Herr Lab­badia, wie sind Sie eigent­lich zum Fuß­ball gekommen?

Da war ich noch ganz klein. Weil wir neun Geschwister waren, haben bei uns zu Hause immer jung und alt zusammen gespielt. Das hat natür­lich auch dazu geführt, dass man sich früh­zeitig durch­setzen musste, wenn man nicht auf der Strecke bleiben wollte. Da hieß es: Friss oder stirb.


Und wann gingen Sie zum Verein?

Es gab in der zweiten Klasse eine Leh­rerin, für die ich sehr geschwärmt habe. Die hat dann mal einen Mit­schüler dafür gelobt, dass er Fuß­ball im Verein spielt. In dem Moment habe ich mir gedacht: Da musst du auch hin!

Wo haben Sie sich damals in Ihren Träumen gesehen?

Von irgend­wel­chen Sachen in der Zukunft habe ich nie so richtig geträumt. Es war damals schon so wie heute, dass ich mir gesagt habe: Ich ver­suche das, was ich gerade mache, mit so viel Herz­blut zu machen, dass ich gar nicht an das denken muss, was noch kommt. Als Junge habe ich zum Bei­spiel nie davon geträumt, mal beim FC Bayern zu spielen. Auch als ich schon in der 2. Liga ange­fangen hatte, war das nicht mein Ziel. Ich wollte ein­fach nur gut Fuß­ball spielen und dann sehen, wie es wei­ter­geht.

Als Kind gewannen Sie auch einen Talent­be­werb und durften zum großen Pelé nach Ame­rika reisen.

Da war ich 13 und kam zum ersten Mal mit der großen weiten Welt in Kon­takt. Der Wett­be­werb wurde damals von zwei Firmen in ganz Deutsch­land ver­an­staltet, und erst wurden regional die besten Kinder gesucht. Hier im Raum Darm­stadt war es Fritz Walter, der mich aus über 1000 Kin­dern aus­ge­sucht hat. Er hat uns damals etwas mit­ge­geben, was mich bis heute begleitet: Jungs, nach oben kommen ist schwer – oben bleiben aber noch viel, viel schwerer.“

Wie war Fritz Walter als Mensch?

Ich durfte ihn dann noch per­sön­lich kennen lernen, weil wir nur 500 Meter Luft­linie von­ein­ander ent­fernt gewohnt haben. Das war natür­lich ein Traum. Er hatte eine so lie­bens­wür­dige Art und war stets zu jedem freund­lich.

Wie ging der Wett­be­werb weiter?

Es wurden dann national auch noch einmal die besten Kinder aus­ge­sucht, und ins­ge­samt durften 40 von ihnen nach Ame­rika. Wir haben das Cosmos-Sta­dion besucht und Becken­bauer und Ferenc Puskas getroffen. Danach wurde ich auch in der Region bekannt, in Aus­wahl­mann­schaften berufen, und mir wurde klar: Da willst du hin.“ Vorher habe ich nur gespielt, weil Fuß­ball für mich – wie heute immer noch – das geilste Spiel der Welt ist.

Hatten Sie dann ein kon­kretes Ziel?

Nein. Für mich bestand der Reiz immer darin, egal wo ich spiele oder trai­niere, das Gefühl zu haben, dass es momentan der größte Verein der Welt ist. Des­wegen fühlt es sich in Fürth für mich der­zeit auch so an, als ob ich den FC Bar­ce­lona trai­nieren würde.

Sie wurden als jüngstes von neun Kin­dern geboren und wuchsen in ein­fa­chen Ver­hält­nissen auf. Wie sehr hat Sie das geprägt?

Extrem, denn ich hatte eine super Kind­heit. Wir konnten uns zwar nicht alles leisten, aber damals war es auch noch nicht so schwer, mit weniger Geld aus­zu­kommen. Wir haben ein­fach die Sachen von den Geschwis­tern mit­ge­tragen. Heut­zu­tage wäre so etwas natür­lich viel schwie­riger – bei den ganzen Mar­ken­ar­ti­keln. Ich kann nur sagen, dass es wun­der­schön für mich war, weil wir als Groß­fa­milie viel an der fri­schen Luft waren, und ich beson­ders mit meinen nächsten drei Geschwis­tern ständig unter­wegs war.

