Seite 3: Die etwas andere Vereinsführung

Eigent­lich gibt es keinen Grund, sich zu ärgern. Alles läuft gut. Fast schon zu gut, um wahr zu sein. Im März 2014 über­nahmen Giggs, Scholes, Butt und die Neville-Brüder Sal­ford City. Schon ein Jahr später stieg das Team nach einem dra­ma­ti­schen End­spurt in die siebte Liga auf. Wieder eine Saison später, im April 2016, gewannen die Ammies durch zwei späte Tore die Play­offs und waren zum ersten Mal in ihrer Geschichte sechst­klassig. Sogar ein dritter Auf­stieg in Folge ist noch mög­lich, obwohl die National League North sehr umkämpft ist und Neville leise Zweifel hegt, ob es über­haupt gesund ist, ein sol­ches Tempo vor­zu­legen.

Selbst die Doku-Soap der BBC über den Klub wurde ein über­ra­schender Erfolg. Das liegt zum einen natür­lich an den berühmten Besit­zern, die fast wie Jungs von nebenan rüber­kommen, auf jeden Fall aber wie echte Fans, auch wenn sie wegen diverser Ver­pflich­tungen nicht immer alle vor Ort sein können. Aber der Charme der Serie hat in erster Linie mit den schrullig-lie­bens­werten Typen zu tun, die schon seit Jahr­zehnten ihre Frei­zeit für Sal­ford City opfern.

Immer noch ein Fami­li­en­klub

Zum Bei­spiel Babs, eine Näherin, die bei den Heim­spielen ehren­amt­lich Tee und Snacks ver­kauft, jeden mit Luv“ anspricht und ganz begeis­tert davon ist, dass die Class of 92“ ihren Verein so auf Vor­der­mann gebracht hat. Ver­rückt, wie schnell das alles gegangen ist“, sagt sie und meint damit nicht nur die drei neuen Tri­bünen, die gerade in Rekord­zeit hoch­ge­zogen werden. Babs kann sich noch gut an kalte Abende im Februar erin­nern, als nur 45 Anhänger Wind und Wetter trotzten. Heute, gegen Stock­port, sind 1735 Zuschauer im Sta­dion. Aus­ver­kauft.

Auch Derek, eine lebende Ver­eins­le­gende, kann nicht ohne Moor Lane sein, obwohl seine Hüften so kaputt sind, dass er sich an Krü­cken fort­be­wegt. Derek war fast 30 Jahre im Vor­stand, bevor er seinen Posten im Streit nie­der­legte. Das war aber vor der Class of 92‘“, sagt er, damit kein fal­scher Ein­druck ent­steht. Es ist nicht so, als hätten die neuen Besitzer alles umge­krem­pelt. Im Gegen­teil: Jeder ein­zelne der Leute, die den Verein bis zur Über­nahme geleitet haben – der Prä­si­dent, die Vor­sit­zende und der 14-köp­fige Vor­stand –, ist wei­terhin in Amt und Würden und für das Tages­ge­schäft zuständig. Das ist immer noch ein netter, kleiner Fami­li­en­klub“, sagt Derek.

Bein­harte Bur­schen als Trainer

Nur im Kader, da ist einiges pas­siert in den letzten drei Jahren. So man­cher Kicker, der locker ein oder zwei Ligen höher mit­halten könnte, ließ sich von der Aus­sicht nach Sal­ford locken, für die Class of 92“ zu spielen. Und im Januar 2015 wurde ein erfah­renes Trai­nerduo enga­giert, zwei bein­harte Bur­schen, die auch vor hand­greif­li­chen Aus­ein­an­der­set­zungen mit dem Publikum nicht zurück­schre­cken.

Doch auf diesem Level ist ein stetes Kommen und Gehen beim Per­sonal nicht unge­wöhn­lich, weil Spieler im soge­nannten Non-League foot­ball von einer Woche auf die andere den Verein wech­seln können, sofern sie keinen Ver­trag haben. Des­wegen wird Sal­ford City im Juni das Voll­pro­fitum ein­führen. Wir müssen das schon des­wegen tun, um die Spieler an uns zu binden“, sagt Neville. Fylde und Kid­der­minster, die Teams, die gerade an der Spitze stehen, sind schon Pro­fi­ver­eine.“