Max Meis, Sie haben poli­ti­sche Filme über kana­di­sche Indianer in Win­nipeg oder in Kap­stadt zum Thema Apart­heid gemacht. Nun wollen Sie die Geschichte einer Wilden Fuß­ball-Liga erzählen. Keine Lust mehr auf schwere Themen? 
Zunächst mal reizt mich das Thema aus pri­vaten Gründen, denn ich bin selbst lei­den­schaft­li­cher Fuß­baller und sport­lich in der Wilden Liga Bie­le­feld groß geworden. Außerdem wird auch dieser Film ein poli­ti­sches State­ment haben.
 
Inwie­fern?
Ich will ein Zei­chen setzen für einen Spiel­be­trieb, der sich Tole­ranz und Respekt auf die Fahnen geschrieben hat.
 
Das sagen auch andere Bunte Ligen von sich. Was ist das Beson­dere an der Wilden Liga Bie­le­feld?
Der Liga­be­trieb besteht seit mehr als 40 Jahren. Somit ist die Wilde Liga Bie­le­feld nicht nur eine der größten, son­dern wohl die älteste alter­na­tive Fuß­ball-Liga Deutsch­lands. Zudem defi­niert sie sich seit jeher als mul­ti­kul­tu­rell und anti­se­xis­tisch. Hier kann jeder Mensch Fuß­ball spielen – unab­hängig von Geschlecht oder Her­kunft. Bestes Bei­spiel ist ein Team min­der­jäh­riger Flücht­linge, die alleine und ohne Pass nach Deutsch­land kamen und daher nicht am Spiel­be­trieb des DFB teil­nehmen können. Bei uns spielen sie nicht nur Fuß­ball, son­dern können sich ein Stück weit in die Gesell­schaft inte­grieren.
 
Wie äußert sich der bunte Cha­rakter auf dem Platz?
Das fängt schon bei den Mann­schaften an. Ich erin­nere mich gerne an legen­däre und sehr aktive Teams wie Rapid Orgasmus“ oder Ooh-Ah-Can­tona“. Letz­tere haben gerne mal mit Pyro­technik expe­ri­men­tiert. Oder das Pokal­fi­nale am Ende der Saison! Zu diesem Spiel sind oft meh­rere hun­dert Zuschauer da, sie hängen Banner und Pla­kate an die Zäune, und einige ganz Ver­rückte kommen sogar in Kos­tü­mie­rungen.
 
In Ihrer Pro­jekt­vor­stel­lung deuten Sie aber auch gesell­schaft­liche Aus­ein­an­der­set­zungen“ an. Was meinen Sie damit?
Die Wilde Liga ist kein abge­schlos­sener Raum und keine heile Welt, das muss man ganz klar sagen. Zwar kommen Beschimp­fungen oder ras­sis­ti­sche Belei­di­gungen vor, aber alle Spieler haben im Hin­ter­kopf, dass solche Dinge nicht unseren Vor­stel­lungen vom Fuß­ball ent­spre­chen. Solche Fälle werden auf dem Platz geklärt, selbst wenn dadurch das Spiel unter­bro­chen und für eine halbe Stunde dis­ku­tiert werden muss.

Sie haben ein Crowd­fun­ding gestartet, um den Film finan­zieren zu können. Wie auf­wändig werden die Dreh­ar­beiten sein?
Um die Viel­fäl­tig­keit der Liga zu zeigen, möchte ich ver­schie­dene Teams über die gesamte Saison begleiten. Einmal eine Mann­schaft, die sehr leis­tungs­ori­en­tiert spielt, zum anderen ein Team, das sich eher als Frei­zeit­truppe ver­steht. Die aus­ge­wählten Prot­ago­nisten werde ich aller­dings nicht nur als Wilde-Liga-Kicker dar­stellen, son­dern ich werde sie auch in ihrem Pri­vat­leben begleiten. Und natür­lich wird es Rück­blicke auf die His­torie geben, es werden also auch Vete­ranen der Wilden Liga zu Wort kommen. Wie viele Dreh­stunden das letzt­end­lich sein werden, kann ich aber schwer sagen. (über­legt) Viel­leicht werden es mit Recherche, Dreh und Schnitt 3000 Arbeits­stunden.
 
Hand aufs Herz: Wird das Fuß­ball­fans außer­halb Bie­le­felds inter­es­sieren?
Ich denke ja. Schließ­lich soll der Film neben dem fuß­bal­le­ri­schen Aspekt auch einen kri­ti­schen Blick auf unsere Gesell­schaft werfen, die Wilde Liga ist ja auch nur ein Spiegel dieser. Hier treffen sich vom Maurer bis zum Anwalt Men­schen unter­schied­lichster Cou­leur. Und man merkt immer wieder, dass jemand, der auf dem Platz ein Fuß­ball­spiel gewinnen will, anders agiert als in seinem Alltag. Das führt natür­lich zu ver­schie­denen Kon­flikten – und hat nicht zuletzt auch etwas Komö­di­an­ti­sches für den Zuschauer, ganz egal, ob er aus Bie­le­feld oder Kiel kommt.

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Max Meis, Jahr­gang 1986, ist ein Doku­men­tar­filmer aus Bie­le­feld. Bis­lang sind von ihm erschienen: The Dorp – 40 Day Of Our Lives“ (2009) und Wir werden frei sein“ (2011). Mehr Infor­ma­tionen auf der Web­site seiner Pro­duk­ti­ons­firma Down­si­deup.