Gehörten Sie auch zu den Kin­dern, die auf dem Bolz­platz standen bis es dunkel wurde?

Und noch länger. Es wäre schon gut gewesen, wenn ich etwas früher kapiert hätte, dass die Schule auch ein Thema sein sollte. Das hat leider gedauert.

Wo haben Sie gespielt?

Hin­term Bau­ernhof hatten wir unseren einen eigenen Bolz­platz, den wir mit Freunden und den ganzen Geschwis­tern geschaffen hatten. Ich kann mich noch daran erin­nern, wie wir erst mit Sensen das ganze Gestrüpp weg­ge­hauen und dann gleich mit dem Spielen ange­fangen haben. Da war natür­lich immer was los.

Zurück zum Verein. Hat Sie dort jemand geför­dert?

Es gibt eine Person, Georg Lin­nert, die wie ein Zieh­vater für mich ist. Diesem Mann habe ich sehr viel zu ver­danken, denn er hat mich von der E‑Jugend bis zu den Senioren geführt. Mit ihm trifft sich heute noch die ganze ehe­ma­lige Mann­schaft – zweimal im Jahr mit den kom­pletten Fami­lien. Wir halten ständig Kon­takt, und er ist mitt­ler­weile der Paten­onkel meines Sohnes.

Beziehen Sie sich heute noch in Ihrer Trai­ner­ar­beit auf ihn?

Auf alle Fälle – inso­fern, dass das Fuß­ball­spielen und die Technik auch bei mir große Schwer­punkte sind. Darin hat er mich von Anfang an geprägt. Wir haben zum Bei­spiel damals schon einmal die Woche auf einem Hand­ball­platz trai­niert, weil ihm das Spiel auf engem Raum sehr wichtig war. Heute lasse ich selbst als Trainer auch immer wieder Spiele auf Klein­feld machen, um den Bolz­platz zu simu­lieren.

Wie sehr hat Sie ihre ita­lie­ni­sche Abstam­mung in Ihrer Jugend beein­flusst?

Damals waren die Ita­liener noch fast die ein­zigen Aus­länder. Klar wurde man dann auch mal Spa­ghetti-Fresser genannt. Aber ich habe mich immer als Deut­scher gefühlt, weil ich ja hier geboren wurde. Heute bin ich sehr froh, dass ich beides in mir habe. Einmal dieses Akri­bi­sche, Geord­nete, gut Orga­ni­sierte, und ande­rer­seits auch ein Stück weit das Dolce Vita“, wenn es denn ange­bracht ist. Das möchte ich auch meinen Jungs ver­mit­teln: Auf der einen Seite muss man hart für den Erfolg arbeiten – aber dann auch genießen können. Das ist es, was das Leben aus­macht.

War es für Sie als Gast­ar­bei­ter­kind schwie­riger?

Schwer zu sagen. Wir hatten ja ein­fach nicht die Mög­lich­keiten. Wenn man mit acht Geschwis­tern groß wird, beide Eltern berufs­tätig sind und auch nicht das große Geld ver­dienen, kann man sich gewisse Dinge ein­fach nicht leisten.

Sie haben mit 18 Ihren ersten Pro­fi­ver­trag unter­schrieben. Konnten Sie dadurch auch Ihrer Familie finan­ziell helfen?

Das haben meine Eltern nicht gewollt. Heut­zu­tage ist es so, dass viele Eltern Talent in ihr Kind hin­ein­in­ter­pre­tieren, das gar nicht vor­handen ist und ihre Kinder damit unter Druck setzen.

Und Ihre Eltern?

Die haben sich nie bei mir ein­ge­mischt. Meine Eltern haben sich damals ein Haus gekauft und von ihrem eigenen Geld abbe­zahlt, ohne dass sie von mir jemals einen Pfennig wollten. Wie sie das geschafft haben, bewun­dere ich.

Also sind ihre Eltern auch Vor­bilder für Sie?

