Seite 2: Stumme Praktikanten

Natür­lich dürfen bei einer tollen Pokal­runde aber auch solche Spiele nicht fehlen, in denen am Ende doch der Underdog tri­um­phiert. Zwei beson­ders schöne Bei­spiele dafür gab es in Verl und Saa­b­rü­cken. In beiden Par­tien setzte sich der Viert­li­gist auf dra­ma­ti­sche Art durch, einmal mit dem 18. Elf­meter des Abends, einmal mit einem Siegtor in letzter Minute nach zuvor ver­schenkter Zwei-Tore-Füh­rung. Ach ja, der Trainer der Saar­brü­cker, die den Bun­des­li­gisten Köln düpierten, ist aus­ge­rechnet Dirk Lottner. 

Schon 2.749 Zei­chen Text – und noch kein Wort über die beiden Spiele, die am meisten in Erin­ne­rung bleiben werden. Eines davon, in Berlin, sahen mehr als 70.000 Men­schen, die am Ende stumm in die Nacht stol­perten, weil sie beim Spiel ihre Stimme gelassen hatten. (Das ist keine Ver­mu­tung, son­dern basiert auf empi­ri­schen Befunden. Zwei Redak­teure und fünf Prak­ti­kanten waren im Sta­dion. Die Mor­gen­sit­zung geriet sehr ruhig.) Ein Aus­gleichstor fiel in der 90. Minute, und zwar für den Gast­verein, der mehr Fans mit­ge­bracht hatte, als sein eigenes, wirk­lich nicht kleines Sta­dion fassen kann. Der andere Aus­gleich fiel in der 123. Minute. Mehr muss man nicht sagen.

Erst Depp, dann Held

Außer viel­leicht dies: So bekloppt das Spiel zwi­schen Hertha und Dresden auch war, es reicht nicht wirk­lich an das grie­chi­sche Drama heran, das mal wieder am Bet­zen­berg auf­ge­führt wurde. Das große Tra­di­ti­ons­duell zwi­schen Kai­sers­lau­tern und Nürn­berg wollten mehr als 21.000 Leute sehen, obwohl der FCK gerade sport­lich dem Abgrund ent­ge­gen­tau­melt, admi­nis­trativ im Chaos ver­sinkt und finan­ziell böse schlin­gert. Da schien es ins Bild zu passen, dass den dritt­klas­sigen Lau­te­rern nur eine Minute zum Sieg gegen den Zweit­li­gisten fehlte, als ihr junger Tor­wart Lennart Grill den Ball auf den Boden legte … und nicht bemerkte, dass hinter ihm ein Gegen­spieler genau darauf lau­erte.

Aber eben dieser Tor­wart wurde später im Elf­me­ter­schießen dann doch noch zum Helden. Dabei half ihm aller­dings, dass beim Gegner der linke Ver­tei­diger zwi­schen den Pfosten stand. Kurz vor dem Ende der Ver­län­ge­rung ver­letzte sich Nürn­bergs Schluss­mann, und weil die Franken nicht mehr wech­seln konnten, streifte sich Enrico Valen­tini die Hand­schuhe über. Der selbst eigent­lich nicht mehr auf dem Platz sein durfte, weil er nach einer Not­bremse in der 109. Minute Gelb-Rot hätte sehen müssen. 

Kann der Leser noch folgen? Falls nicht, dann hat er genug Zeit, das Ganze noch mal in Ruhe nach­zu­lesen. Das Ach­tel­fi­nale steigt erst Anfang Februar. Wie gesagt, schade.