Alex­andra Popp, wäh­rend Ihrer langen Kar­riere hatten Sie immer wieder mit Ver­let­zungen zu kämpfen. Solche wie­der­holten Rück­schlag sind ver­mut­lich nicht nur für den Körper, son­dern auch für den Kopf eine Her­aus­for­de­rung. Wie hat sich Ihr men­taler Umgang damit über die Jahre ent­wi­ckelt?
Tat­säch­lich gar nicht so sehr, weil ich von mir selbst sagen würde, mit einer guten men­talen Stärke aus­ge­stattet zu sein. Natür­lich ist es im ersten Moment immer schwer, Rück­schläge zu ver­ar­beiten. Ich kann zum Glück aber auf einen sehr starken Rück­halt durch Familie und Freunde zählen. Das ist für meinen See­len­frieden das wich­tigste.

Wel­cher ist der unter­schätz­teste Aspekt einer Reha?
Bezüg­lich der Reha­zeit besteht bei man­chen Men­schen immer noch ein Irr­glaube. Von wegen: Naja, du warst ja jetzt länger auf Krü­cken unter­wegs und soll­test dich gar nicht so viel bewegen. Das klingt ja wie Urlaub, du musst total erholt sein. Aber so ist es natür­lich nicht. Reh­ar­beit ist ver­dammt anstren­gend. Und des­wegen auch mental nicht ohne. Bei meiner letzten Ver­let­zung war ich wirk­lich an dem Punkt, dass ich gesagt habe: Ich habe keinen Bock mehr auf diesen Scheiß. Ich höre jetzt auf, ich kann ein­fach nicht mehr. Umso wich­tiger ist es, sich Pausen zu nehmen. Auch, um zu ver­ar­beiten, was gerade eigent­lich vor sich geht. Sich wirk­lich die Zeit zu nehmen, zu rea­li­sieren, was gerade los ist, wie es dazu kommen konnte und was jetzt zu tun ist. Denn dafür ist wäh­rend dieses Pro­zesses manchmal zu wenig Zeit. Nach der Ver­let­zung ist es oft so, dass es sofort unters Messer und dann direkt in die Reha geht, um schnellst­mög­lich wieder auf dem Platz zu stehen. Doch es ist ein Muss, sich wäh­rend dieses Pro­zesses auch mal zu bremsen und durch­zu­atmen.

Wie moti­vieren Sie sich in den Momenten, in denen Sie die Kraft und Lust ver­lässt?
Ich setze mir gerne kleine Etap­pen­ziele. Wenn die Reha startet und ich nur mit Krü­cken laufen kann, ist das erste Ziel, wieder eigen­ständig gehen zu können. Danach arbeite ich dar­aufhin, wieder Fahr­rad­fahren zu können. Wieder joggen gehen zu dürfen. Das sind ganz kleine Steps, aber die helfen dabei, sich auf das hier und jetzt zu fokus­sieren. Und das große Ziel, das ich im Sommer wäh­rend meiner Knie­ver­let­zung natür­lich im Hin­ter­kopf hatte, war die Euro­pa­meis­ter­schaft. Das Non­plus­ultra. Es ist ja bekannt, wie wichtig es mir war, an dieser EM teil­zu­nehmen. Weil ich die vor­he­rigen alle wegen Ver­let­zungen ver­passt habe. In meinem Kopf habe ich mir also oft gesagt: Wenn du dich jetzt nicht ran hältst, wenn du nur ein biss­chen Zeit ver­lierst, dann kann es echt knapp werden. Dann kann es sein, dass du wieder nicht zur EM fährst. Ich wusste: Wenn ich dann in den Spiegel gucken würde und mir ein­ge­stehen müsste, selbst nicht alles dafür getan zu haben – das hätte ich mir nie ver­ziehen. Das wäre das Schlimmste für mich gewesen.

