Die Ver­ei­nigten Staaten von Ame­rika durch­leben gerade drei Krisen gleich­zeitig. Da ist das Coro­na­virus, das in den USA bei­spiellos stark wütet. Da ist die daraus resul­tie­rende große wirt­schaft­liche Depres­sion. Und da ist eine nicht abeb­bende Welle von Pro­testen nach der gewalt­samen Tötung von George Floyd durch einen Poli­zisten. 

Min­des­tens zwei der drei Krisen haben einen starken Ein­fluss auf die US-ame­ri­ka­ni­sche Sport­welt. Deut­lich zu spüren bekommen haben das die Fuß­baller des FC Dallas und des SC Nash­ville. Zum einen konnten beide Klubs wegen zu vieler Corona-Fälle im Team nicht am MLS is Back“-Turnier in Flo­rida teil­nehmen. Zum anderen wurde Dallas-Profi Reggie Cannon ras­sis­tisch belei­digt und mit dem Tod bedroht. Er hatte zuvor die eigenen Fans kri­ti­siert, die wie­derum mit Unmut auf die Pro­test­ak­tion der Spieler reagiert hatten.

Sport­stars pro­tes­tieren gegen insti­tu­tio­nellen Ras­sismus

Denn am Don­nerstag und somit zwei Tage nach dem Ende des MLS is Back“-Turniers nahmen die beiden Teams den regu­lären – mit einem modi­fi­zierten Spiel­plan – Betrieb wieder auf. Die Partie in Dallas durfte sogar wieder vor Zuschauern statt­finden. Nach ESPN-Berichten kamen 2912 Fans ins Sta­dion. 

Doch was eigent­lich ein Schritt nach vorne werden sollte, ent­wi­ckelte sich noch vor Anpfiff zu einem Rück­schritt. Vor der Partie, die Nash­ville mit 1:0 gewann, hatten beide Teams und die Schieds­richter beim Abspielen der Natio­nal­hymne nie­der­ge­kniet. So wie es einst Foot­ball-Profi Colin Kaeper­nick tat, der seitdem kein neues Team mehr fand. So wie es zuletzt viele Sport­stars, in der NBA, in der MLS und welt­weit taten. Die Pro­test­ak­tion gegen struk­tu­rellen Ras­sismus hielten aber nicht alle Fans im Sta­dion für ange­messen. Den Akteuren auf dem Rasen schmet­terten Buh­rufe von den Rängen ent­gegen.

Wie schänd­lich ist das? Ich finde es absolut wider­lich“

Dallas-Abwehr­spieler Cannon kri­ti­sierte dar­aufhin die eigenen Fans. Du kannst nicht mal mit der Unter­stüt­zung der eigenen Fans im eigenen Sta­dion rechnen – das ist unver­ständ­lich für mich“, sagte er. Wie schänd­lich ist das? Ich finde es absolut wider­lich.“ Dar­aufhin wurde er in sozialen Netz­werken ras­sis­tisch belei­digt und erhielt Mord­dro­hungen.

Der Klub reagierte und zeigte sich soli­da­risch mit seinem Spieler. Wir wollen uns klar aus­drü­cken: Wir lieben und unter­stützen Reggie Cannon. Die ras­sis­ti­schen Kom­men­tare und Mord­dro­hungen, die er erhalten hat, sind absto­ßend und inak­zep­tabel“, teilten die Team­be­sitzer Clark und Dan Hunt in einer Erklä­rung mit.

Bun­des­staaten ent­scheiden über Zuschauer in den Sta­dien

Nach dem gewalt­samen Tod von George Floyd hatten MLS-Spieler die Gruppe Black Players for Change“ gegründet, die sich gegen sys­te­ma­ti­schen Ras­sismus im Fuß­ball und in der Gesell­schaft ein­setzt. Beim Eröff­nungs­spiel des MLS is Back“-Turniers in Flo­rida schwiegen die Spieler und streckten ihre Faust aus Pro­test nach oben. 

Vor den Spielen des Tur­niers wurde keine Natio­nal­hymne abge­spielt. Für einige Spieler hätte sich das in diesen tur­bu­lenten Tagen nicht richtig ange­fühlt, die Hymne in diesem Moment zu spielen“, erzählte Cannon. Im Sta­dion brüllte jemand U.S.A., aber diese Leute ver­stehen nicht, was das Hin­knien bedeutet. Sie glauben, wir wären die Unwis­senden“, sagt Cannon. Das ist extrem frus­trie­rend.“ 

Am Sonntag werden Dallas und Nash­ville dann erneut in Dallas auf­ein­an­der­treffen. Cannon wün­sche sich von den Dallas-Fans ähn­liche Unter­stüt­zung wie von der Liga. Der Rest der Liga startet kom­mendes Wochen­ende wieder in die MLS-Haupt­runde ein, die im März auf­grund der Corona-Pan­demie unter­bro­chen wurde. Die Ent­schei­dung, Zuschauer in die Sta­dien zu lassen, obliegt den Bun­des­staaten.