Chris­tian Gaebler (SPD) ist Ber­liner Staats­se­kretär für Ver­kehr und Umwelt

Chris­tian Gaebler, können sich Fuß­ball­fans in Berlin bald mit Schal und Wimpel beer­digen lassen?
Die Fried­höfe müssen sich über­legen, wie sie in Zukunft auf aktu­elle Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lungen reagieren. Dazu gehört auch die Frage, womit sich die Men­schen iden­ti­fi­zieren. Was wollen sie nach ihrem Ableben in ihrem Umfeld haben? Dabei ist es auch eine Über­le­gung, Fan­fried­höfe anzu­legen. Um so etwas zu ver­wirk­li­chen, gäbe es genü­gend freie Fried­hofs­flä­chen.

Woher kommt die Idee?
Es gibt in Ham­burg einen Fan­friedhof für HSV-Anhänger und in Gel­sen­kir­chen Grab­stätten für Schalke-Fans. Daher kam uns die Idee, in Berlin auch so etwas anzu­legen. Wir müssen mit den Ver­einen und Fan­klubs noch bespre­chen, ob sich das tat­säch­lich lohnt. Die Betreiber in Ham­burg haben näm­lich die Erfah­rung gemacht, dass die Nach­frage nach Fangrä­bern doch nicht so hoch ist.

Soll es für alle Ber­liner Fuß­ball­ver­eine einen Friedhof geben oder nur für die Großen: Hertha und Union?
Ob man getrennte Fried­höfe anlegt und die dann zum Bei­spiel in Sta­di­onnähe plat­ziert, wissen wir noch nicht. Es wäre auch mög­lich, einen Friedhof für alle Fuß­ball­fans unab­hängig von ihrer Ver­eins­zu­ge­hö­rig­keit ein­zu­richten. Aus Sicht der eigent­li­chen Fan­kultur fände ich das die sym­pa­thischste Vari­ante.

Wenn es Fried­höfe für Fuß­ball­fans gibt, werden dann auch welche für andere Inter­es­sen­ge­mein­schaften ein­ge­richtet?
Wir wissen, dass fami­liäre Bezie­hungen eher abnehmen, über spe­zi­elle Fried­höfe könnte man solche Bin­dungen viel­leicht wieder her­stellen. Men­schen, die in ihrem Leben bestimmte Schwer­punkte gesetzt haben, hätten so die Mög­lich­keit, nach ihrem Ableben mit Gleich­ge­sinnten begraben zu sein. Des­halb gibt es auch Dis­kus­sionen dar­über, ob zum Bei­spiel spe­zi­elle Fried­höfe für Lesben und Schwule ein­ge­richtet werden sollen. Das sind Ideen, die sich aus Lebens­ver­hält­nissen und per­sön­li­chen Ori­en­tie­rungen heraus ergeben. Des­wegen ist es natür­lich auch ein Thema, dass man der Fuß­ball­kultur und allem was damit zusam­men­hängt, einen Raum gibt.

Wie genau würde die Fan­kurve auf dem Friedhof aus­sehen – Schal überm Grab­stein und Fähn­chen in der Urne?
Das ist genau die Grat­wan­de­rung. Es gibt Länder, in denen viel mehr Bilder an den Urnen stehen und ganze Col­lagen an den Grab­stätten kleben. Wir haben in Deutsch­land eine beson­dere Fried­hofs­kultur. Der Friedhof ist nach den hie­sigen gesell­schaft­li­chen Emp­fin­dungen eher ein Ort, an dem Besu­cher Ruhe und Frieden haben wollen und nicht das laute Leben.

Wie es in Fuß­ball­sta­dien statt­findet…
Genau, des­wegen müssen wir auch über­legen, ob Fan­fried­höfe über­haupt zu unserer Kultur passen. Ich denke, da würden keine Zwei-Meter-Fahnen auf­ge­stellt werden. Aber man könnte zum Bei­spiel einen kleinen Ball in den Ver­eins­farben oder ein Ver­eins­logo oder ähn­li­ches in den Grab­stein gra­vieren oder eben einen Schal in das Grab inte­grieren. Alles müsste man letzt­end­lich so gestalten, dass es auch noch in den Fried­hofs­alltag passt. Fan­cho­reo­gra­phien oder Jubel­ak­tionen könnten dann viel­leicht bei der Bei­set­zung ver­an­staltet werden, aber dass es sich immer noch um einen Friedhof han­delt, auf dem sich das Zere­mo­niell abspielt, muss allen bewusst sein.

Inwie­fern haben sie schon kon­krete Abspra­chen mit Fried­höfen, Fan­klubs und Fuß­ball­ver­einen getroffen?
Soweit sind wir tat­säch­lich noch nicht. Bis Mitte nächsten Jahres wollen wir die Ent­schei­dung treffen, ob wir die Idee umsetzen oder nicht. Die Fried­hofs­be­treiber müssen ja auch mit­spielen. Kirch­liche Fried­höfe sind in sol­chen Fragen gene­rell eher zurück­hal­tend. Des­wegen könnten wir uns eine Zusam­men­ar­beit mit den städ­ti­schen Fried­höfen eher vor­stellen. Wir würden uns anschauen, welche Fried­höfe welche Flä­chen haben und dann als Ver­mittler zwi­schen Fan­klubs, Fuß­ball­ver­einen und Fried­hofs­be­trei­bern agieren.

Sie sind Mit­glied bei Hertha, Union und Tennis Borussia Berlin, mit wel­chem Ver­eins­logo würden Sie sich begraben lassen?
Ich war zuletzt bei einem Hertha-Spiel. Bei Union war ich letztes Jahr in der Rück­runde. Aber ich gucke schon, dass ich min­des­tens einmal im Monat bei einem der Ver­eine vor Ort bin. Nummer eins wäre aller­dings Hertha, das muss ich schon zugeben. (lacht)