Seite 2: „Vereinslogo in den Grabstein gravieren“

Wie genau würde die Fan­kurve auf dem Friedhof aus­sehen – Schal überm Grab­stein und Fähn­chen in der Urne?
Das ist genau die Grat­wan­de­rung. Es gibt Länder, in denen viel mehr Bilder an den Urnen stehen und ganze Col­lagen an den Grab­stätten kleben. Wir haben in Deutsch­land eine beson­dere Fried­hofs­kultur. Der Friedhof ist nach den hie­sigen gesell­schaft­li­chen Emp­fin­dungen eher ein Ort, an dem Besu­cher Ruhe und Frieden haben wollen und nicht das laute Leben.

Wie es in Fuß­ball­sta­dien statt­findet…
Genau, des­wegen müssen wir auch über­legen, ob Fan­fried­höfe über­haupt zu unserer Kultur passen. Ich denke, da würden keine Zwei-Meter-Fahnen auf­ge­stellt werden. Aber man könnte zum Bei­spiel einen kleinen Ball in den Ver­eins­farben oder ein Ver­eins­logo oder ähn­li­ches in den Grab­stein gra­vieren oder eben einen Schal in das Grab inte­grieren. Alles müsste man letzt­end­lich so gestalten, dass es auch noch in den Fried­hofs­alltag passt. Fan­cho­reo­gra­phien oder Jubel­ak­tionen könnten dann viel­leicht bei der Bei­set­zung ver­an­staltet werden, aber dass es sich immer noch um einen Friedhof han­delt, auf dem sich das Zere­mo­niell abspielt, muss allen bewusst sein.

Inwie­fern haben sie schon kon­krete Abspra­chen mit Fried­höfen, Fan­klubs und Fuß­ball­ver­einen getroffen?
Soweit sind wir tat­säch­lich noch nicht. Bis Mitte nächsten Jahres wollen wir die Ent­schei­dung treffen, ob wir die Idee umsetzen oder nicht. Die Fried­hofs­be­treiber müssen ja auch mit­spielen. Kirch­liche Fried­höfe sind in sol­chen Fragen gene­rell eher zurück­hal­tend. Des­wegen könnten wir uns eine Zusam­men­ar­beit mit den städ­ti­schen Fried­höfen eher vor­stellen. Wir würden uns anschauen, welche Fried­höfe welche Flä­chen haben und dann als Ver­mittler zwi­schen Fan­klubs, Fuß­ball­ver­einen und Fried­hofs­be­trei­bern agieren.

Sie sind Mit­glied bei Hertha, Union und Tennis Borussia Berlin, mit wel­chem Ver­eins­logo würden Sie sich begraben lassen?
Ich war zuletzt bei einem Hertha-Spiel. Bei Union war ich letztes Jahr in der Rück­runde. Aber ich gucke schon, dass ich min­des­tens einmal im Monat bei einem der Ver­eine vor Ort bin. Nummer eins wäre aller­dings Hertha, das muss ich schon zugeben. (lacht)