Ja, ich habe einen Rie­sen­re­spekt vor ihnen. Sie kamen mit so einer großen Familie in ein fremdes Land, dessen Sprache sie nicht mächtig waren, und haben es dann geschafft, im Laufe der Zeit soviel zu arbeiten und so sparsam zu sein, dass sie sich ein Haus leisten konnten. Das war eine rie­sige Leis­tung.

Haben Sie auch mal davon geträumt, in Ita­lien zu spielen? Even­tuell bei Ihrem Lieb­lings­verein Sam­pdoria Genua?

Ja, ich war mehr­mals nah dran. Bei ver­schie­denen ita­lie­ni­schen Ver­einen war ich immer mal kurz ein Thema. Einer der letzten war der SSC Neapel, aber da war das Risiko zu groß, und einige Sachen stimmten nicht. Damals war ja Ita­lien fuß­bal­le­risch noch das Land, wo jeder hin wollte. Für mich per­sön­lich wäre das auch etwas Beson­deres gewesen, aber ich muss ganz ehr­lich sagen, dass ich auch die Bun­des­liga sehr schätze. Ande­rer­seits ist es natür­lich immer inter­es­sant, auch mal in einem fremden Land zu arbeiten.

Trauern Sie der ver­passten Chance nach?

Nein. Ich bin ein Mensch, der nie etwas nach­trauert, weil ich die Ver­gan­gen­heit nicht mehr ver­än­dern kann. Ich kann nur zwei Sachen beein­flussen: Das Jetzt und das Morgen.

Warum haben Sie sich für die deut­sche Natio­nal­mann­schaft ent­schieden?

Das war damals eine schwie­rige Ent­schei­dung. Es gab noch die Rege­lung, dass in der 2. Liga nur zwei Aus­länder in einer Mann­schaft spielen durften. Wir waren drei Aus­länder, und ich war der jüngste und auch der­je­nige, der in Deutsch­land geboren war. Ich wurde dann gefragt, ob ich Deut­scher werden möchte. Es war für meine Eltern nicht so ein­fach, dass ich mit 18 Jahren Deut­scher wurde. Letzt­end­lich nur, weil ich unbe­dingt in der 2. Liga spielen wollte.

Also eher eine prag­ma­ti­sche Ent­schei­dung?

Damals schon, weil ich ein­fach spielen wollte. Aber ich habe mich immer als Deut­scher gefühlt, genauso wie ich auch meine ita­lie­ni­schen Wur­zeln nicht ver­leugne. Die haben mir in meinem Leben viel mit­ge­geben.

Waren Sie in den Län­der­spielen trotzdem mit dem Herzen dabei?

Also, ich wäre da auch schon vorher zu Fuß hin­ge­laufen. In der Natio­nal­mann­schaft zu spielen, ist immer etwas Beson­deres, und die deut­sche und die ita­lie­ni­sche Natio­nal­mann­schaft sind beide ganz große Mann­schaften.

Und wenn sie auf­ein­ander treffen, wie beim Halb­fi­nale der WM?

Ich weiß, was Sie fragen wollen. Ganz ehr­lich, bei diesem Spiel ver­fahre ich aus­schließ­lich nach dem Motto: Der Bes­sere soll gewinnen.“ Ich war auch beim Halb­fi­nale in Dort­mund, und das war eine ganz komi­sche Sache, als Deutsch­land aus­ge­schieden ist. Irgendwo waren die Ita­liener den Tick stärker, aber in dem Moment habe ich gemerkt, dass die WM für Deutsch­land vorbei ist.

Zu ihrer Kar­riere: Sie haben immer Ihre Tore gemacht. Warum sind Sie trotzdem bei keinem Verein so richtig ange­kommen?

Ich bin ein Mensch, der immer mit dem Herzen dabei sein muss. Und wenn ich etwas mache, mache ich das zu 100 Pro­zent. Wenn ich das Gefühl habe, dass da etwas ist, was mich dazu bewegt, nicht voll dabei zu sein, ziehe ich meine Kon­se­quenzen. Dann kann man sagen: Der ist ein Wan­der­vogel.“ Oder man kann sagen: Der ist auf seine Art kon­se­quent.“ Das war nicht immer der bequemste Weg, aber ich wollte ihn unbe­dingt gehen.

