Cristiano Ronaldos Ankunft in Turin

Wie bei einer religiösen Prozession

Oberhalb der Kirche Gran Madre Di Dio, wenn man der schmalen Straße in die Hügel Turins folgt, hat Ronaldo an einem Privatweg zwei Villen mit acht Bädern bezogen. Als bekannt wurde, dass der Superstar dort einziehen würde, befürchtete die bekannte TV-Komikerin Luciana Littizzetto, die ebenfalls hier im Reichenvorort lebt, eine Invasion von Fans und Trubel in den beschaulichen Straßen. Doch kaum war Ronaldo angekommen, teilte ihr Lebensgefährte, der Musiker Davide Graziano, eilends mit, der neue Nachbar stelle überhaupt kein Problem für die Anwohner dar.

An diesem Mittwochnachmittag warten fünf Tifosi an der Ecke, wo die private Serpentinenstraße abzweigt und hinauf zu Ronaldos luxuriösem Anwesen führt. Sie stehen dort erst wenige Minuten, als ein freundlicher Wachmann von oben den Weg herunterkommt und sanft bittet, sich zu zerstreuen. Lokale Hoteliers schätzen, dass im August 2018 etwa zehn Prozent mehr Gäste nach Turin gekommen sind, um die neue Heimat des Fußballidols zu erkunden.

Wie bei einer religiösen Prozession

Auch Aurelio De Laurentiis, Boss des SSC Neapel, soll sich um die Dienste des Portugiesen bemüht haben. Der Wechsel scheiterte schon früh am Geld. Aber auch sonst hätte sich für den Popstar ein Wechsel nach Kampanien nicht empfohlen. Die Leidenschaft der Süditaliener kennt keine Grenzen. Schon Diego Maradona musste 1984 leidvoll erfahren, dass ihm in Napoli keine ruhige Minute blieb. Dort begann sein schleichender Weg in den Wahnsinn. Dass Ronaldo im nordisch unterkühlten Turin im Rahmen seiner Möglichkeiten ein entspanntes Leben führt, beweist die Tatsache, dass er seit seiner Ankunft öfter in der rustikalen Altstadtpizzeria Gusto Madre in der Via Mazzini gesichtet wurde. Offenbar besitzt er ein gutes Gespür, wie nahbar ein Phantom wie er trotz aller Superlative und überhitzter Schlagzeilen, die ihn täglich begleiten, im Piemont sein muss.

Die tiefe Verehrung ist dennoch allgegenwärtig. Soeben erhöhte Juve auf Bitten seines Stars die Anzahl seiner Bodyguards. Besuch einer Führung durchs Juve-Stadion. Als die Teilnehmergruppe in die gelackte Kabine der Profis geführt wird, tritt andächtige Stille ein. Vor dem Spind, an dem der Name »Ronaldo« auf einem kleinen, silbernen Schild steht, liegt ein schwarzes Ledersitzkissen. Im Vorbeigehen berühren die Besucher wie bei einer religiösen Prozession mit ihren Händen vorsichtig die Sitzfläche.

Flaute zu Beginn

Die Erwartungen an ihn sind grenzenlos. Sogar Lionel Messi glaubt, dass der Wechsel seines Dauerrivalen, das Kräfteverhältnis im europäischen Fußball verändern wird: »Es ist offensichtlich, dass Real nun nicht mehr so stark ist – und Juventus gehört ganz klar zu den Favoriten.« In den ersten drei Ligaspielen – die Juve allesamt gewann – gelang Cristiano Ronaldo noch kein Treffer. Coach Allegri schiebt die Flaute auf die Tatsache, dass in Italien traditionell mehr auf die Defensive geachtet wird.

Doch in den Partien wurde auch deutlich, dass das Turiner Spiel keine One-Ronaldo-Show mehr sein wird wie in Madrid. Allegri variiert zwischen einem 4-2-3-1, bei dem der Portugiese mit dem jungen Argentinier Paulo Dybala von der Sturmspitze auf die hängende Position rotiert, und einem 4-3-3, bei dem Ronaldo in der Sturmreihe neben Federico Bernadeschi und Mario Mandzukic über Linksaußen kommt. Oder er bildet gemeinsam mit dem von Allegri hochgeschätzten Kroaten eine Doppelspitze, die von Dybala mit Bällen gefüttert wird.