11FREUNDE: Jungs, wo seid ihr heute Abend um 18 Uhr?

Peter:
Natür­lich in der schönen Allianz Arena zu Mün­chen beim Abschied­spiel vom Mehmet. Glück­li­cher­weise hin­dern uns keine Ter­mine am Erscheinen. Wir haben Mehmet vor fünf Jahren eher zufällig kennen gelernt. Heute kann man uns schon als Freunde bezeichnen.

Was war das Beson­dere am Spieler Scholl?

Peter: Ich mochte ein­fach seine ganze Spiel­weise. Immer war etwas Ver­rücktes dabei, sei es ein über­ra­schender Haken oder ein spek­ta­ku­läres Dribb­ling. Er spielte all die Jahre völlig unbe­re­chenbar für seine Gegner.



Rüde: Und er ist immer wieder auf­ge­standen! Auch das machte für mich einen Teil seiner Fas­zi­na­tion aus. Er wurde immer wieder von seinen Gegen­spie­lern umge­treten, hat sich andau­ernd die Bänder gerissen, aber er kam mit einem Grinsen auf dem Gesicht zurück und haute bei seinem Come­back mit drei Hütten die Löwen weg.

Habt ihr schon einmal mit ihm auf dem Platz gestanden?

Peter: Einmal. Da hat er mich brutal von hinten umge­mäht, genau auf die Achil­les­sehne, ganz ohne Vor­war­nung. Er ist mir richtig in die Beine gesprungen. Ich habe also noch einen Tritt bei ihm gut. Wenn ich ihn das nächste Mal in der Innen­stadt sehe, grät­sche ich ihn kom­men­tarlos um. Jetzt muss ich auch keine Angst haben, dass er am nächsten Spieltag ver­letzt auf der Bank sitzt (lacht).

Mehmet Scholl hat gesagt, dass seine Kran­ken­akte untrennbar mit seiner Vita ver­bunden ist.

Peter:
Die ganzen Ver­let­zungen gehören genauso zu der Geschichte von Mehmet Scholl wie die Aus­wechs­lung im EM-Finale 1996 oder der ver­schos­sene Elf­meter 2001 im Cham­pions-League-Finale.

Rüde: Oder solche Sprüche wie Hängt die Grünen, so lange es noch Bäume gibt“. Egal, wie er das damals gemeint hat: Ich fand es ein­fach klasse, dass mal jemand seinen Mund auf­machte. Podolski zeigte in Mün­chen am Anfang auch gute Ansätze, aber zuletzt hat er sich etwas zurück­ge­nommen. Leider.

Peter: Bei den Kom­men­taren nach dem Spiel dre­schen noch immer alle die­selben Phrasen: Also, äh…und so. Meh­mets Ver­zicht auf die WM 2002 hatte ja auch damit zu tun, dass er mit den anderen Spie­lern in der Natio­nal­mann­schaft nichts mehr anfangen konnte. Da hat er sich lieber für die Bayern geschont, statt nach Japan und Süd­korea zu fahren.



Auf die Frage, was er im nächsten Leben werden wolle, hat Scholl geant­wortet: Hund von Uli Hoeneß“.

Rüde: Genau solche Sprüche werden uns fehlen. Mario Basler war ein ähn­li­cher Cha­rakter, der hat auch mal einen raus­ge­hauen. Und auf dem Platz hat er die Ecken direkt ver­wan­delt. Ich bin jedes Mal wieder aufs Neue beein­druckt, wenn sich ein Spieler hin­stellt und den Ball in den Winkel zir­kelt.

Exis­tieren für die Zukunft irgend­welche gemein­samen Pläne mit Scholl?

Peter: Musi­ka­lisch ist nichts Kon­kretes geplant, aber Mehmet hat mal gesagt, dass er gerne mit uns auf Tour gehen möchte. Mal sehen, ob er das wirk­lich durch­ziehen wird. Ich habe aber auch noch einen wei­teren Deal mit ihm laufen: Er bringt mir Frei­stöße bei und ich ihm ein paar Akkorde auf der Gitarre.

Ist Meh­mets Musik­ge­schmack denn genauso fili­gran, wie es sein Fuß­ball­spiel war?

Rüde: Na, er steht so ein biss­chen auf ver­rückte Musik: Flower-Power-Hippie, so in der Art.

Peter:
Es ist aber auf keinen Fall so schlimm wie bei Thomas Häßler. Der war ja eher so der Melody-Rock-Typ.

Über euren Band­namen ist im letzten Sommer viel geschrieben worden…

Peter: Soll ich dir etwas ver­raten? Eigent­lich wollten wir uns Bodden“ nennen, nach dem ehe­ma­ligen Sechzger Olaf Bodden. Wir waren schon so kurz davor. Aber da bin ich dann noch recht­zeitig dazwi­schen gegrätscht. Glück­li­cher­weise.

Wo ist eigent­lich euer Sechzger, also Euer Schlag­zeuger Flo?

Peter:
Der hat sich pas­send zum Mehmet-Scholl-Abschieds­spiel beim Kicken das Kreuz­band gerissen…

— — — — –

Die Sport­freunde Stiller haben gerade ihr neues Album La Bum“ (Uni­versal) ver­öf­fent­licht.

Home­page: www​.sport​freunde​-stiller​.de

Inter­view: Alex Raack