Sie sind der ein­zige Spieler, der über 100 Tore in der ersten und der zweiten Liga erzielt hat. Bedeutet Ihnen dieser Rekord etwas?

Es ist immer schön, wenn man etwas hat, was kein anderer hat. Aber es ist nicht so, dass ich es jeden Tag sehen oder hören muss. Auch des­wegen, weil ich das Gefühl habe, dass meine Kar­riere als Spieler Licht­jahre ent­fernt ist und dass ich schon ewig Trainer bin. Ich bin jetzt so in dem Job drin, dass ich keine Sekunde mehr an meine Zeit als Spieler denke.

Hätten Sie auch manchmal gern die 101 Zweit­li­ga­tore gegen ein paar mehr in der Bun­des­liga ein­ge­tauscht?

Man muss ja immer sehen, dass ich nicht zwi­schen­drin in der 2. Liga gespielt habe, son­dern am Anfang meiner Kar­riere und zum Ende hin. Mit den 17 Toren im zweiten Jahr hätte ich heut­zu­tage sofort in die Bun­des­liga wech­seln können. Damals musste man in der nächsten Saison noch einmal 18 Tore machen, damit man über­haupt ein Angebot bekam. Ganz all­ge­mein habe ich in der 2. Liga einen Rie­sen­spaß gehabt, beson­ders in dem Jahr, in dem ich für Bie­le­feld 28 Tore gemacht habe. Auch damals hatte ich meh­rere Ange­bote aus der 1. Liga. Aber mich hat das in Bie­le­feld ein­fach zu sehr gereizt.

Sind Sie damals auf den mar­kanten Pis­to­lero-Jubler gekommen?

Nein, das war früher und eigent­lich auch nur Zufall. Ein Spieler eines geg­ne­ri­schen Ver­eins hatte mich mal vor einem Spiel gereizt, und nachdem ich dann ein Tor geschossen hatte, wollte ich ihm zeigen, wie scharf ich schießen kann. Ohne, dass ich mir Gedanken dar­über gemacht hätte – es kam wie aus der Pis­tole geschossen (lacht).

Zurück zur 2. Liga: Fürth spielt seit über 10 Jahren dort und ist mitt­ler­weile der dienst­äl­teste“ Zweit­li­gist. Würden Sie gern ein zweites For­tuna Köln werden?

Der Verein macht seit Jahren eine unglaub­liche Arbeit unter sehr schwie­rigen Bedin­gungen. In der heu­tigen Zeit wird die Kluft zwi­schen den Ver­einen ja immer größer. Man muss sehen, unter wel­chen Vor­aus­set­zungen wir in die Saison gestartet sind: Wir haben 15 Spieler ver­loren und 13 neue Spieler geholt. Wir haben mitt­ler­weile zusammen mit Kai­sers­lau­tern die jüngste Mann­schaft. Wir haben den zweit­nied­rigsten Etat der Liga. Diese Dinge sind mitt­ler­weile Nor­ma­lität in Fürth – aber es ist eigent­lich nicht normal.

Dient Ihnen die For­tuna in der Hin­sicht auch als war­nendes Bei­spiel? Nachdem sie zu ehr­geizig geworden war, folgten die Insol­venz und der Absturz in die Ver­bands­liga.

Dafür ist unser Prä­si­dent Helmut Hack zu stra­te­gisch und zu weit­sichtig. So wie ich ihn jetzt kennen gelernt habe, wird er den Verein immer so führen, dass er auf guten Füßen steht. Wir sind da das Bremen der 2. Liga: Werder hatte früher auch nicht die glei­chen Mittel und die gleiche Infra­struktur wie andere grö­ßere Ver­eine und hat trotzdem immer super gewirt­schaftet, sodass sie heute eine Spit­zen­mann­schaft haben. Genauso müssen auch wir in Fürth arbeiten.

