Seite 2: Erzwungener Abschied

Über­ra­schend an seinem Rück­tritt ist des­halb am ehesten der Zeit­punkt. Schließ­lich hatte der Prä­si­dent noch einen Tag zuvor gesagt, er sehe keine Gründe“ für einen sol­chen. Doch im November hätte ein Miss­trau­ens­votum ange­standen. Ein Orga­ni­sa­ti­ons­team um den Prä­si­dent­schafts­kan­di­daten Jordi Farré hatte dieses schließ­lich mit über 19000 Unter­schriften erzwungen, weit mehr als eigent­lich nötig gewesen wären. Dazu gab es auch pro­mi­nente Unter­stützer – etwa Bar­to­meus Vor­vor­gänger Joan Laporta, der ver­kün­dete: Ich habe unter­schrieben und wenn ich könnte, würde ich noch 20.000 Mal unter­schreiben, um Bar­tomeu und seinen Vor­stand raus­zu­werfen.“ Barcas Klub­ober­haupt konnte sich also aus­rechnen, dass seine Chancen in einem sol­chen Votum eher schlecht gestanden hätten. Und ein Prä­si­dent, der durch eine Mit­glie­der­ab­stim­mung dazu gezwungen wird, zu gehen: Das wäre in der 121-jäh­rigen Geschichte des Ver­eins ein Novum gewesen.

Mit seinem Rück­tritt konnte der Prä­si­dent des­halb zumin­dest sein Ende selbst gestalten. Und fand in seiner Abschieds­pres­se­kon­fe­renz sogleich eine Erklä­rung, wes­halb er nicht schon im Sommer sein Amt nie­der­ge­legt hatte. Wer hätte einen neuen Trainer geholt? Wer hätte auf dem Trans­fer­markt ver­han­delt und ent­schieden? Wer hätte das Bleiben von Lionel Messi vor­an­ge­trieben?“, zählte er die wich­tigsten Dinge auf, die der FC Bar­ce­lona in der kurzen Sai­son­pause zu erle­digen hatte. Die in seinen Augen rich­tige Ant­wort: Nur Bar­tomeu und sein Vor­stands­team konnten das. Auch unbe­queme und unpo­pu­läre Ent­schei­dungen habe man dabei treffen müssen, erklärte der Prä­si­dent außerdem – fast so, als wären das die Gründe für den Unmut der Bar­ce­lona-Fans gewesen.

Bar­tomeu ver­kündet Bei­tritt zur Euro­pean Super League

Zum Schluss ließ es sich Josep Bar­tomeu nicht nehmen, noch eine kleine Bombe platzen zu lassen: Der FC Bar­ce­lona hätte die Ein­la­dung zum Bei­tritt in die Euro­pean Super League ange­nommen, ver­kün­dete der schei­dende Ver­eins­chef seinen letzten Streich, kurz nachdem er den Rück­tritt bekannt gegeben hatte. Aus­ge­rechnet die Euro­pean Super League, das Gespenst, dass schon seit Jahren durch den euro­päi­schen Fuß­ball schwirrt und von einem Groß­teil der Fans, der Liga­ver­bände und der UEFA strikt abge­lehnt wird. Dass es bisher höchst­wahr­schein­lich nur ein Wett­be­werb ist, der auf dem Papier von einigen Spon­soren und Groß­klubs exis­tiert – geschenkt. Die Nach­richt vom Bei­tritt des FC Bar­ce­lona war in den Schlag­zeilen.

Und die Ant­wort folgte prompt: La-Liga-Chef Javier Tebas, natur­gemäß einer der großen Gegner dieses Pro­jektes, nahm das als Anlass, Bar­to­meus Rück­tritt hämisch zu kom­men­tieren: Unglück­li­ches State­ment von Bar­tomeu, der Barcas Teil­nahme an einem Phan­tom­wett­be­werb ange­kün­digt hat, der den Klub rui­nieren würde und damit seine Igno­ranz gegen­über der Fuß­ball-Indus­trie unter Beweis stellt“, so Tebas auf Twitter. Ein trau­riges Ende für einen Prä­si­denten, mit Erfolgen und zuletzt vielen Feh­lern.“