Seite 2: „Keine Person ist größer als der Verein“

Wie groß ist Tön­nies Ein­fluss bei Schalke 04?
Seinen Ein­fluss schätze ich als immens ein. Er ist seit 1994 im Schalker Auf­sichtsrat, seit 2001 ist er Vor­sit­zender des Gre­miums. In all diesen Jahren haben sich Struk­turen ent­wi­ckelt. Zudem hat Herr Tön­nies in der Bun­des­liga und bei der Presse viele Freunde, wie ich glaube. Er hat eine große Macht beim FC Schalke 04. Des­halb gibt es nicht wenige Men­schen, die auf­grund dessen glauben, er könnte diese Situa­tion über­stehen und wei­ter­ma­chen dürfen. Aber, wie bereits gesagt, dann zeigt das nur, wie es bei Schalke 04 wirk­lich aus­sieht. Cle­mens Tön­nies wäre größer als die Werte des FC Schalke. Und das darf nie­mals der Fall sein. Hier muss der Verein Rück­grat beweisen.

Welche Rolle hat er beim Ein­fä­deln großer Spon­soren-Deals gespielt (etwa bei Gaz­prom)?
Dazu kann ich natür­lich keine hand­festen Beweise offen­legen. Dass Herr Tön­nies maß­geb­lich an den Deals mit Gaz­prom betei­ligt war, lässt sich jedoch nicht von der Hand weisen. Da darf ich gerne an das Foto mit Wla­dimir Putin erin­nern. Dass er in sämt­li­chen großen Spon­so­ren­deals seine Finger im Spiel hat, hört man aller­dings schon sehr oft.

Könnte es sein, dass es den Ver­such äußerer Ein­fluss­nahme auf den Ehrenrat gibt, um Tön­nies gewis­ser­maßen zu retten?
Mög­lich wäre es natür­lich. Prof. Dr. Klaus Berns­mann ist ein Mit­glied des Ehren­rats. Was viele nicht wissen, ist, dass Herr Berns­mann jah­re­lang der Rechts­an­walt von Cle­mens Tön­nies war. Ob er das immer noch ist, ist mir nicht bekannt. Jeden­falls sieht es so aus, dass Herr Berns­mann ein enger Ver­trauter von Herrn Tön­nies ist. Ob das aber seine Stimme pro oder contra Tön­nies in irgend­einer Form beein­flusst, kann ich nicht beur­teilen.

Im Falle eines Rück­tritts: Befürchten Sie, dass ein Image­schaden für den Verein bleibt?
Nein, das befürchte ich ganz und gar nicht. Der FC Schalke 04 hat jetzt die große Chance, welt­weit für alle öffent­lich einen enormen Image­ge­winn zu erzielen. In dem der Klub sich klar gegen Ras­sismus posi­tio­niert, seine mora­li­schen Werte ver­tei­digt und Herrn Tön­nies die Tür zeigt. Etwas, das ein sol­cher Verein mit dieser His­torie meiner Mei­nung nach auch zwin­gend machen muss.

Glauben Sie, dass sich die Schlag­zeilen um den Ver­eins­chef negativ auf sport­liche Belange aus­wirken könnten?
Das glaube ich eher weniger. Natür­lich wird diese Geschichte ein Thema in der Kabine sein. Aber des­wegen wird keiner Spieler einen Pass unsauber spielen, die Ball­an­nahme ver­sauen oder das Tor nicht treffen. Das geht auch so. (lacht)

Wenn Sie zum Ehrenrat gehören würden: Was würden Sie Tön­nies sagen und emp­fehlen?
Ich würde Ihm für seine jah­re­langen Bemü­hungen und Dienste für den FC Schalke 04 danken. Aber auch klar und deut­lich ver­mit­teln, dass es in dieser Ange­le­gen­heit um die Werte des Klubs geht, auch um die Zukunft und das hier jetzt Schluss ist. Keine Person ist größer als der Verein – auch Herr Tön­nies nicht.