Seite 2: Bereitschaft nach 26 Jahren

So lange der Foot­ball Spec­ta­tors Act“ in Kraft ist – so heißt offi­ziell die Vor­schrift, dass es in erster und zweiter Liga nur Sitz­plätze geben darf –, müssen eng­li­sche Fans die Spiele ihrer Klubs ohnehin weiter im Sitzen ver­folgen. Oder aber im Stehen: Die Sitz­vor­schrift durch­zu­setzen ist nicht Sache der Polizei, son­dern der Ver­eine, und die sehen meist weg, wenn Fans sich auf oder neben ihre Plas­tik­schalen stellen, statt sich darauf zu setzen. Und das ist nicht nur gefähr­lich, son­dern führt auch häufig zu Kon­flikten mit Ord­nern oder anderen Zuschauern. Die Lösung des Pro­blems ist das folg­lich nicht.

Fans wollen selbst ent­scheiden wie sie ein Spiel ver­folgen

Fans wollen die Wahl haben, ob sie beim Fuß­ball sitzen oder stehen. Das bestä­tigten 76 Pro­zent der Teil­nehmer einer Guardian“-Umfrage aus dem Jahr 2011. Die große Mehr­heit der Ver­eine will ihnen diese Wahl offenbar gern ermög­li­chen. Doch die Politik sieht sich bis­lang nicht zum Han­deln ver­an­lasst. Ein Spre­cher des Minis­te­riums für Kultur, Medien und Sport sagte auf Anfrage von 11FREUNDE: Die Regie­rung hat nicht die Absicht, ihre Posi­tion zu ändern und Steh­plätze ein­zu­führen in Sta­dien, die der Vor­schrift unter­liegen, aus­schließ­lich Sitz­plätze anbieten zu dürfen.“ Man werde jedoch genau beob­achten, welche Erfah­rungen Celtic mit dem Safe-Stan­ding-Modell mache, und auf der Basis dessen die eigene Posi­tion über­prüfen.

Das klingt im Ganzen zwar nicht son­der­lich viel­ver­spre­chend, ist im Detail aber ein gewal­tiger Fort­schritt. Der Bristol-City-Fan Jon Darch ist Mit­glied der Foot­ball Sup­por­ters‘ Fede­ra­tion (FSF) und Kopf der Safe Stan­ding Road­show, die sich für die Wie­der­ein­füh­rung von Steh­plätzen in eng­li­schen Sta­dien ein­setzt. Er sagt: Das ist das erste Mal seit 26 Jahren, dass eine Regie­rung über­haupt die Bereit­schaft signa­li­siert, die Situa­tion neu zu bewerten!“ Er glaubt daran, dass Safe Stan­ding“ inner­halb weniger Jahre seinen Weg in die eng­li­schen Fuß­ball­sta­dien finden wird: Die erfolg­reiche Ein­füh­rung bei Celtic bringt uns einen Schritt näher zum Ziel.“

Ursache: schlam­pige Poli­zei­ar­beit

Das zustän­dige Minis­te­rium müsste, um den Weg dafür frei zu machen, nicht mal ein neues Gesetz ver­ab­schieden, son­dern ledig­lich das gel­tende Verbot lockern oder auf­heben. Das geht aus einem Bericht des Lon­doner Adam Smith Insti­tuts hervor. Darin erwähnt der Autor auch, dass das Hills­bo­rough-Desaster laut jüngster Unter­su­chungen nicht, wie lange ange­nommen, ursäch­lich auf die Steh­plätze zurück­zu­führen war, son­dern auf die sei­ner­zeit schlam­pige Poli­zei­ar­beit. Weiter seien die oft maroden Sta­dien der 70er- und 80er-Jahre nicht mit den modernen Arenen heu­tiger Pro­fi­klubs zu ver­glei­chen; in denen könne man Safe Stan­ding“ ohne Ein­bußen bei der Sicher­heit und Über­wa­chung ein­führen.