Die Sache mit den Corona-Ein­schrän­kungen, sie ist für uns alle nicht ganz leicht. Manche ver­ein­samen, viele plagen wirt­schaft­liche Sorgen, einige hin­ter­fragen sach­lich Sinn- und Unsinn von bestimmten Maß­nahmen oder kri­ti­sieren Ver­säum­nisse und die som­mer­liche Sorg­lo­sig­keit. Wieder andere ver­lieren kom­plett die Nerven, demons­trieren gegen ein Virus, wähnen sich dabei – wer weiß, warum – in direkter Tra­di­tion mit NS-Wider­stands­kämp­fern und ver­wech­seln Frei­heit mit Rück­sichts­lo­sig­keit. Wir wollen an dieser Stelle nie­manden nament­lich erwähnen, aber was zum Teufel ist eigent­lich bei Thomas Bert­hold schief gelaufen? Egal. Jeden­falls gibt es auch den ein oder anderen Fuß­baller, dem der nun schon mehr als ein halbes Jahr andau­ernde Aus­nah­me­zu­stand zu schaffen macht. Zum Bei­spiel Emma­nuel Bona­ven­ture Dennis vom FC Brügge.

Dennis ist in seinem Verein eigent­lich das, was gemeinhin als Hoff­nungs­träger bezeichnet wird. Ein junger Stürmer mit hohem Markt­wert, einer, bei dem alle ahnen, dass er mal ein richtig Guter werden könnte, trick­reich, schnell und selbst­be­wusst, ein Wett­kampftyp, der vor allem in den wich­tigen Spielen gute Leis­tungen zeigt. Das größte Aus­ru­fe­zei­chen in seiner noch jungen Kar­riere setzte er vor etwas mehr als einem Jahr, im Oktober 2019, beim Cham­pions-League-Aus­wärts­spiel in Madrid. Nur 38. Minuten brauchte er, um gleich zweimal im Sant­iago Ber­nabeu zu treffen, und spä­tes­tens nach dem Spiel war man sich in Brügge sicher: Im Sommer 2020, da würde ein rei­cher Verein, aus Eng­land etwa oder aus Deutsch­land oder Ita­lien, mit Säcken voller Geld nach Brügge reisen und die Stadt wenig später zwar sacklos, aber dafür mit Dennis, dem jungen nige­ria­ni­schen Natio­nal­stürmer, im Gepäck wieder ver­lassen. 

Doch wie so oft im Leben kam alles anders. Fle­der­maus, Corona, Wuhan, Lom­bardei, Ischgl, Heins­berg, New York, Pan­demie, Arschle­cken. Und im Sommer 2020, als Dennis doch eigent­lich weg und Brügge ihn auch gerne ziehen lassen wollte, da konnte oder wollte kein Verein mit Geld­sä­cken in der Stadt auf­tau­chen. Dennis blieb – und fand danach nicht mehr wirk­lich in die Spur.

Dennis ver­ließ wütend den Bus“

Klar, in der Cham­pions League, da konnte sich die Mann­schaft auch wei­terhin auf ihn ver­lassen, beim Auf­takt­spiel in Sankt Peters­burg traf er zum 0:1, auch in den Spielen danach, gegen Lazio und Dort­mund, machte er zumin­dest Radau. Bloß in der Liga, in den Spielen, die außer­halb Bel­giens nie­manden so richtig inter­es­sieren, ging nichts mehr. Nur in sieben von 13 mög­li­chen Par­tien stand er über­haupt auf dem Platz, keines bestritt er über 90 Minuten, ein Tor hat er bis heute nicht geschossen. Im Trai­ning wirke er mal über­mo­ti­viert und mal lustlos, schreiben bel­gi­sche Zei­tungen. Wes­halb ein Spiel wie das heute in Dort­mund, gegen eine der auf­re­gendsten Mann­schaften Europas, vor Mil­lionen von Fern­seh­zu­schauern, eigent­lich genau zur rechten Zeit kommt. Wann, wenn nicht jetzt würde Dennis sich von seiner besten Seite prä­sen­tieren? Doch dann pas­sierte die Sache mit dem Bus.

Auch im Mann­schaftsbus vom FC Brügge gelten im Jahr 2020 strenge Hygie­ne­vor­schriften, so bleiben manche Sitze als Vor­sichts­maß­nahme unbe­setzt. Dum­mer­weise auch der Lieb­lings­platz von Dennis, was diesem, als die Mann­schaft sich ges­tern auf den Weg nach Dort­mund machen wollte, so gar nicht gefiel. Wes­halb er sich – so die Erzäh­lung der bel­gi­schen Jour­na­listen Tomas Taecke und Niels Pois­son­nier – kurz­ent­schlossen trotzdem auf den Platz setzte. Mit­ar­beiter, Team­ma­nager und Team­kol­legen wiesen ihn ver­geb­lich auf seine Pflichten hin“, schreiben Taecke und Pois­son­nier. Dies führte zu einer hef­tigen Dis­kus­sion und Dennis ver­ließ wütend den Bus.“ Trainer Phil­ippe Cle­ment strich seinen Stürmer dar­aufhin aus dem Kader, die Mann­schaft fuhr ohne ihn nach Dort­mund. Details wollte Cle­ment auf der Pres­se­kon­fe­renz nicht nennen. Er hat die Regeln nicht befolgt und ist daher nicht Teil der Aus­wahl. Ich werde nichts anderes dazu sagen.“

Dennis droht nun eine saf­tige Geld­strafe – und ein eher zwei­fel­hafter Ruf als belei­digte Leber­wurst. Zumal jeder Fuß­ballfan der Welt eine Sache weiß: Die Wahr­heit liegt auf dem Platz.

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