Jürgen Rische, am Samstag trifft ihr Ex-Klub Kai­sers­lau­tern im Ber­liner Olym­pia­sta­dion auf Hertha BSC. 1997 Jahren waren sie selbst noch bei dieser Paa­rung am glei­chen Ort dabei. Können Sie sich an das Spiel erin­nern?
Jürgen Rische: Natür­lich, das war noch in der zweiten Liga. Beide Mann­schaften spielten eine tolle Saison und waren mitten im Auf­stiegs­rennen.

75.000 Zuschauer strömten ins Sta­dion…
Jürgen Rische: …und das bedeu­tete damals einen neuen Zuschau­er­re­kord für die zweite Bun­des­liga! Die Stim­mung war sen­sa­tio­nell. Ein Fee­ling wie beim DFB-Pokal­fi­nale, wirk­lich impo­sant.

Ahnten Sie schon vor dem Spiel, dass es ein ganz beson­derer Abend werden könnte?
Jürgen Rische: Auf jeden Fall, Hertha und wir hatten zuvor her­vor­ra­gende Leis­tungen gezeigt. Dazu die Tabel­len­kon­stel­la­tion Erster gegen Zweiter. Und die Medien trugen natür­lich auch ihren Teil bei, indem sie die Begeg­nung im Vor­feld hoch­pushten. Da war die Woche vor dem Spiel schon richtig Bam­bule in Kai­sers­lau­tern und Berlin.

Otto Reh­hagel trai­nierte damals den FCK. Hat er bei der Spiel­vor­be­rei­tung auf Grund der Bri­sanz irgend­etwas anders gemacht als sonst?
Jürgen Rische: Otto hatte seine festen Abläufe und hat die nicht für dieses eine Spiel geän­dert.

Das Spiel verlor der FCK. Hat Sie die Atmo­sphäre doch ein­ge­schüch­tert?
Jürgen Rische: Nein, wir hatten damals viele erfah­rene Spieler wie Andreas Brehme, Wynton Rufer, Pavel Kuka und Miroslav Kadlec. Das waren alles aktu­elle und ehe­ma­lige Natio­nal­spieler, die schon ganz andere Sachen erlebt hatten. Die Atmo­sphäre war nicht das Pro­blem.

Son­dern?
Jürgen Rische: (lacht) Da muss ich auf­passen, was ich sage. Ich bin heute bei Ein­tracht Braun­schweig Reha- und Ath­le­tik­trainer und unser sport­li­cher Leiter ist Marc Arnold, der spielte damals bei der Hertha. Um es kurz zu machen: Berlin war an dem Tag ein­fach zu gut und hat das Spiel 90 Minuten dik­tiert und ver­dient gewonnen.

Nächste Saison spielen Sie aller Vor­aus­sicht nach mit Ein­tracht Braun­schweig gegen Kai­sers­lau­tern in Liga zwei. Freuen sie sich schon auf dieses Duell?
Jürgen Rische: Na sicher, da sehe ich ein paar bekannte Gesichter end­lich mal wieder, auch wenn mir ein Abstieg von Kai­sers­lau­tern sehr leid tut.

Worin sehen sie die Ursa­chen für die aktu­elle Situa­tion bei den Roten Teu­feln?
Jürgen Rische: Der FCK ver­fügt ein­fach nicht über die großen finan­zi­ellen Mittel. Ohne die kannst du keine Spieler kaufen, die die Qua­lität haben, die Klasse zu halten. Dann steigst du halt ab.

Wird Kai­sers­lau­tern den sofor­tigen Wie­der­auf­stieg schaffen?
Jürgen Rische: Ich hoffe es. Aller­dings sind schon ganz andere Ver­eine mit dem Ziel direkter Wie­der­auf­stieg“ in eine Saison gegangen und geschei­tert. Auf­zu­steigen wird immer schwie­riger, weil die Leis­tungs­dichte in der zweiten Liga von Jahr zu Jahr größer wird.

Schafft Ihr ehe­ma­liger Trainer Otto Reh­hagel mit der Hertha noch den Klas­sen­er­halt?
Jürgen Rische: Ich denke Hertha kommt in die Rele­ga­tion und gewinnt dort. Es wäre ein­fach schade, wenn nach Kai­sers­lau­tern noch ein großer Name aus der Bun­des­liga ver­schwinden würde. Die Haupt­stadt braucht Bun­des­li­ga­fuß­ball.

Es gab viel Kritik wegen Reh­ha­gels Ver­pflich­tung.
Jürgen Rische: Die konnte ich nicht nach­voll­ziehen. Man brauchte einen erfah­renen Trainer, der Ruhe in die Mann­schaft bringt. Dafür war Otto der rich­tige Mann. Viel­leicht wendet sich ja letzt­lich alles zum Guten.