefunden.

An wel­chen Moment erin­nern Sie sich in dieser Saison beson­ders gerne?
Da gibt es keinen her­aus­ra­genden Moment. Für mich war die zweite Tor­jä­ger­ka­none eine unheim­liche Genug­tuung, um den Leuten zu zeigen, dass die erste keine Ein­tags­fliege war.

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Sind Sie rück­bli­ckend mit Ihrer Kar­riere zufrieden?

Absolut. Ich hatte eine schöne Lauf­bahn. Ob ich jetzt in der Natio­nal­mann­schaft gespielt habe oder nicht, spielt letzt­lich keine große Rolle. Es hätte viel­leicht etwas mehr sein können, es hätte aber auch deut­lich weniger sein können. Ich kann das ganz gut ein­schätzen.

2003 haben Sie 1860 Mün­chen ver­lassen und sind zu Hansa Ros­tock gewech­selt. Ros­tock wurde Neunter, 1860 stieg ab. Haben Sie gespürt, dass es in Mün­chen bergab ging?
Nein, eigent­lich nicht. Wobei… (lacht) viel­leicht doch ein biss­chen. Falko Götz hat ver­stärkt auf die Jugend gesetzt und am Ende nicht nur mich rasiert, son­dern auch THomas Häßler. Die gesunde Mischung hat dem Team dar­aufhin gefehlt.