Diese Stel­lung­nahme ließ Ultra-Gruppen von Ham­burg bis Frei­burg auf­hor­chen: Nur drei Tage nachdem die Aachen Ultras“ ihre Kapi­tu­la­tion im Kampf gegen rechte Ultras und Nazis bekannt gaben, ver­mel­deten auch die Ultras Düs­sel­dorf“ (UD) eine Aus­zeit. Nach zwölf Jahren wollen sie orga­ni­sierte Grup­pen­ak­ti­vi­täten im Sta­dion ein­stellen“. Offi­ziell erklärt UD“ den Schritt mit dem durch den raschen Auf­stieg von For­tuna Düs­sel­dorf gewach­senen Druck auf die Gruppe und mit dem Vor­haben, interne Unstim­mig­keiten zu regeln“.

Gewalt gegen den Capo und DJ Opa“

Tat­säch­lich setzt ihnen auch ein Rechts­ruck im hete­ro­genen Düs­sel­dorfer Hoo­li­gan­mi­lieu zu. Die Schläger sind laut Zen­traler Infor­ma­ti­ons­stelle Sport­ein­sätze (ZIS) Anlauf­punkt für ein Dut­zend Neo­nazis. Für die in Teilen links­al­ter­nativ geprägte Fan­szene hat die kleine Offen­sive von Rechts­außen weit­rei­chende Folgen: Anti­ras­sis­tisch Enga­gierte werden unter­drückt, im ver­än­derten Klima der Kurve kam es zu jüngst zu etli­chen rechten Straf­taten. Der ehe­ma­lige Capo“ der For­tuna-Ultras, Niko Offert, wurde öffent­lich bedroht und von einem Hoo­ligan nie­der­ge­schlagen. Kurz vor Weih­nachten atta­ckierten Rechts­ra­di­kale auch noch den beliebten Sta­dion-DJ Opa“.

Die seit etwa drei Jahren schwe­lenden Kon­flikte unter den For­tuna-Fans mögen mit denen in Dort­mund, Aachen oder Braun­schweig zwar nicht ver­gleichbar sein. In den drei Nazi-Hoch­burgen sind die orga­ni­sierte Rechte, Nazi-Hools und ‑Ultras eng ver­flochten; etliche Gewalt­taten gegen Linke und anders den­kende Fans sind doku­men­tiert. In Düs­sel­dorf dagegen gibt es laut Staats­schutz und Antifa keine eta­blierten Neo­nazi-Struk­turen. Und die Anhän­ger­schaft der 1895er war durch die Rück­kehr nach Flin­gern geprägt von der urbanen Sub­kultur des Vier­tels.

In der Ver­gan­gen­heit waren sogar Hoo­li­gans der Bushwha­ckers Düs­sel­dorf“ an der Ver­trei­bung brauner Ein­dring­linge im Paul-Janes-Sta­dion betei­ligt. Die Bande, die sich in den Acht­zi­gern stark an den berüch­tigten Schlä­gern des FC Mill­wall ori­en­tierte, gilt der Antifa bis heute als mul­ti­kul­tu­relle Truppe“. Und in ihrem bunten Block bezogen Ultra-Grup­pie­rungen seit ihren Anfangs­tagen offensiv Stel­lung gegen Ras­sismus, Homo­phobie und alle Formen der Dis­kri­mi­nie­rung. Solche öffent­li­chen Mei­nungs­äu­ße­rungen waren zuletzt aller­dings nicht ohne Risiko. Der Grund: der Ein­satz meh­rerer Gewalt­be­reiter für eine von braunen Ein­dring­lingen ange­stif­tete, vor­ge­scho­bene Ent­po­li­ti­sie­rung ver­meint­lich linker Fans.

Maximal zwölf Per­sonen mit rechter Gesin­nung“

Die Empö­rung unter den Anhän­gern des Ver­eins war ent­spre­chend groß, als das WDR-Fern­seh­ma­gazin Westpol“ Ende Sep­tember einen internen Bericht der ZIS über per­so­nelle Über­schnei­dungen zwi­schen gewalt­be­reiten Fans und der rechts­ex­tremen Szene ver­öf­fent­lichte: Darin wurde Düs­sel­dorf in einem Atemzug mit Aachen, Dort­mund, Mön­chen­glad­bach, Duis­burg, Pader­born, Bie­le­feld und Ober­hausen genannt. Ein Spre­cher der Polizei Düs­sel­dorf berich­tete später auf Anfrage von maximal zwölf Per­sonen mit rechter Gesin­nung“. Sie seien nicht ver­netzt und stünden unter Beob­ach­tung.