Fürth ist in den letzten Jahren regel­mäßig am Auf­stieg geschei­tert. Macht es wirk­lich einen Unter­schied, ob man in der 2. Liga fünf Mal fünfter wird oder fünf Mal knapp den Abstieg ver­hin­dert?

Das kommt auf die eigene Wer­tung an, und das habe ich auch so unseren Fans gesagt. Man kann ent­täuscht sein, wenn es nicht klappt – aber eines darf man nie: In dem Moment schlecht über den Verein denken. Denn diese Leis­tung, die der Verein in den letzten Jahren voll­bracht hat, ist unglaub­lich. Ein pas­sender Ver­gleich dazu: Es hat jemand eine Mil­lion Euro um ein Haus zu bauen, und ein anderer hat nur 250 000 Euro zur Ver­fü­gung, soll aber genau das gleiche Haus mit der glei­chen Qua­lität bauen – das ist doch nicht gerecht. So ist es zwi­schen uns und Ver­einen wie Köln, Glad­bach oder Aachen.

Ihr Kol­lege Ede Becker hat kürz­lich bei uns im Inter­view gesagt, dass er in der Bun­des­liga mit seinem Karls­ruher Mofa den Formel-1-Boliden der Bayern jage. Womit fahren Sie in der 2. Liga?

Mit einem ganz kleinen Mofa, diese Solex, wie es sie früher noch gab. Also nicht so auf­ge­motzt und hoch­ge­tuned wie die heu­tigen. Aber das ist ver­gleichbar mit dem erwähnten Haus: Es heißt nicht, dass der­je­nige mit der Mil­lion Euro ein schö­neres Haus baut. Mit Krea­ti­vität und viel Ärmel­hoch­krem­peln kann man manchmal auch etwas reißen, und das ver­su­chen wir in Fürth.

Als Spieler waren Sie ein Wan­der­vogel. Jetzt als Trainer wollen Sie doch sicher­lich etwas länger bei einem Verein bleiben.

Das hängt davon ab, ob ich meine Visionen ver­wirk­li­chen kann. Darum bin ich auch Trainer geworden: Um meine Phi­lo­so­phie durch­setzen zu können. In Darm­stadt hätte ich schon nach dem zweiten Jahr in die Bun­des­liga gehen können, aber ich bin nicht gewech­selt, weil ich dort etwas zu Ende bringen wollte. So etwas ent­scheide ich immer punk­tuell, und da inter­es­siert mich auch nicht, was andere Leute denken.

Nach ihrer langen Spie­ler­kar­riere wurden Sie sofort Trainer bei Darm­stadt. Wollten Sie da nicht erstmal eine Aus­zeit ein­legen?

Das war der ursprüng­liche Plan, auch um erst einmal Abstand zu gewinnen. Aber Darm­stadt war mein Hei­mat­verein, und ich hatte immer gesagt, dass ich dem Verein helfen werde, sollte es ihm mal schlecht gehen. Und dem Verein ging es sehr schlecht, nachdem er in die Ober­liga abge­stiegen war.

Darm­stadt war Ihr erster Verein als Spieler und als Trainer. So etwas wie Ihre große Liebe?

Ich habe einen ganz beson­deren Bezug zu dem Verein, und das war auch der Grund für mein Ver­spre­chen zu helfen, wenn es nötig sein sollte. Auch heute schaue ich noch an jedem Wochen­ende nach, wie Darm­stadt gespielt hat.

Mit wie viel Wehmut ver­ließen Sie dann die Lilien”?

Ich musste ja schon im Jahr davor lange über­legen, ob ich dort wei­ter­mache. Es war dann ein­fach die Zeit gekommen.

Ihr Für­ther Vor­gänger Benno Möhl­mann meinte, dass das Gesamt­paket des Ver­eins nicht auf­stiegs­reif sei.

Die Aus­sage von Benno Möhl­mann ist aus dem Zusam­men­hang gerissen. Tat­säch­lich wirkt es gegen­über anderen Ver­einen erst einmal sehr schwierig. Aber was ist schon unmög­lich? Es ist doch immer reiz­voll, etwas zu schaffen, was unter nor­malen Umständen nicht für mög­lich gehalten wird.

