Bernd Franke, 26 Jahre lang musste man in Braun­schweig warten, bis es end­lich wieder zu einem Duell der Ein­tracht gegen den FC Bayern Mün­chen kommt.

Bernd Franke: Das ist eine lange Zeit. Umso größer ist jetzt die Euphorie. Ich werde auch im Sta­dion sein und freue mich schon riesig auf das Spiel. Ich denke, dass das eine enge Kiste wird. Die aktu­elle Ein­tracht-Mann­schaft spielt einen sehr guten, einen wirk­lich herz­er­fri­schenden Fuß­ball. Und sie ist eine Ein­heit, so wie wir das in den 70er Jahren waren.

Können Sie sich noch an den letzten Sieg gegen den FC Bayern Mün­chen erin­nern, Sie standen damals zwi­schen den Pfosten?

Bernd Franke: Wir haben zu meiner Zeit ein paar Mal die Bayern geschlagen. Wann das das letzte Mal war, weiß ich nicht mehr…

Es war 1982 im DFB-Pokal. Die Ein­tracht gewann damals 2:0.

Bernd Franke: Es waren immer schöne Spiele gegen die Bayern, mit einem stets aus­ver­kauften Sta­dion.

Das heute Ein­tracht-Sta­dion heißt und nicht nach einem Finanz­dienst­leister, Ver­si­cherer oder Auto­kon­zern benannt ist. Eigent­lich hätte man gerade in Braun­schweig etwas anders erwartet.

Bernd Franke: Die Jägermeister“-Truppe… Das hängt immer noch in den Köpfen. Und daran wird sich auch nichts ändern, weil Ein­tracht Braun­schweig 1973 der erste Bun­des­liga-Klub mit Wer­bung auf der Brust war. Ich weiß noch gut, wie wir bei einem Freund­schafts­spiel gegen Real Madrid im Ber­nabéu-Sta­dion vor 100.000 Zuschauern antraten. Die Leute rieben sich die Augen, als wir uns in oran­ge­far­benen Trai­nings­an­zügen mit dem Jäger­meister-Hirsch vorne drauf warm­machten.

Die Ein­füh­rung der Tri­kot­wer­bung und das ganze Theater darum war ein Mar­ke­ting-Genie­streich von Günter Mast.

Das kann man so sagen. Anfangs war das Logo auf unseren Tri­kots ein paar Zen­ti­meter größer als erlaubt. Es gab einen Rie­sen­streit mit dem DFB. Dadurch, dass sich Günter Mast wei­gerte, es kleiner zu machen, hat er den Namen Jäger­meister“ und Ein­tracht Braun­schweig wochen­lang in den Schlag­zeilen gehalten. Alle berich­teten dar­über. Eine bes­sere Wer­bung konnte es gar nicht geben. Später war dann auch mal im Gespräch, das Sta­dion in Jäger­meister-Sta­dion umzu­be­nennen. Aber da haben die Ver­eins­mit­glieder nicht mit­ge­macht.

Hatten Sie damals ein Pro­blem damit, als lebende Lit­faß­säule im Tor zu stehen?

Bernd Franke: Nein, auch wenn es den einen oder anderen blöden Spruch von geg­ne­ri­schen Spie­lern gab. Zum Bei­spiel: Trinkt Ihr das auch?“

Und tranken Sie den Kräu­ter­likör?

Bernd Franke: Nein. Ein Bier­chen ab und zu mal, ja das schon. Aber Jäger­meister“ war sicher nicht mein Lieb­lings­ge­tränk.

Günter Masts nächster PR-Coup war die Ver­pflich­tung von Paul Breitner, der von Real Madrid in die nie­der­säch­si­sche Pro­vinz wech­selte.

Bernd Franke: In sport­li­cher Hin­sicht war das kein Glücks­griff. Wir hatten mit der glei­chen Mann­schaft im Jahr zuvor knapp den Meis­ter­titel ver­passt. Und mit Paule wären wir fast abge­stiegen. Er hat alle ver­rückt gemacht. Der Paule war nun mal kein ein­fa­cher Typ, son­dern ein Eigen­brötler. Er kam zehn Minuten vor dem Spiel oder vor dem Trai­ning und war zehn Minuten danach wieder ver­schwunden. Zudem baute der Trainer die Mann­schaft wegen ihm um. Wir waren danach viel zu offensiv aus­ge­richtet. Im End­ef­fekt hat Paule die Ein­tracht nur als Sprung­brett gesehen, um wieder in die Bun­des­liga zurück­zu­kommen.

Sie selbst sind der Ein­tracht immer treu geblieben, auch nach Abstiegen, zum Bei­spiel 1973, am Ende der ersten Saison in den Jägermeister“-Trikots.

Bernd Franke: Das war damals ganz bitter. Nie­mand hatte damit gerechnet. Wir sagten uns dann: wir haben das dem Klub ein­ge­brockt und jetzt löf­feln wir das auch wieder aus. Bis auf Bernd Gers­dorff sind alle bei der Ein­tracht geblieben. Und der ist nach nur vier Monaten beim FC Bayern Mün­chen auch wieder zurück­ge­kommen und hatte mit seinen Toren maß­geb­lich Anteil am direkten Wie­der­auf­stieg der Ein­tracht.

Sie hätten 1973, nach der Abstiegs­saison, zu Ajax Ams­terdam wech­seln können.

Bernd Franke: Dann wäre ich Euro­pa­po­kal­sieger geworden. Aber das weiß man ja vorher nicht.