Im ver­gan­genen Halb­jahr zeigen etliche Straf­taten die Sta­di­on­be­suche Rechts­ra­di­kaler und ein neues Klima in der For­tuna-Szene auf.

Nach dem 2:2 gegen Schalke am 6. Spieltag beschwerten sich Zuschauer über eine Gruppe von etwa 25 Män­nern, die im Ober­rang aggressiv auf­ge­treten waren und gemein­schaft­lich den Hitler-Gruß gezeigt haben sollen. Ordner mel­deten den Vor­fall im Block 159. Das bestä­tigte der Verein ebenso wie unter­schied­liche Beschwerden“ über aggres­sive Zuschauer in den Blö­cken 160 und 161. Die ein­ge­gan­genen Klagen, so For­tuna unter Beru­fung auf Gespräche mit den Orga­ni­sa­toren der selbst ver­wal­teten Blöcke, rich­teten sich nach jet­zigem Stand wohl auf Gruppen außer­halb der orga­ni­sierten Fuß­ball­fan­szene“.

Eine Woche nach den Führer“-Grüßen auf der Süd­tri­büne erstat­tete ein Poli­zist Anzeige gegen einen For­tuna-Fan, der auf der Anreise zum Aus­wärts­spiel in Mainz den Kühnen“-Gruß zeigte. Beim Poka­laus in Offen­bach setzte der Ord­nungs­dienst einen Düs­sel­dorfer fest, der eben­falls durch das Ver­wenden von Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­riger Orga­ni­sa­tionen auf­ge­fallen war. Zu sol­chen Vor­fällen war es bei For­tuna jah­re­lang sel­tener als bei den meisten anderen großen Clubs gekommen. 1895 galt vielen als zweites St. Pauli“. Dieser Ruf gefällt den im internen ZIS-Bericht erwähnten Rechts­ra­di­kalen ebenso wenig wie einigen mit ihnen pak­tie­renden, rechts­of­fenen Hoo­li­gans.

Fuß­ball bleibt Fuß­ball, Politik bleibt Politik“?

Die rechten Anstifter gehen gezielt vor. Die bewährte Masche ist die angeb­liche Ent­po­li­ti­sie­rung des Sta­dions, wie sie die vom Bremer Ver­fas­sungs­schutz als gewalt­be­reite Rechts­ex­tre­misten“ ein­ge­stufte Hoo­lig­an­band Kate­gorie C – Hung­rige Wölfe“ besingt: Fuß­ball bleibt Fuß­ball, Politik bleibt Politik“. Unter Beru­fung auf die Parole wollen die Rechts­ex­tremen, zu denen füh­rende Akti­visten der ehe­ma­ligen Kame­rad­schaft Natio­nale Front Düs­sel­dorf LDU“ (die Anfangs­buch­staben der Stadt­teile Lich­ten­broich, Düs­seltal, Unter­rath) zählen, anti­ras­sis­ti­sche und anti­fa­schis­ti­sche Bot­schaften unter­binden.

Durch­set­zungs­ver­mögen ver­leiht ihnen dabei das Gewalt­mo­nopol der orga­ni­sierten Hoo­li­gans. Diese haben zwar größ­ten­teils poli­tisch gleich­gül­tige Box­sportler in ihren Reihen, dar­unter bei For­tuna-Fans aner­kannte Sym­pa­thie­träger“. Ideo­lo­gien sind diesen egal, ihr Welt­bild gründet auf dem Recht des Stär­keren. Nach Rang­kämpfen in ihren Reihen aber sind die Gewalt­su­chenden nun offenbar anfäl­liger für das Gedan­kengut rechter Ein­flüs­terer. Aus­druck dessen ist auch eine Freund­schaft mit den Ultras von Atlé­tico Madrid: Die Gruppe Frente“ gilt als ähn­lich offen faschis­tisch und ras­sis­tisch wie die Ultras von Lazio Rom.

Ein T‑Shirt mit dem Auf­druck Ultras gegen rechts“? Im Düs­sel­dorfer Block ver­boten

Zwei Bei­spiele für die rechte Zensur gegen linke Düs­sel­dorfer Fans: Nach über­ein­stim­menden Zeu­gen­be­richten verbot eine Gruppe am ersten Spieltag in Augs­burg einem Fan, ein T‑Shirt mit dem Auf­druck Ultras gegen rechts“ im Sta­dion zu tragen. Bei meh­reren Heim­spielen sollen Hoo­li­gans den Ver­kaufs­stand der Ultras hinter Block 42 kon­trol­liert haben. Beschwerden über solch eine Ein­schrän­kung freier Mei­nungs­äu­ße­rung unter Andro­hung von Gewalt ver­tei­digt im offi­zi­ellen Ver­eins­forum 95er-Forum“ der Nutzer Schwelmer2“ öffent­lich: Er gibt sich dort mehr­fach als Mit­glied der Hoo­ligan-Gruppe Bushwha­ckers“ zu erkennen und pocht auf die Ver­ein­ba­rung mit den Ultras (…) sämt­liche Politik aus dem Sta­dion raus­zu­halten“.