Arbeiten Sie lieber bei klei­neren Ver­einen mit nied­ri­geren Etats, weil dort der Druck nicht so hoch ist?

Nein. Es muss immer das Ziel sein, bei den besten Ver­einen zu arbeiten. Ich habe zum Bei­spiel damals gesagt, dass ich zum FC Bayern gehe, weil ich gerne Druck habe. Ich mache mir auch selbst den größten Druck.

Sie begrün­deten ihre Ent­schei­dung für Fürth als
Bauch­ent­schei­dung.

Das hat mit dem Prä­si­denten zu tun. Er hat auch in der Zeit, in der schon Bun­des­li­gisten an mir dran waren, nie auf­ge­geben und immer gesagt, dass er mich unbe­dingt will. Mein Bauch hat mir geraten, dass ich hier am Besten meine Phi­lo­so­phie umsetzen kann.

Inwie­fern ent­spricht ihr Kon­zept als Trainer Ihrer eigenen frü­heren Spiel­weise?

Zu hun­dert Pro­zent. Ich möchte, dass meine Mann­schaft attraktiv und offensiv spielt. Man soll merken, dass das Team einen Plan hat. Wir reagieren nicht auf den Gegner, son­dern wir agieren, das ist mir wichtig. Nur Schön­spielen aller­dings geht nicht. Das Ergebnis ist natür­lich wichtig. Und das wollen wir am besten mit unserer Spiel­weise errei­chen.

Als Spieler waren Sie sehr emo­tional. Müssen Sie sich als Trainer nun mehr zurück­halten?

Ja, das ist schon ein Stück weit anders. Wäh­rend der Spiele bin ich jetzt ruhiger, weil ich mich voll auf die Mann­schaft kon­zen­trieren und den Über­blick bewahren muss. Zwi­schen dem Dasein als Trainer und als Spieler besteht ein großer Unter­schied.

Werden Sie des­wegen von den Spie­lern in Fürth gesiezt?

Nein, ich bin nur kein Freund von Duzerei. Das ist ein­fach eine Eigenart von mir und hat nichts mit Auto­rität-Aus­strahlen zu tun. Ich will den Spie­lern auch nahe sein, sie können bei Pro­blemen zu mir kommen, aber eine gewisse Distanz zwi­schen Trainer und Spie­lern ist sehr wichtig.

Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie bisher erreicht haben?

Man kann natür­lich immer mehr errei­chen. Aber ich bin glück­lich, mit dem, was ich habe. Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen – und was will man mehr?

Wo sehen Sie sich am Ende Ihrer Trai­ner­kar­riere?

Es ist ja viel zu schade, mir jetzt zu über­legen, wo ich mal am Ende der Kar­riere stehen werde. Nein, es ist viel span­nender, jetzt gerade wieder von neuem das mit­zu­ma­chen, was ich auch schon als Spieler mit­ge­macht habe. Ich könnte mir nie vor­stellen zu sagen: Ich habe als Spieler auf­ge­hört – jetzt sind meine Höhe­punkte vorbei.“ Mein großes Ziel als Trainer ist nun, dass eine Mann­schaft auf Dauer meine Phi­lo­so­phie umsetzt und wir damit Erfolg haben.

Eine letzte Frage: Wie ste­ri­li­siert man etwas hoch?

Das war ja klar (lacht). Ich weiß gar nicht, wie viele Inter­views ich gegeben habe, wohl Tau­sende, und das (Anm.: ein frü­heres Zitat Lab­ba­dias: Das wird doch alles von den Medien hoch­ste­ri­li­siert”) bleibt als Ein­ziges hängen. Vor kurzem kam erst meine Tochter, die davon noch gar nichts gehört hatte, zu mir und hat sich halb krank­ge­lacht. Aber so etwas muss man ein­fach mit Humor nehmen. Ich war auch einmal bei Harald Schmidt ein­ge­laden und hatte mir schon über­legt, im Arzt­kittel zu erscheinen. Leider hat es dann doch nicht mit dem Besuch bei ihm geklappt. War wohl besser so.