Cristiano Ronaldos Ankunft in Turin

In die vorderste Riege der globalen Topklubs katapultiert

Wie ernst es Andrea Agnelli mit seinen Plänen meint, die Königsklasse zu gewinnen, zeigt nicht allein die Verpflichtung von Ronaldo. Auch die Rückholaktion von Leo Bonucci von Milan, der Wechsel von Douglas Costa aus München und die Verpflichtung des Verteidigers Joao Cancelo haben Juventus in diesem Sommer eine negative Transferbilanz von 157 Millionen Euro beschert.

Doch der Kader, zu dem auch Emre Can als Backup-Lösung für den alternden Sami Khedira gehört, hat nun zweifelsohne das Format, die Königsklasse zu gewinnen. Ronaldo als Veredler und Trumpfkarte des Spiels ergibt so auch fußballerisch Sinn. Vieles spricht dafür, dass ihm Coach Allegri nach der Anfangseuphorie ab Winter in der Liga öfter Auszeiten geben wird, damit er volle Durchschlagskraft in der Champions League entfaltet.

In die vorderste Riege der globalen Topklubs katapultiert

Und sollte es mittelfristig tatsächlich mit der ersehnten Trophäe klappen, hätte es bei dieser spektakulären Transaktion nur Gewinner gegeben: Real Madrid, das durch Ronaldos Weggang ohne Gesichtsverlust den Generationswechsel einleiten kann – und mit ihm viel Geld verdient und am Ende auch gespart hat. Juventus, das sich nicht nur den ersehnten Titel verschafft, sondern sich auf einen Schlag zurück in die vorderste Riege der globalen Topklubs katapultiert. Die Serie A, die nach tristen Jahren deutlich an Strahlkraft gewinnt. Und last, but not least Cristiano Ronaldo, der endgültig in den Rang des größten Klubfußballers aller Zeiten aufsteigt.

Nicht zuletzt, weil er anders als sein Widersacher Messi am Ende der Laufbahn gleich bei drei Spitzenvereinen seine gewaltigen Fußspuren hinterlassen hat. Zurück am Tor des »J Village«. Es ist inzwischen 13.30 Uhr und rund 100 Fans warten darauf, dass die Spieler nach Hause fahren. An den Wellenbrechern links und rechts auf dem Bürgersteig wird gedrängelt. Nun kommt Bewegung in die Angelegenheit. Immerzu geht das Rolltor auf und zu.

Wie erwartet - ein Phantom

Das Problem: Bis auf Douglas Costa, der offenbar noch sein Münchner Dienstauto fährt, einen Audi, lenken sämtliche Juve-Akteure denselben Fahrzeugtypen: einen Jeep SUV mit getönten Scheiben, wahlweise in Schwarz oder Weiß. Einige Kinder laufen den herausfahrenden Autos nach, um die Spieler vorn an der roten Ampel abzufangen. Doch inzwischen regelt dort ein Polizist den Verkehr und sorgt für freies Geleit. Nach einer halben Stunde sind fast alle großen Stars schon gefahren und unter der Fans macht sich Unmut breit.

Kann es angehen, dass sie stundenlang gewartet haben, nur um einer Flotte von Geländefahrzeugen beim Wegfahren zuzuschauen? Da tritt Leonardo Bonucci aus dem Tor und beginnt vorn am Wellenbrecher, umringt von drei Sicherheitsleuten, Autogramme zu schreiben. Wie ein Mückenschwarm preschen nun alle in seine Richtung. Kinder juchzen. Mütter rufen: »Leo! Leo!« Und die schmerbäuchigen Herren mit den Handtäschchen schießen wortlos Selfies und lassen sich im wabernden Pulk treiben.

Just in diesem Moment öffnet sich erneut das Tor. Ein schwarzer SUV fährt zügig auf die Straße. Am Steuer: ein frischgeduschter Cristiano Ronaldo mit Sonnenbrille, strubbeliger Gelfrisur und Diamantohrring. Ehe die Leute begriffen haben, was passiert, ist er schon rechts in Richtung Innenstadt abgebogen. Der Igel, erprobt im Wettlauf mit dem Hasen, gewinnt einmal mehr das Rennen. Das Phantom, so wie sie es auf dem Rasen von ihm erwarten: lautlos, blitzschnell und gnadenlos effektiv.