Ich bin eigent­lich immer im roten Bereich nach dem Spiel“

Bei der EM haben Sie dann groß auf­ge­spielt und in fünf Spielen sechs Tore erzielt. Fühlen sich Tore nach so einer Lei­dens­zeit anders an?
Vor der EM habe ich lange nicht mehr im Sturm gespielt und dem­entspre­chend auch weniger Tore geschossen. Von daher war dieses Tur­nier mit den Toren echt ein bru­tales Gefühl. Ich kann das bis heute kaum beschrieben. Wieder in der Sturm­spitze spielen zu dürfen, das Ver­trauen zu bekommen und so zurück­zahlen zu dürfen, das war ein­malig. Mit der Art und Weise meines Spiels, mit dieser Wucht, mit dieser Freude und Dank­bar­keit über­haupt auf diesem Platz zu stehen. Da habe ich den Emo­tionen wäh­rend dieser Wochen in Eng­land wirk­lich freien Lauf gelassen. Auch wenn ich nicht genau beschreiben kann, wie sich diese Tore ange­fühlt haben, war es in jedem Fall ein anderes Gefühl als zum Bei­spiel in einem nor­malen Bun­des­li­ga­spiel. Es war auf­re­gender. Und an Schlaf war danach nicht zu denken. Was sich natür­lich in meinen Fit­ness­daten nie­der­ge­schlagen hat.

Dieses Inter­view wurde durch WHOOP ermög­licht. Die Firma bietet trag­bare Fit­ness­tra­cker an und unter­stützt Sport­le­rinnen und Sportler im Trai­nings- und Rehaalltag.

Inwie­fern?
Ich arbeite mit einem trag­baren Fit­ness­coach von WHOOP, der lau­fend meine Leis­tungs­daten und Erho­lungs­werten misst. Am Morgen nach den Spielen hat der Tra­cker mir klar zu ver­stehen gegeben: Bleib‘ am besten im Bett. Meine Werte waren eine Kata­strophe (lacht). Ich bin eigent­lich immer im roten Bereich nach dem Spiel, weil ich ganz lange erst mal nicht schlafen kann. Wir haben bei der EM immer relativ spät gespielt und vor drei oder vier Uhr nachts habe ich kein Auge zuge­macht. Am nächsten Morgen ging es um 9:00 Uhr dann aber schon weiter mit dem Früh­stück. Im Nor­mal­fall hätte ich die Mahl­zeit aus­fallen lassen, aber wenn man einmal in diesem Tur­nier­modus ist, will man den Rhythmus nicht ver­än­dern – zumal das Essen dann auch Teil der Rege­ne­ra­tion ist.

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Alles im Blick. Alex Popp nutzt den trag­baren Fit­ness & Gesund­heits­coach von WHOOP.

WHOOP / Michael Roma­cker

Wobei hilft Ihnen der Fit­ness & Gesund­heits­coachs genau im Trai­nings­alltag?
Vor allem misst der Tra­cker meinen Schlaf. Wie lange ich wäh­rend der Nacht wach bin, wie lange mein Tief­schlaf ist. Er bemisst die Qua­lität meiner Nacht­ruhe. Gleich­zeitig wird durch die Bemes­sung meines Schlafs und wei­terer kar­dio­vasku­lärer Daten, wie Herz­fre­quenz-Varia­bi­lität, Ruhe­herz­fre­quenz, Atem­fre­quenz, ein Erho­lungs­wert ermit­telt, der angibt, wie erholt ich in den Tag starte. Das finde ich wahn­sinnig inter­es­sant, weil ich so auch immer abglei­chen kann, was mein Kör­per­ge­fühl sagt und was die Daten. Stimmt das überein oder gibt es da eine Dis­kre­panz? So ent­steht ein bes­seres Bewusst­sein für den Schlaf, für den Körper und eben auch für die Erho­lung.

Wird die Bedeu­tung des Schlafs im Pro­fi­sport unter­schätzt?
Ja, das glaube ich absolut. Denn es geht ja nicht nur um den Schlaf an sich. Viel mehr gibt die Ana­lyse des eigenen Schlafs auch Aus­kunft dar­über, wie fit ich mich am jewei­ligen Tag fühle und wie viel Belas­tung dann über­haupt Sinn ergibt. Wenn ich weiß, dass meine Erho­lungs­werte im roten Bereich liegen, dann kann ich natür­lich am nächsten Tag keine 100 Pro­zent auf dem Platz geben. Das wäre total kon­tra­pro­duktiv. Ich halte es für wichtig, solche Werte in die Belas­tungs­steue­rung mit ein­zu­be­ziehen und ent­spre­chend zu planen. Das kann ein rie­siger Mehr­wert sein.