Anders als der fran­zö­si­sche Klub AS Saint-Éti­enne, der sein Schei­tern im Euro­pa­po­kal­fi­nale 1976 gegen den FC Bayern bis heute gerne mit den eckigen Tor­pfosten begründet, hat sich Rob Ren­sen­brink nie beklagt. Dabei hätte er allen Grund dazu gehabt, schließ­lich raubte ihm ein sol­ches Requisit in drei­fa­cher Hin­sicht die Chance auf Unsterb­lich­keit: als Welt­meister, Schütze des Sieg­tref­fers im End­spiel und bester Tor­jäger der WM 1978. Doch der lange Schlag von Ruud Krol, den Ren­sen­brink beim Stand von 1:1 in der Nach­spiel­zeit erlief und aus spitzem Winkel an Argen­ti­niens Keeper Ubaldo Fillol vor­bei­brachte, rutschte eben nicht ins Tor, son­dern prallte vom eckigen Pfosten zurück. Es wäre Ren­sen­brinks sechstes Tur­niertor gewesen, statt­dessen gelang eben dieses in der Ver­län­ge­rung Mario Kempes (und Daniel Ber­toni ein wei­teres). End­stand 3:1 für den Gast­geber, aus der Traum für Hol­land.

Zwei WM-Finals, kein Welt­meister

Viel­leicht aber kann man die Sache auch aus einer anderen Per­spek­tive betrachten. Dass Pieter Robert Ren­sen­brink in gleich zwei Welt­meis­ter­schafts­end­spielen mit­spielen würde, war näm­lich in seinen frühen Pro­fi­jahren nicht abzu­sehen. Geboren in Ams­terdam, rutschte er als eines der wenigen lokalen Talente durchs eng­ma­schige Scou­ting­netz von Ajax, spielte statt­dessen zuerst beim Nach­bar­klub DWS Ams­terdam und ab 1969 in Bel­gien. Auch in der nie­der­län­di­schen Natio­nalelf hatte der Links­außen anfangs einen schweren Stand und musste meist hinter Johan Cruyffs kon­ge­nialem Ajax-Partner Piet Keizer zurück­stehen.

Das änderte sich wäh­rend der WM 1974 in Deutsch­land, bei der Ren­sen­brink als wen­diger und drib­bel­starker Flü­gel­spieler für Auf­sehen sorgte. Dass er im Finale gegen die BRD zur Pause ange­schlagen den Platz ver­ließ, dient in den Nie­der­landen noch heute als ein Grund für die unglück­liche 1:2‑Niederlage. Spä­tes­tens nach Cruyffs Rück­tritt 1977 war Ren­sen­brink die prä­gende Figur des hol­län­di­schen Offen­siv­spiels, das ohne den exzen­tri­schen Maestro kaum weniger gefähr­lich, wenn nicht sogar etwas aus­ba­lan­cierter wirkte. Und tat­säch­lich hätte Kron­prinz Rob ein für alle Mal aus dem Schatten des großen Cruyff treten können, wäre nicht dieser ver­ma­le­deite Pfosten in Buenos Aires im Weg gewesen.

Erfolge mit Ander­lecht

Das heißt aber nicht, dass Rob Ren­sen­brink seine Kar­riere ohne sport­liche Meriten beenden musste, mit dem RSC Ander­lecht gewann er alleine zweimal den Euro­pa­pokal der Pokal­sieger und meh­rere natio­nale Titel. Es ent­behrt nicht einer bit­teren Ironie, dass dieser tolle Fuß­baller, der als Aktiver wegen seiner Kör­per­be­herr­schung Schlan­gen­mensch“ genannt wurde, am Ende des Lebens unter einer dege­ne­ra­tiven Mus­kel­er­kran­kung litt. An deren Folgen er heute vor einem Jahr gestorben ist.