Seite 5: Berbatow macht sich vom Acker

Er ist einer von etwa einem Dut­zend Fans, die Sal­ford City den Rücken gekehrt haben. Das klingt nach wenig, doch King­ston macht fol­gende Rech­nung auf: Es sind zehn Pro­zent der Leute, die früher zu jedem Spiel gingen. So viele Fans haben sich auch von Man­chester United abge­wendet und den FC United gegründet, als die Gla­zers kamen.“ Nichts bringt Gary Neville so schnell auf die Palme wie ein Ver­gleich des Enga­ge­ments der Class of 92“ in Sal­ford mit der Über­nahme von Man­chester United durch jene ame­ri­ka­ni­schen Geschäfts­leute.

Doch viel­leicht muss er sich das gefallen lassen. Denn die fünf Freunde haben auch Fehler begangen. Kaum hatten sie den Verein in eine GmbH umwan­deln lassen und sich als Besitzer ein­ge­tragen, da änderten sie das Logo und die Klub­farben. Als ihnen klar wurde, wie teuer das Unter­fangen werden konnte, holten sie einen wei­teren Investor ins Boot, den sin­ga­pu­ri­schen Magnaten (und Besitzer des FC Valencia) Peter Lim.

Wir wären gerne gefragt worden“

Und dann begannen sie mit dem Ausbau des Sta­dions, obwohl es mitten in einem Wohn­ge­biet liegt, in dem es kaum Park­mög­lich­keiten gibt. Alles, und das war das Pro­blem, ohne den Leuten vorher Bescheid zu sagen. Wir hingen nicht an den Farben oder dem Wappen“, sagt King­ston. Aber wir wären gerne gefragt worden. Schließ­lich war ich Fan von Sal­ford City, nicht von Gary Nevilles großem Pro­jekt.“

Zur Pause liegt das Pro­jekt 0:1 zurück. Die Leute haben sich hier so an die Class of 92“ gewöhnt, dass man die Promis nor­ma­ler­weise in Ruhe lässt. Jetzt aber wird es für 15 Minuten wuselig. Ein Foto­graf schießt Bilder, ein Kame­ra­team der BBC filmt Ein­stel­lungen, dann stürmt eine Schul­klasse heran und bittet um ein Foto. Ber­batow macht sich schleu­nigst vom Acker, doch Giggs und Neville stellen sich bereit­willig in Positur und scherzen mit den Kin­dern aus Sal­ford.

Zer­stören die Freunde, was ihnen an Sal­ford City so gefällt?

Gary Neville ist ein Wichser!“ Ryan Giggs legt jede Tussi flach!“ Noch ist die Stim­mung auf der Gäs­te­tri­büne gut. Doch in Durch­gang zwei wird der Druck der Ammies immer größer. In der 79. Minute fällt der ver­diente Aus­gleich durch einen Elf­meter. Ber­batow klatscht, Giggs jubelt, Neville ballt die Fäuste und schreit die Erleich­te­rung heraus. Der Punkt reicht nicht, um Fylde und Kid­der­minster auf den Pelz zu rücken, aber immerhin bleibt man im Rennen um die Playoff-Plätze.

Was ist eigent­lich, wenn Sal­ford City es wirk­lich eines Tages bis in die vierte Liga schafft? Das weiß ich nicht“, sagt Neville nach­denk­lich. Ich schätze, irgend­wann will man wieder eine Liga höher.“ Ihm ist bewusst, dass er und seine Freunde gerade dabei sein könnten, das zu zer­stören, was ihnen an Sal­ford City so gefällt, aber er kommt aus einem Land, in dem es nichts Nor­ma­leres gibt, als Ver­eine zu besitzen und in sie zu inves­tieren. Darum sagt er: So ist das Leben.“ 

Die Frage aller Fragen

Gary Neville hat zwar schon von Hof­fen­heim gehört, kennt aber die Geschichte des Klubs nicht im Detail. Inter­es­siert hört er sich an, wie der Ehr­geiz und das Geld eines ein­zelnen Mannes aus einem unbe­deu­tenden Ama­teur­klub ein Team machten, das viel­leicht bald in der Cham­pions League spielt. Er sin­niert einen Moment über das Mär­chen aus Sins­heim. Dann will er wissen: Und finden die Men­schen das nun gut oder schlecht?“

Tja, Gary, genau das ist hier die Frage.

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