Seite 2: „Mein Lieblingsvideo ist von Nebojša Krupniković"

Woher stammt eigent­lich das ganze Video­ma­te­rial? Haben Sie den Geheim­schlüssel zum DSF-Archiv?
Ich habe noch viele VHS-Kas­setten der Shows. Ich habe mir damals immer sofort die Schalke-High­light auf Video­kas­sette von ran, Sport­schau oder Pre­miere gekauft. Davon stammt sehr viel Mate­rial. Bun­des­liga Clas­sics habe ich als Kind so oft gesehen, da konnte ich mit­spre­chen. Irgend­wann habe ich sie digi­ta­li­siert. Mitt­ler­weile greife ich aber auch auf You­tube zurück.

Haben Sie ein Lieb­lings­video?
Schwierig. Aber spontan fällt mir ein Video von Nebojša Krup­ni­ković von Han­nover 96 ein. Der hatte sich vor dem Spiel gegen Lau­tern über Trainer Ralf Rang­nick und seine Mit­spieler beschwert. Rang­nick würde ihn nicht wür­digen und Jiri Sta­jner die Frei­stöße nur auf Knie­höhe schießen, Fredi Bobic sich nicht genug mit nach hinten bewegen. Im Hin­ter­grund sieht man, wie gerade das Nie­der­sach­sen­sta­dion umge­baut wird. Wun­der­volle Szenen. Vier Minuten nach seiner Ein­wechs­lung haut er dem jungen Tim Wiese den Ball aus 25 Metern per Frei­stoß rein und jubelt dann, indem er mit beiden Daumen ent­spannt auf seinen Namen auf dem Trikot deutet. Pures Gold!

Das hier ist aber auch ziem­lich groß­artig, oder?

Auf jeden Fall. An das Spiel kann ich mich noch sehr gut erin­nern. Es war ein Mon­tag­abend, Schalke hatte am nächsten Tag das erste Cham­pions-League-Spiel der Saison 2010/11 in Lyon. Unmit­telbar nach dem Abpfiff des Cottbus-Spiels bin ich nach Gel­sen­kir­chen und dann mit dem Bus nach Frank­reich. Im Bus mit den Kum­pels haben wir erst einmal nur über dieses ver­rückte Spiel gespro­chen: 5:5 und dann am Ende dieses Tor.

So spek­ta­kulär geht es aber nicht immer zu. Manchmal wirken die Videos fast ein biss­chen trostlos: Mäßige Spiel­züge und Tore vor spär­lich besetzen Tri­bünen.
Ja, es sind nicht nur schöne Tore. Das ist aber auch nicht Sinn und Zweck des For­mats, da gibt es ja schon genü­gend andere Kanäle für. Bei mir sieht man eben auch mal ein halb­leeres Sta­dion in Wat­ten­scheid bei einem Spiel gegen Gütersloh. Oder ein Kopf­balltor von Hilko Ristau gegen den KFC Uer­dingen. Total unspek­ta­kulär. Aber ich mag sie gerne. Und solange es ein paar Leuten ähn­lich geht, wird es sie auch wei­terhin geben. Es ist auch eine Wür­di­gung von Spie­lern, die etwas in Ver­ges­sen­heit geraten sind. Manchmal bekomme ich Nach­richten, in denen Leute erzählen, dass dieses Tor bei ihrem ersten Sta­di­on­be­such gefallen ist. Die bedanken sich, weil sie es seitdem nicht mehr gesehen haben. Das freut mich dann natür­lich sehr.

Mitt­ler­weile ver­öf­fent­li­chen Sie Ihre Videos auch auf Insta­gram.
Schon länger haben mir Leute damit in den Ohren gelegen, dass Insta­gram die per­fekte Platt­form für das Format wäre. Außerdem haben manche meiner Kum­pels kein Twitter, wollen die Videos aber trotzdem sehen. Irgend­wann habe ich dann nach­ge­geben. Jetzt poste ich dort täg­lich die Videos, die bei Twitter vor zwei und drei Jahren gelaufen sind. Es ist also eine Art Archiv.

„Die DFB-Hal­len­mas­ters hätte ich gerne zurück, spon­sored by Hass­eröder Pre­mium Pils und Sport­wetten Gera“

Sind Sie damit jetzt im Main­stream ange­kommen?
So würde ich es nicht bezeichnen. Ich glaube, es ist immer noch ein Spar­ten­sender.

Die erhöhte Reich­weite macht sich bemerkbar. Neu­lich hat Peter Peschel ein Video von Ihnen geteilt.
Nachdem ich die Folge mit ihm ver­öf­fent­lich habe, hat er mir bei Insta­gram eine Nach­richt geschickt und gefragt, ob ich noch mehr Mate­rial von ihm hätte. Ich habe ihm dann einige Tor-Videos zuge­schickt. Ein paar hatte ich noch im Fundus. Er hat sie dann als Insta­gram-Sto­ries raus­ge­hauen und mich ver­linkt. Scheint ein guter Typ zu sein.

Auch Valdas Iva­n­auskas hat sich bei Ihnen für sein Video bedankt.
An ihn habe ich als Spieler gar nicht so viele Erin­ne­rungen. Da denke ich immer an das Tor aus dem Video. Und vor allem an sein Inter­view danach bei Johannes B. Kerner. Da steht er mit einer Öger Tours“-Kappe und spricht über das Ende seiner Torlos-Serie nach fast einem Jahr. Wenn so jemand dann ein so bedeu­tendes Tor noch einmal bei mir sieht und sich dar­über freut, ist das natür­lich sehr cool. Dafür mache ich das.

Schonmal daran gedacht, Ihren Ruhm auch kom­mer­ziell aus­zu­schlachten? Kommt bald der dicke Wer­be­deal mit Taxofit?
Wenn, dann mit Reusch! Mitte der Neun­ziger ist gefühlt jeder Trainer mit einer über­großen Reusch-Sta­di­onjacke rum­ge­laufen. Vor zwei, drei Jahren habe ich Reusch mal ange­schrieben und gefragt, ob sie die Jacken nicht wieder raus­bringen können. Leider habe ich keine Ant­wort erhalten. So eine klas­si­sche Horst-Ehr­mann­traut-Gedächt­nis­jacke zu besitzen, das wäre schon stark.

Wei­tere Wün­sche?
Die DFB-Hal­len­mas­ters hätte ich gerne zurück, spon­sored by Hass­eröder Pre­mium Pils und Sport­wetten Gera. Da würde ich gerne mit meiner Twitter-Fuß­ball­mann­schaft Loco­mo­tivo teil­nehmen.

Wie lange werden Sie Ihre Fol­lower noch mit Videos ver­ges­sener Bun­des­liga-Helden erfreuen können?
Noch ist das Archiv gut gefüllt. Wenn ich mein Pensum bei­be­halte, kann ich 2021 auf jeden Fall noch kom­plett bespielen. Zudem über­lege ich, den Zeit­raum im nächsten Jahr auf 2011 aus­zu­weiten – so dass immer ein Abstand von zehn Jahren gewahrt wird. Solange die Leute und ich Spaß daran haben, mache ich weiter. Und wenn es mir zu viel wird, muss ich viel­leicht mal ins Trai­nings­lager in Belek.

_