Seite 2: Der ungesunde Fußball

Und es kamen die Pro­bleme. Schon 2013 ver­öf­fent­lichte die Spie­ler­ge­werk­schaft FIFPro ein Schreiben, in dem sie Fuß­ball­profis vor einem Wechsel nach Zypern, weil die Ver­eine oft zah­lungs­un­fähig seien. In jener Zeit wurde die Geschichte des Cesar Alberto Castro Perez publik. Der Vene­zo­laner, der bis 2012 für Olym­piakos Nikosia spielte, war an seiner Haustür von zwei mus­kel­be­packten Män­nern dazu gedrängt worden, seine eigene Ver­trags­auf­lö­sung zu unter­schreiben.

Ein anderer Spieler von Limassol erzählte dar­aufhin, ihm sei Ähn­li­ches wider­fahren. Auch ihn hätten zwei Männer gedroht, ihm Drogen ins Auto zu legen und die Polizei zu rufen, sollte er nicht von seinen Gehalts­for­de­rungen Abstand nehmen und seinen eigenen Ver­trag annul­lieren.

Ich kann nicht sagen, dass der zypri­sche Fuß­ball sehr gesund ist“
 
Der zypri­sche Fuß­ball steckte tief im Schlam­m­assel. Ein Jahr später erschien eine Erhe­bung, nach der mehr als die Hälfte der Liga­spiele in Zypern in 2014 Anzei­chen der Mani­pu­la­tion auf­wiesen. Die Folge waren Pro­teste der Fans und meh­rere Bom­ben­an­schläge auf Gebäude, vor­nehm­lich auf Arbeits­plätze von Schieds­rich­tern, die der Mani­pu­la­tion ver­däch­tigt wurden. Pro­dromos Petrides, Geschäfts­führer des Klubs APOEL, sagte im April 2015 in einem Inter­view mit der New York Times“: Ich kann nicht sagen, dass der zypri­sche Fuß­ball sehr gesund ist.“
 
Nun aber ist all das zumin­dest für ein paar Tage ver­gessen. Der zypri­sche Fuß­ball befindet sich seit dem ver­gan­genen Wochen­ende im kol­lek­tiven Freu­den­taumel. Zypern gewann da 2:1 in Israel. Wer nun denkt, dass die Zyprer 90 Minuten in der eigenen Hälfte standen und durch zwei Eigen­tore gewannen, der irrt gewaltig. In Jeru­salem schossen Dossa Junior und Jason Dimi­triou die Tore nach feinen Kom­bi­na­tionen.
 
Vor allem Dimi­triou drosch den Ball mit so einer Wucht in die Maschen, als wolle er die schmut­zigen Erzäh­lungen mit einem Pflock für immer in den Boden rammen.


 
Nichts ist vorbei, wir müssen nun gegen Bos­nien gewinnen“, sagte er danach. Rainer Rauffmann hat sich bis­lang noch nicht gemeldet, es könnte aber durchaus sein, dass Zypern heute Abend einen neuen Fuß­ball­gott hat.