Die Coppa Italia ist zwar der zweit­wich­tigste Titel im ita­lie­ni­schen Ver­eins­fuß­ball, doch der Wett­be­werb zieht trotzdem nicht beson­ders viele Zuschauer*innen an. In den letzten fünf Jahren, in denen Sta­di­on­be­suche gestattet waren, lag die Aus­las­tung der Sta­dien zu Par­tien der Coppa Italia bei 24 bis 25 Pro­zent. Zum Ver­gleich: Im FA-Cup sind es um die 50 Pro­zent, im DFB-Pokal waren es im glei­chen Zeit­raum jedes Jahr min­des­tens 90 Pro­zent. Letz­teres dürfte vor allen an den Besu­cher­an­stürmen bei kleinen Ver­einen liegen, die gegen die ganz Großen ran dürfen. Borussia Mön­chen­glad­bach zu Besuch beim BSC Has­tedt aus der Bre­men­liga. Der 1. FC Köln zu Gast beim BFC Preussen aus der Berlin-Liga. Hertha BSC beim VfB Eich­stätt.

Kein David gegen Goliath mehr

Die aller­letzte Hoff­nung auf Besuche dieser Art in Ita­lien machte der dor­tige Fuß­ball­ver­band FIGC unter der Woche zunichte. Mit der neusten Reform der Coppa treten ab nächster Saison nur noch die jeweils zwanzig Teams der Serie A und Serie B an – Ver­eine der Serie C und D sind dann vom Wett­be­werb aus­ge­schlossen. Schon der bis­he­rige Modus, der seit der Spiel­zeit 2008/09 galt, hatte die Mög­lich­keit von Spielen mit David-gegen-Goliath-Charme mini­miert. Die besten acht Ver­eine der Serie A stiegen erst im Ach­tel­fi­nale, nach vier bereits gespielten Runden ein. In dieser Saison waren da ohnehin schon keine Klubs aus den unteren Ligen mehr ver­treten – sie waren in den vor­he­rigen Runden gegen die schritt­weise ein­ge­stie­genen Teams aus der zweiten Liga und die zwölf schwä­cheren“ Erst­li­gisten raus­ge­flogen. Ab der nächsten Saison sollen sie nun gar nicht mehr in der Coppa Italia zuge­lassen sein.

Die FIGC voll­zieht diese Umstruk­tu­rie­rung des Wett­be­werbs, um das Tur­nier auf­zu­werten und sofort Her­aus­for­de­rungen zu schaffen, die für das Fern­sehen attraktiv sind“. Ob dieser Ver­such tat­säch­lich zu mehr Zuschauer*innen führt? Dass Fans den jewei­ligen natio­nalen Pokal­wett­be­werb des­halb nicht ver­folgen, weil Ver­eine außer­halb der Top­ligen teil­nehmen, ist jeden­falls eine aben­teu­er­liche Annahme. Das zeigen die Zuschau­er­zahlen aus den ver­gan­genen Jahren des FA-Cups und des DFB-Pokals.

Der Ver­gleich zur Super League liegt nah

Statt 78 teil­neh­menden Teams sind es ab dem 15. August diesen Jahres nur noch vierzig in der Coppa Italia. Ver­schlankter Wett­be­werb, Aus­schluss klei­nerer Teams, mehr Attrak­ti­vität für das Fern­sehen – der Ver­gleich mit den Plänen zur Super League liegt nahe. Und ähn­lich wird diese Reform auch auf­ge­fasst. Als Aus­druck einer eli­tären Vor­stel­lung von Fuß­ball“ bezeichnet sie der Serie-C-Prä­si­dent Fran­cesco Ghi­relli. Er hat für Montag eine Not­fall­sit­zung der Liga ein­be­rufen. Inno­va­tion sei richtig, müsse aber den Zusam­men­halt des Fuß­ball­sys­tems wahren. Der FC Venedig, selbst in der Serie B, nannte die Ver­än­de­rungen unfassbar unsen­sibel“. Der Zeit­punkt, knapp zwei­ein­halb Wochen nach der Ankün­di­gung der Super League, den darauf fol­genden und immer noch anhal­tenden Fan­pro­testen, ist denkbar ungünstig.