Seite 3: Warum erlaubt die Liga Stehplätze in Brentford?

Und die Stim­mung? Die ist trotz der Steh­plätze nicht viel besser als zum Bei­spiel bei Fulham oder bei den Queens Park Ran­gers. Aller­dings ist das Spiel an diesem Tag über weite Stre­cken auch nicht gerade Anlass für Euphorie. Zwi­schen­zeit­lich hört man vor allem das Kra­keelen von ein paar Rotz­löf­feln, die die geg­ne­ri­schen Ersatz­spieler beim Warm­laufen anpö­beln.

Gele­gent­lich singen die Fans auf der Ealing Road Ter­race, aber meist nur einige wenige, und ihre Gesänge ver­lieren sich bald wieder im Gemurmel der anderen. Der kol­lek­tive Rausch, den man in Deutsch­land mit Steh­plätzen ver­bindet, will sich nicht so recht ein­stellen.

Warum erlaubt die Liga Steh­plätze in Brent­ford?

Laut wird es erst, als Brent­ford nach einer Stunde vor den Fans auf der Ealing Road Ter­race das Tor zum 1:1 erzielt. Danach gibt die Mann­schaft der Gast­geber Gas, und deut­lich mehr Fans als vorher steigen in die Gesänge mit ein – sie spüren, dass hier mehr drin sein könnte. Ein älterer Mann benutzt die Wer­be­bande am Spiel­feld­rand als Trommel. Es hilft nichts. Das Spiel endet schließ­lich unent­schieden.

Warum also erlaubt es die Foot­ball League, dass der Brent­ford FC in der zweiten Liga seine Steh­plätze auch über die drei­jäh­rige Tole­ranz­phase hinaus behalten hat? Der Grund dafür liegt etwa einen Kilo­meter weiter öst­lich: In dem Dreieck zwi­schen der Auto­bahn M4, einem Gewer­be­ge­biet und der Lionel Road beginnen in diesen Wochen die Bau­ar­beiten an einem neuen, modernen Sta­dion. Um den Verein finan­ziell nicht zu über­for­dern, hat die Liga ent­schieden, für Brent­ford eine Aus­nahme zu machen.

Wohn­ge­mein­schaft mit einem Rugby-Team

In der neuen Arena wird nicht nur Brent­ford seine Heim­spiele aus­tragen, son­dern auch der Rugby-Klub London Irish. Spä­tes­tens im Früh­jahr 2020 soll sie bezugs­fertig sein, wenn mög­lich schon früher. Auf einer eigens ein­ge­rich­teten Inter­net­seite prangt vor einem schi­cken Design des neuen Sta­dions der Slogan: Eine neue Ära“.

Steh­plätze wird es dort frei­lich nicht mehr geben. Die aktu­elle Pla­nung sieht 17.250 Sitz­plätze vor. Zwar hat der Verein ange­kün­digt, er sei an der Ein­füh­rung einer Safe Standing“-Zone inter­es­siert, wie es sie zum Bei­spiel beim Celtic FC in Schott­land gibt. Aber dazu müsste zunächst die Gesetz­ge­bung für Eng­land und Wales ent­spre­chend ange­passt werden. Dass es dazu kommen wird, ist eher wahr­schein­lich. Nur wann, das weiß keiner so recht.

Ein Spa­zier­gang um den Griffin Park kostet 20 Pfund und dauert zwei Stunden. Und zusammen mit einem Besuch auf der Ealing Road Stan­ding Ter­race ergibt er ein Fuß­ball-Erlebnis, das es so schon bald nicht mehr geben wird.