Was gab den Aus­schlag dafür, das Ajax-Angebot abzu­lehnen?

Bernd Franke: Zum einen wollte meine Familie nicht nach Hol­land mit­gehen. Außerdem war es damals nicht ganz ein­fach, als Deut­scher in Hol­land zu spielen. Und dann hatte ich mit Bun­des­trainer Helmut Schön noch ein Gespräch. Du gehörst auch dann noch zum Stamm der Natio­nal­mann­schaft, wenn du in der 2. Liga spielst“, hat er mir ver­si­chert. Also bin ich mit meiner Familie in Braun­schweig geblieben. Wir fühlten uns dort sehr wohl. Ich spielte in einer intakten Mann­schaft. Und finan­ziell passte das auch. Wir bekamen die glei­chen Prä­mien wie in der Bun­des­liga. Weil es in der 2. Liga mehr Siege gab, ver­dienten wir sogar mehr als in der Saison zuvor.

Später haben Sie auch noch Uli Hoeneß als frisch­ge­ba­ckenen Bayern-Manager mit einem Angebot abblitzen lassen.

Bernd Franke: Das war im Sommer 1979 nach dem schweren Auto­un­fall von Sepp Maier. Braun­schweig hat mir ein gutes Angebot gemacht. Ich bin geblieben, wie so oft. Ich hätte auch zu Kai­sers­lau­tern oder Frank­furt wech­seln können.

Am Ende der Saison 1979/1980 war der FC Bayern deut­scher Meister und die Ein­tracht stieg als Tabel­len­letzter ab. Wie erklären Sie sich das Auf und Ab zu jener Zeit?

Bernd Franke: Das hatte sicher auch mit den Trai­ner­wech­seln zu tun. Jeder wollte Fuß­ball neu erfinden. Zudem wurden Spieler ver­pflichtet, die nicht in das Team passten. Es gab Maul­würfe, die Infos an die Jour­na­listen wei­ter­gaben und die nicht nach draußen hätten dringen dürfen. Das schadet einer Mann­schaft unge­mein. Eine gute Mann­schaft zeichnet sich dadurch aus, dass die Dinge intern bespro­chen werden. Und auf dem Platz ist es sehr wichtig, dass man dem Team­kol­legen auch mal einen Fehler zuge­steht und ihm hilft. Zu den besten Zeiten in den 70er Jahren hatten wir eine funk­tio­nie­rende Mann­schaft. Und ich habe den Ein­druck, dass das auch aktuell bei der Ein­tracht wieder der Fall ist.

1985, nach dem dritten Abstieg, been­deten Sie Ihre Pro­fi­kar­riere.

Bernd Franke: Das stand schon lange vorher fest. Ich hatte ein Job­an­gebot von Adidas vor­liegen. Jahr für Jahr sagte ich, nur noch eine Saison, dann höre ich auf. 1984 war ich dann noch bei den Olym­pi­schen Spielen in Los Angeles dabei. Das war das abso­lute High­light, viel schöner als die WM 1982 in Spa­nien, die ich als Ersatz­tor­hüter erlebte und wo ein paar sehr über­heb­liche Leute dabei waren, die inner­halb der Mann­schaft für Strei­tig­keiten sorgten. Dann sagte Adidas: So jetzt musst du ran oder die Stelle ist ein für alle Mal weg. Also habe ich als Tor­hüter auf­ge­hört, obwohl ich von der Fit­ness her noch ein paar Jahre hätte spielen können.

Was war das für ein Job?

Bernd Franke: Reprä­sen­tant.

Was muss man sich dar­unter vor­stellen?

Bernd Franke: So eine Art Ver­treter. Ich war für den Süd­westen Deutsch­lands zuständig und schaute in den Sport­ge­schäften vorbei. Das haben auch der Wolf­gang Overath oder der Uwe Seeler gemacht. Mir hat das viel Spaß gemacht. Im Nach­hinein habe ich mich gewun­dert, warum ich so lange Fuß­ball gespielt habe.

Inzwi­schen sind Sie im Ruhe­stand und betreuen als Kon­di­ti­ons­trainer die deut­sche Ten­nis­spie­lerin Kris­tina Bar­rois.

Bernd Franke: Die Kris­tina wohnt im selben Ort wie ich. Wir machen jeden Tag zusammen Kraft­trai­ning. Dem­nächst fliegt sie nach Ame­rika zu den US-Open.

Warum haben Sie nicht als Fit­ness­trainer im Fuß­ball­ge­schäft gear­beitet?

Bernd Franke: Das war mit meinem Job als Reprä­sen­tant nicht zu ver­ein­baren. Wenn ich etwas mache, dann richtig. Aber ich spiele selbst noch ab und zu Fuß­ball. Und ich bin immer wieder mal im Sta­dion.

Man hat Sie in Braun­schweig nicht ver­gessen, obwohl Sie seit vielen Jahren in Ihrer alten Heimat im Saar­land leben.

Bernd Franke: Das freut mich sehr. Einmal im Jahr werde ich vom Fan­klub zu einem Spiel ins Ein­tracht-Sta­dion ein­ge­laden. Die Ein­tracht hat ein wirk­lich tolles Publikum. Sogar in der 3. Liga sind im Schnitt 12.000 bis 14.000 Zuschauer gekommen. Das ist sen­sa­tio­nell. Ich glaube, dass die Mann­schaft von Torsten Lie­ber­knecht in der 2. Liga eine gute Rolle spielen wird. Und ich bin sehr gespannt, wie sie sich gegen die Bayern schlagen wird.