Seite 2: Warum die Belästigung System hat

Die Vor­würfe gegen­über dem Trainer der North Caro­lina Cou­rage gehen aber weiter: Er habe Far­relly und Mit­spie­le­rinnen unter Druck gesetzt, zu sexu­ellen Hand­lungen auf­ge­for­dert, wie die Far­relly, aber auch ihre ehe­ma­lige Team­kol­legin Meleana Shim sagt. Riley habe sich um gewisse Spie­le­rinnen bemüht, um sie später auch bei anderen Teams unter Ver­trag zu nehmen oder nicht zu trans­fe­rieren. Ein Abhän­gig­keits­ver­hältnis ent­stand. So habe er im pri­vaten Rahmen beide Spie­le­rinnen auf­ge­for­dert, sich zu küssen. Er als Chef­trainer würde im Gegenzug auf eine beson­ders harte Ein­heit im nächsten Trai­ning ver­zichten. Er habe Fotos ver­schickt, auf denen er allein Funk­ti­ons­un­ter­wä­sche trug. Er habe sie im Flug­zeug gebeten, die Plätze mit anderen zu tau­schen, damit sie neben ihm sitzen würde. Er war ein­fach eklig“, sagt Shim gegen­über The­Ath­letic. Bereits 2015 hatte Shim das Ver­halten ihres Trainer den Port­land Thorns, dem dama­ligen Team, gemeldet. Doch Verein und Ver­band gingen den Vor­würfen nicht ent­schieden genug hin­terher.

North Caro­lina Cou­rage hat sich in einer ersten Reak­tion auf die Berichte von The­Ath­letic von Coach Paul Riley getrennt. Der US-ame­ri­ka­ni­sche Fuß­ball­ver­band hat ihm die Trai­ner­li­zenz ent­zogen. Die Fran­chise erklärte: Wäh­rend seiner Anstel­lung bei Cou­rage hatten wir keine Kenntnis von Vor­würfen wegen sexu­eller Beläs­ti­gung oder Nöti­gung. Als wir in der Bericht­erstat­tung der letzten Woche von den schreck­li­chen Vor­würfen erfahren haben, haben wir diese ernst genommen und Herrn Riley sofort gekün­digt.“

Die NSWL-Chefin musste bereits gehen

Bereits jetzt deutet sich an, dass Paul Riley im US-ame­ri­ka­ni­schen Frau­en­fuß­ball kein Ein­zel­fall sein dürfte. Viel­mehr stehen aktuell die Struk­turen in der US-ame­ri­ka­ni­schen Pro­fi­liga NSWL im Fokus. In einer ersten Pres­se­mit­tei­lung hatte NSWL-Boss Lisa Baird erklärt, geschockt und ange­ekelt“ von den Berichten zu sein. Nur eine Stunde später ver­öf­fent­lichte Natio­nal­spie­lerin und Super­star Alex Morgan einen Mail­ver­kehr aus dem April, der beweisen soll, dass die Liga von den Anschul­di­gungen wusste, sich aber mehr­fach gewei­gert haben soll, die Vor­würfe zu unter­su­chen. Die Liga muss die Ver­ant­wor­tung für einen Vor­gang über­nehmen, der die eigenen Spieler nicht vor diesem Miss­brauch schützt.“ Baird traf dar­aufhin von ihren Ämtern zurück.

Wei­tere Spie­le­rinnen wie Natio­nal­spie­lerin Sam Mewis posi­tio­nierten sich ebenso klar. Sie, die eben­falls unter Riley gespielt hat, schrieb: Ich unter­stütze Sinead und Mana.“ Das 21-jäh­rige Top-Talent Sophia Smith schrieb bei Twitter: Was in dieser Liga pas­siert, ist ekel­haft. Als junge Spie­lerin ist es ein beängs­ti­gendes und ein­schüch­terndes Gefühl, nie zu wissen, wer auf einen auf­passt oder wem man ver­trauen kann. Von der Liga wird das abso­lute Minimum ver­langt, um ihre Spieler zu schützen, und sie können nicht einmal das tun.“

Was in dieser Liga pas­siert, ist ekel­haft“

Sophia Smith

Wie sehr der Frau­en­fuß­ball unter struk­tu­rellen Pro­blemen leidet, wird auch mit Blick auf die finan­zi­elle Situa­tion vieler Spie­le­rinnen klar. Die NWSL ist bereits die dritte pro­fes­sio­nelle Frau­en­fuß­ball­liga in den USA, nachdem zwei andere Ligen­sys­teme in der Ver­gan­gen­heit schei­terten. Im neunten Liga-Jahr ver­dienen 75 Pro­zent aller Spie­le­rinnen weniger als 31.000 Dollar im Jahr, wie The­Ath­letic berichtet. Viele Spie­le­rinnen würden sich aus­tauschbar fühlen. Eine Situa­tion, die die Kultur von Unter­drü­ckung, Nöti­gung und Schweigen nur för­dere. Alex Morgan sagte: Es gab defi­nitiv diese gemein­same Idee, dass die NWSL irgendwie die letzte Hoff­nung auf eine Frau­en­fuß­ball­liga ist. Aus diesem Grund habe ich das Gefühl, dass es diese Mei­nung gibt, dass wir für das, was wir haben, dankbar sein und keine wich­tigen Fragen auf­werfen sollten.“ The­Ath­letic hatte mit mehr als einem Dut­zend Spie­le­rinnen gespro­chen, nur Shim und Far­relly ließen sich nament­lich nennen.

In einer ersten Reak­tion hatte die NSWL vor einer Woche meh­rere Spiele aus­ge­setzt, beim Neu­start zwi­schen Gotham und Washington Spirit unter­bra­chen die Mann­schaften nun das Spiel nach sechs Minuten. Dabei war in Washington erst vor wenigen Tagen der Trainer Richie Burke nach Vor­würfen zu ver­balem Miss­brauch und ras­sis­ti­scher Bemer­kungen ent­lassen worden. Seine Spie­le­rinnen hatten bereits im ver­gan­genen Jahr intern Bedenken geäu­ßert, Burke blieb vor­erst Trainer. Es gibt wei­tere Bei­spiele aus den letzten Jahren mit ähn­lich dras­ti­schen Geschichten und Trai­nern, die zulange keine Kon­se­quenzen fürchten mussten. Nun standen die Spie­le­rinnen schwei­gend, sich umar­mend, in der Mitte des Spiel­felds. Heute Abend haben wir uns unseren Platz zurück­ge­holt.“ Sechs Minuten, sechs Jahre. Solange hat es gedauert, ehe Paul Riley nach den ersten Vor­würfen 2015 nun aus dem Amt geworfen wurde.

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