Das unüber­sicht­liche, aber all­ge­mein zugäng­liche Forum ver­mit­telt einen Ein­druck von der Prä­senz der rechten Ein­dring­linge.

In Stutt­gart waren locker 15 Per­sonen ein­deutig rechts­ex­trem, wobei diese in ver­schie­denen Gruppen unter­wegs waren“, wirft For­tunas Fan­be­auf­tragter, Dominik Hoff­meyer, in die Dis­kus­sion zum Thema For­tuna gegen Nazis“ ein. An anderer Stelle bestä­tigt er Nut­zern rechte Parolen und Nazi-Sich­tungen“ bei fast jedem Hin­run­den­spiel.

An die Öffent­lich­keit gelangt waren Aus­ein­an­der­set­zungen zwi­schen ein­zelnen Hoo­li­gans sowie Rechts­ra­di­kalen einer- und Ultra-Mit­glie­dern ande­rer­seits erst­mals 2010: Beim Heim­spiel gegen Hertha wollten Pro­vo­ka­teure das Banner der Ultras Düs­sel­dorf“ wäh­rend des Spiels ent­fernen. Im Sta­dion konnte die Polizei eine Aus­ein­an­der­set­zung ver­hin­dern, dafür flogen nach dem Spiel an der Kneipe Kas­tanie“ die Fäuste zwi­schen ein­zelnen Hoo­li­gans und Ultras. Bushwhackers“-Mitglieder beklagten später, sie würden zu Unrecht als Neo­nazis dar­ge­stellt.

Bei einem Düs­sel­dorfer Fan-Tur­nier läuft ein Spieler mit einem Thor Steinar“-Shirt auf

Dass der Ver­such eines fried­li­chen Neben­ein­an­ders geschei­tert war, zeigte sich Alt­weiber 2011: Bei einem Angriff junger Hoo­li­gans in der Alt­stadt wurden zwei Ultra-Mit­glieder schwer ver­letzt und wohl auch ein Mit­ar­beiter des Fan­pro­jektes atta­ckiert. Der Verein, die Dach­ver­bände Sup­por­ters-Club Düs­sel­dorf (SCD) und Arbeits­kreis For­tuna grün­deten mit For­tuna-Fans danach die Arbeits­ge­mein­schaft Anti-Dis­kri­mi­nie­rung“.

Eine erneute Ver­schär­fung des Kon­flikts deu­tete sich Anfang 2012 an, als der Fan­club Metz­kausen Hypers“ aus dem Sup­por­ters Club Düs­sel­dorf (SCD) aus­trat. Der Dach­ver­band hatte für den Geschmack der Hypers falsch auf einen Vor­fall bei einem SCD-Fuß­ball­tur­nier reagiert: Ein Spieler der Bushwha­ckers Düs­sel­dorf“ war laut Hypers-Mit­tei­lung in einem T‑Shirt der Marke Thor Steinar“ ange­treten.

Diese dient Neo­nazis als Erken­nungs­zei­chen. Im Sta­dion ist sie darum seit Jahren ebenso ver­boten wie im Bun­destag. Wir spielen nicht mit Nazis“, rekla­mierten nach dem Tur­nier auch die For­tuna Metal­heads“ öffent­lich.

Die rechte Parole Politik aus dem Sta­dion“ kennt der viel­fach aus­ge­zeich­nete Sport­jour­na­list Ronny Blaschke aus vielen großen Fan­szenen. Die Gleich­set­zung von Rechten und Linken nach dieser Devise ist eine kolos­sale Ver­harm­lo­sung Rechts­ex­tremer“, sagt er. Es ist eben ein Unter­schied, ob Fans im Sta­dion men­schen­ver­ach­tendes Gedan­kengut ver­breiten oder sich für Men­schen­rechte ein­setzen.“

