Seite 2: Es darf kein Druck auf die Gesundheitsämter entstehen

Dass hier noch nebenbei subtil Druck auf die Behörden ent­steht nach dem Motto: Warum geht das, was in Sachsen geht, nicht in NRW?“, steht im Wider­spruch zu der vor noch nicht allzu langer Zeit an den Tag gelegten Demut. Hier wäre Selbst­be­schrän­kung auf den kleinsten gemein­samen Nenner, also an der Zahl der zuge­las­senen Zuschauer des am stärksten regle­men­tierten Bun­des­lands, als Bei­trag zur Wett­be­werbs­hy­giene und auch als gutes Signal an die Politik zu ver­stehen gewesen.

Beson­ders Bun­des­ge­sund­heits­mi­nister Spahn, der erst durch seine Geneh­mi­gung den Weg für die Aus­tra­gung der Geis­ter­spiele ebnete, hatte seine Bedenken dies­be­züg­lich bereits öffent­lich kund­getan. Warum die Liga nicht bis zum 31. Oktober abwarten kann, um das Ergebnis der von den Minis­ter­prä­si­denten ein­ge­setzten Arbeits­gruppe für eine bun­des­ein­heit­li­chen Lösung abzu­warten, ist nicht ver­ständ­lich. Bis dahin sind sechs Spiel­tage absol­viert, wirt­schaft­liche Über­le­gungen dürften so eine nur unter­ge­ord­nete Rolle spielen. Das Argu­ment, hier als Weg­be­reiter für andere Stand­orte zu fun­gieren, über­zeugt nicht. Denn die Gesund­heits­ämter in NRW werden sich nach den aktu­ellen Infek­ti­ons­zahlen und nicht an mög­li­cher­weise erfolg­reich umge­setzten Hygi­e­nekon­zepten anderer Klubs ori­en­tieren.

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze

Die abge­lau­fene Saison lie­fert sta­tis­ti­sche Evi­denz für den Wett­be­werbs­vor­teil der von Zuschauern unter­stützten Heim­mann­schaften: Gewannen im Schnitt 45 % der Heim­mann­schaften (vor Corona) ihre Spiele, ist die Quote bei Geis­ter­spielen nur ca 32 %. Dass diese Wett­be­werbs­ver­zer­rung mit dem Bie­le­felder Trainer Neu­haus und dem Ex-FC-Geschäfts­führer Schmadtke zwei ehe­ma­lige Sportler the­ma­ti­sierten, spricht für sich. Abzu­warten bleibt, ob hier nicht Ein­spruchs­gründe vor­liegen, da die sport­li­chen Chancen nicht davon abhängig sein dürfen, ob ein Klub in der Nähe eines Fleisch ver­ar­bei­tenden Betriebes oder in einem nicht so stark betrof­fenen Bun­des­land liegt.

Die DFL hat eine Chance ver­passt, hier Kante zu zeigen. Und RB Leipzig ver­säumt eine gute Gele­gen­heit, ein beson­deres Bekenntnis zur Soli­dar­ge­mein­schaft abzu­legen, indem der Verein auf die behörd­lich geneh­migte Zuschau­er­un­ter­stüt­zung im Sta­dion frei­willig ver­zichtet. Ich freue mich den­noch auf die Pokal­spiele und jeden Zuschauer, der live dabei sein kann. Durch den Modus besteht auch keine Sorge um die die Inte­grität des Wett­be­werbes. Der Pokal hat nicht nur hier seine eigenen Gesetze.