Ein grau-reg­ne­ri­scher Abend Ende Januar im Old Traf­ford. Man­chester United spielt nicht schlecht, aber auch nicht wirk­lich gut, es fehlt die letzte Kon­se­quenz. Das damals abstiegs­be­drohte Burnley schießt zweimal aufs Tor. Und trifft zweimal, Heim­nie­der­lage Man­chester United. Ein Verein liegt kol­lektiv am Boden, der Tief­punkt scheint erreicht. Nicht nur die Atmo­sphäre in der Kabine gilt als ver­giftet. Auch der Kader ist für manch Kri­tiker der schlech­teste seit den Anfangs­tagen von Sir Alex Fer­guson vor über 30 Jahren. Zudem wackelt der Trai­ner­stuhl von Ole Gunnar Solks­jaer mal wieder gewaltig. Es droht eine wei­tere Saison, die den Erwar­tungen der Fans nicht im geringsten gerecht wird.

Der ver­gan­gene Dienstag, ein lauer Juni-Abend: Brighton schlägt im Heim­spiel einen hohen Ball in Rich­tung Straf­raum von Man­chester United, doch United-Ver­tei­diger Harry Maguire behauptet sich im Kopf­ball­duell mit zwei Angrei­fern. Dann geht es ganz schnell in die andere Rich­tung: Nemanja Matic nimmt den Ball mit der Brust runter und ver­la­gert ihn per Drop­kick auf die linke Seite. Dort hat Mason Green­wood eine Menge Platz und chippt den Ball mit seinem zweiten Kon­takt über die Abwehr. Genau in den Lauf von Bruno Fer­nandes. Der haut den Ball volley per Voll­span ins lange Eck. Per­fekter Konter, Traumtor, 3:0, Ent­schei­dung, Aus­wärts­sieg Man­chester United.

Bruno bringt die Wende

Zwi­schen diesen beiden Spielen liegen etwas mehr als fünf Monate, eine Corona-bedingte Zwangs­pause und Bruno Fer­nandes. Ja, Bruno Fer­nandes! Seitdem der Por­tu­giese nach zähen Ver­hand­lungen für 55 Mio. Euro plus mög­li­cher Bonus­zah­lungen von Spor­ting Lis­sabon ins Old Traf­ford gewech­selt ist, wirkt ein ganzer Verein wie aus­ge­wech­selt. Die Spiel­weise des vor sich hin dar­benden Welt­klubs hat sich seit der Ankunft von Bruno Fer­nandes stark ver­än­dert. Par­tien von Man­chester United sind nicht mehr trist, son­dern auf­re­gend.

Seit der Ankunft des offen­siven Mit­tel­feld­spie­lers hat Man­chester United weder in der Pre­mier League, noch im FA Cup, Liga­pokal oder in der Europa League ver­loren. Seit mitt­ler­weile 15 Spielen sind die Red Devils unge­schlagen. Kein Verein hat in der Pre­mier League mehr Punkte geholt, seitdem Bruno Fer­nandes sich das erste Mal ein United-Trikot über­ge­streift hat. Die Zahlen spre­chen eine ein­deu­tige Sprache. Acht Scor­er­punkte (5 Tore, 3 Vor­lagen) hat Fer­nandes bis­lang in in acht Pre­mier-League-Spielen gesam­melt.

Doch da ist noch mehr. Bei Spor­ting soll der variabel ein­setz­bare Mit­tel­feld­spieler via Mes­senger-Diensten seinen Team­kol­legen Ein­schät­zungen zu deren Spiel­leis­tungen geschickt haben. So gelang es Fer­nandes mit Hilfe seiner kon­struk­tiven Kritik, einer­seits den Team­spirit zu ver­bes­sern und ander­seits auch jeden ein­zelnen Spieler noch ein biss­chen besser zu machen. Und auch bei United ist er dabei, das ganze Team mit­zu­reißen. Seit seiner Ankunft haben sich die Leis­tungen einiger Mit­spieler deut­lich ver­bes­sert. Anthony Mar­tial trifft wieder zuver­läs­siger, die Mega-Talente Mason Green­wood und Marcus Rash­ford bekommen immer mehr Kon­stanz in ihr Spiel und selbst Paul Pogba scheint langsam aber sicher aus seiner jah­re­langen Lethargie zu erwa­chen. Fer­nandes treibt an, legt auf, ist sich für eine Grät­sche nicht zu schade und über­nimmt zusätz­lich Ver­ant­wor­tung, indem er Elf­meter schießt.

Der Trainer-Retter

Man­chester United schießt der­zeit aber nicht nur viele Tore. Sie kas­sieren auch nur wenige. Die Balance stimmt, sodass selbst der durch­ge­hend kri­ti­sierte Solks­jaer auf ein mal wie ein Trainer wirkt, der Welt­format errei­chen kann. Oder zumin­dest wie ein Trainer, der eine Spit­zen­mann­schaft sou­verän betreut, wie ein Trainer, der bei Man­chester United eine Zukunft hat und fest im Sattel sitzt.