Selbst­rei­ni­gungs­kräfte in den Fan­szenen wird über­schätzt“

Blaschke besucht mit seinem Buch Angriff von Rechts­außen“ Fan­pro­jekte und ‑initia­tiven in ganz Deutsch­land. Was er bei fast allen Clubs erlebte, bestärkt ihn in der Über­zeu­gung, dass die immer wieder bemühten Selbst­rei­ni­gungs­kräfte in den Fan­szenen“ über­schätzt werden: Nach fast jeder Dis­kus­sion kommen Zuhörer, die berichten, dass auch ihr Sta­dion ent­gegen der Mehr­heits­mei­nung nicht frei von Dis­kri­mi­nie­rungen durch Rechts­ex­treme ist.“ Vor diesem Hin­ter­grund appel­liert er: Es ist sehr wichtig, die ahnungs­lose oder schwei­gende Mehr­heit über solche Ver­suche auf­zu­klären.“

An die Öffent­lich­keit gelangten bis­lang auch die Schlä­ge­reien nicht, zu denen sich die von den Rechts­ex­tre­misten umwor­benen Bushwha­ckers“ mit anderen Hoo­li­gans ver­ab­re­deten. Auch das war in der Bun­des­liga-Hin­runde anders, weil sie in der Alt­stadt ran­da­lierten.

Nach dem Spiel gegen den HSV atta­ckierten sie gewalt­be­reite Ham­burger vor der Andre­as­kirche. Eine Woche später, nach dem Kan­ter­sieg über Ein­tracht Frank­furt, suchten gewalt­be­reite For­tuna-Fans in der Alt­stadt die Kon­fron­ta­tion mit der Polizei. 33 kamen in Gewahrsam. Beim Gast­spiel der Ein­tracht im Februar 2012 wäre eine Aus­ein­an­der­set­zung bei­nahe sogar im Sta­dion eska­liert: Minu­ten­lang ver­suchte eine große Gruppe Düs­sel­dorfer Schläger vor den Augen über­for­derter Ordner unge­hin­dert, den Gäs­te­block zu stürmen.

Auf der Online-Platt­form Gewalt­täter Sport“ der inter­na­tional ver­netzten Hoo­ligan-Szene doku­men­tieren die Düs­sel­dorfer mit einem Mann­schafts­foto“ ihres Groß­auf­ge­bots neue Stärke. Auf etwa 200 Mann schätzen Beob­achter die Gruppe und ihr Umfeld mitt­ler­weile. Alt-Hoo­li­gans ziehen jün­gere Gewalt­be­reite an und schüch­tern Anders­den­kende allein durch ihre Prä­senz ein. Die Bushwha­ckers“ rekru­tieren für ihre ver­ab­re­deten Kämpfe mit Schlä­ger­truppen anderer Städte sogar gezielt (ehe­ma­lige) Ultras.

Nach außen demons­trieren die Hoo­li­gans allen auf­merk­samen Zuschauern zuletzt Einig­keit mit gehorsam unpo­li­ti­schen“ bezie­hungs­weise ein­ge­schüch­terten Ultras: Vor dem Angriff auf HSV-Fans scharrten sie nach Infor­ma­tionen der Rhei­ni­schen Post in der Düs­sel­dorfer Alt­stadt For­tuna-Ultras um sich. Im 95erforum“ gibt das beken­nende Bushwhackers“-Mitglied Schwelmer2“ die Devise united“ aus: Düs­sel­dorf United: BWD, Block 160 und UD!“. Ein öffent­li­ches Zei­chen für die feind­liche Über­nahme: Beim letzten Hin­runden-Heim­spiel gegen Frank­furt prä­sen­tierten die Hoo­li­gans ihr großes rot-weißes Banner im Ober­rang – das zweite Mal 2012 und direkt neben dem der Ultras Düs­sel­dorf“.

Die Hoo­ligan-Gruppen wachsen, den Ultras rennen die Mit­glieder weg

Die Zahl der UD-Mit­glieder soll sich zeit­gleich zum Auf­schwung der Bushwha­ckers“ auf etwa 70 hal­biert haben. Der Schwund und die Abspal­tungen meh­rerer Gruppen haben zuweilen per­sön­liche, meist aber poli­ti­sche Gründe. Die deut­liche Abgren­zung nach rechts, die UD-Mit­glieder noch 2011 im Magazin Blick­fang Ultra“ bestä­tigten, fällt auf Druck der kör­per­lich über­le­genen Hoo­li­gans zuneh­mend unter den Tisch. Die Folgen bekamen auch alle anderen Zuschauer im Sta­dion zu hören: Schlacht­rufe wie Dietmar Hopp, Du Sohn einer Hure“ (gegen Hof­fen­heim) und Veh, Du Fotze“ (gegen Frank­furt) waren früher wegen des anti­se­xis­ti­schen Enga­ge­ments der Düs­sel­dorfer Ultra-Gruppen tabu (Motto: Hate sexism, love For­tuna“).

