Jonas Hector, Sie wurden nicht in einem Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum aus­ge­bildet und haben noch mit 20 Jahren Ama­teur­fuß­ball gespielt. Ist Ihnen klar, dass so einer in der Natio­nal­mann­schaft eigent­lich nicht mehr vor­ge­sehen ist. 

Miroslav Klose hat doch einen ähn­li­chen Weg hin­ge­legt.

Ja, aber das war noch eine andere Zeit. 

Philipp Woll­scheid ist auch spät aus dem Saar­land weg­ge­gangen und noch Natio­nal­spieler geworden.

Sie kommen eben­falls aus dem Saar­land, sind die Men­schen da beson­ders hei­mat­ver­bunden? 

Das kann gut sein, zumin­dest ist es bei mir so.

Haben Sie Ihr ganzes Leben vor dem 1. FC Köln beim SV Auers­ma­cher gespielt und immer dort in der Stadt gelebt? 

Stadt“ ist ein biss­chen über­trieben. Mit 2800 Ein­woh­nern ist es dann doch eher ange­bracht, von einem Dorf zu spre­chen. Ja, dort habe ich gewohnt und gespielt, bis ich nach Köln ging. Der erste Spie­ler­pass wurde 1993 aus­ge­stellt.

Wie bitte, da waren Sie drei Jahre alt? 

Ja, und laut meiner Mutter habe ich auf dem Rasen auch eher Gän­se­blüm­chen gepflückt und nebenan Sand­burgen gebaut. 

Waren Ihre Eltern im Verein enga­giert? 

Mutter und Vater haben dort beide Fuß­ball gespielt. Mein Vater war auch Trainer diverser Mann­schaften, des­wegen war’s vor­pro­gram­miert, dass mein Bruder und ich in seine Fuß­stapfen treten.

War er auch Ihr Trainer? 

Erstaun­li­cher­weise nie, aber gerade in der Pubertät war es viel­leicht auch besser so.

Hat er Ihnen irgend­eine Spe­zi­al­aus­bil­dung zukommen lassen, die erklären würde, warum Sie es zumin­dest mit Ver­spä­tung in den Pro­fi­fuß­ball geschafft haben? 

Nein, die gab es nicht. Fuß­ball war ein­fach immer das Hobby Nummer eins der kom­pletten Dorf­ju­gend. Wenn wir Zeit hatten, haben wir einen Ball genommen und rum­ge­bolzt.

Sind Sie beim SV Auers­ma­cher über­sehen worden? 

Das würde ich nicht sagen. Ich wurde immer mal wieder in die Saar­land­aus­wahl ein­ge­laden, ab der D‑Jugend habe ich auch das DFB-Stütz­punkt­trai­ning gemacht. Aller­dings war ich zwi­schen­durch ein paar Jahre nicht mehr in der Aus­wahl, weil ich erst relativ klein war und dann plötz­lich einen Schuss gemacht habe. Hinten raus, in der U21, habe ich dann wieder gespielt.

Wollte Sie nie ein grö­ßerer Klub aus der Nach­bar­schaft, der 1. FC Saar­brü­cken oder der 1. FC Kai­sers­lau­tern, ins Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum holen? 

Doch, der 1. FC Saar­brü­cken kam ein oder zwei Mal auf mich zu, aber ich hatte irgendwie kein Inter­esse daran, an meiner Situa­tion irgend­etwas zu ändern. 

Warum nicht? 

Ich hab mich ein­fach wohl gefühlt in Auers­ma­cher, ich wollte weiter mit meinen Freunden spielen.

Wie haben Sie sich mit 17 Jahren Ihre beruf­liche Zukunft vor­ge­stellt? 

Das weiß ich nicht mehr. Aber ich hätte nach meinem Abitur auf jeden Fall stu­diert, wahr­schein­lich irgendwas mit Sport. Viel­leicht wäre ich Sport­lehrer geworden.