Einer, der solche Gesänge wäh­rend seiner lang­jäh­rigen Funk­tion als Capo – als Vor­sänger der Ultras – nie ange­stimmt hatte, gab zuletzt gegen den FC Bayern den Ton im Block 42 an.

Niko Offert. Der Abgang des Capos“ war wochen­lang Gesprächs­thema Nummer eins unter For­tuna-Fans. Offerts jün­gere Nach­folger am Mega­phon sind mit Lei­den­schaft bei der Sache, oft erreichten die von ihnen initi­ierten Gesänge aus der Sup­port-Area aber nicht mehr die Geraden der Arena. So lag über der Süd­tri­büne häu­figer ein Gesangs­wirr­warr.

Bis heute beschäf­tigt Offerts plötz­li­cher Rückzug die Fans, zumal er eine Erklä­rung schuldig blieb und schweigt. Trotz hun­dert­fa­cher Sym­pa­thie­be­kun­dungen allein im Netz äußerte er sich nur nichts­sa­gend auf Face­book. Er könne sich nichts Schö­neres vor­stellen“ als wei­terhin Gän­se­haut zu bekommen, wenn wir gemeinsam mit tau­senden von Leuten den Gegner aus der Kurve brüllen“. Trotzdem wolle er kürzer treten“, weil seine Person zu stark pola­ri­siert“. Wenn ein Vor­sänger so defensiv auf­tritt, der dem ZDF einmal erklärte, eine Pro­fil­neu­rose habe ihn ans Capo-Mikro geführt, ver­wun­dert das Außen­ste­hende. Zumal sich sein frü­heres Sen­dungs­be­wusst­sein und das neue Klima im For­tuna-Block beißen: So sagte er gegen­über sta​di​on​welt​.de vor Jahren einmal, dass Anti­ras­sismus und Anti­fa­schismus ein­fach zu einem gesunden Men­schen­ver­stand gehören“. Das ver­trat er – offensiv.

Die Halsabschneider“-Geste für den Vor­sänger

Kri­tiker sahen in ihm zwar einen sturen Allein­herr­scher. Trotzdem nähren zwei Vor­fälle den Ver­dacht, dass er nicht nur wegen Ultra-interner Mei­nungs­ver­schie­den­heiten ver­stummte. Es ist ein offenes Geheimnis auf der Süd­tri­büne, dass Offert wäh­rend des zweiten Bun­des­liga-Heim­spiels von Män­nern im Ober­rang mit der Halsabschneider“-Geste bedroht wurde und vor dem Aus­wärts­spiel in Mainz von einem Bushwhackers“-Mitglied zu Boden geschlagen wurde. Eine auf Offert gewor­fene Fla­sche ver­fehlte ihn in Mainz nur knapp und traf einen Unbe­tei­ligten. Der musste ins Kran­ken­haus gebracht werden.

Straf­an­zeigen liegen der Polizei zu den Atta­cken aber nicht vor. Das Wir-Gefühl ist eben eine der größten Stärken der Fan­kultur – und ihre größte Schwäche. For­tunen schwärzen keine For­tunen an.

So wurde ein wei­terer Angriff auf einen pro­mi­nenten Fan nur im 95erforum“ bekannt. Dort pos­tete der offi­zi­elle Musik­be­auf­tragte der For­tuna, Sta­dion DJ Marcus Opa“ Haefs vor Weih­nachten unter seinem Nick­name Cøsh­bar­cløb“ am 22. Dezember: danke an die fans, die eben ein­ge­sprungen sind. am hbf [Haupt­bahnhof, d. Red.] mit der roll­treppe nach oben gefahren, pafff, opa, du linke zecke, gab es links und rechts. gott sei dank haben sich ein paar leute ein­ge­mischt. danke dafür.“

Der Punk spielt im Sta­dion auch mal Schrei nach Liebe“, den Anti-Nazi-Song der Ärzte. An die Adresse der Schläger schrieb er im Forum: ne dicke nase ändert nichts an meiner musik, an meiner ein­stel­lung oder wie auch immer. ich gebe euch keinen zen­ti­meter breit!!!!!“ Dieser Ansage stimmten 90 regis­trierte Benutzer zu 1895% zu“.

Die über­wäl­ti­gende Mehr­heit der For­tuna-Fans wird das genauso sehen.